Monatsspruch September

Monatsspruch September 2026: Kohelet 4,6:

Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ (Erich Honecker).
„Wir müssen galliger werden“ / „Wir brauchen Eier“ (Oliver Kahn).
„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit,
dann wirfst du den Alltag und die Sorgen fort“. (Balu der Bär).
„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.

Vier Zitate, die mir wieder begegnen – und damit verbindet sich für mich jeweils eine Haltung im Leben. Eine Einstellung zum Leben. Zum Erleben und zum Erlebten.
Entspannt oder angespannt.
Zufrieden oder fordernd.
Affirmativ oder einladend.
Motivierend oder erdrückend.

Wenn ich von meinem Stehpult in den Garten blicke, dann fällt mein Blick zunächst auf ein Buch auf dem Fensterbrett mit dem Titel „Theologie der Gefühle“, und ich erinnere mich dabei an ein Seminar zu „Sorget euch nicht. Gefühle und Gelassenheit“.
Das Ziel der Gelassenheit ist die Unabhängigkeit von emotionalen Aufwallungen und Überhitzungen.
Gelassen-Sein wird damit zu einer Lebenshaltung, zur höchsten Tugend und verbindet sich mit dem Dankbar-Sein und ist etwas sehr Aktives:
Ich verlasse die scheinbaren Sicherheiten und verabschiede mich von ihnen.

Eine tiefe Weisheit steckt hinter der Beobachtung des Lassens.
Nicht nur, dass weniger manchmal mehr ist, viel mehr ist.
Nicht nur, dass so manches nicht in meinen Händen und in meinem Wollen liegt,
sondern auch, dass das Streben nach mehr ein Suchtpotenzial in sich birgt.
Wann bin ich denn jemals zufrieden mit dem, wie es gerade ist?
Die permanente Suche kann zur Sucht werden. Die Gier frisst mich von innen auf. Sie nagt aber auch an meinem Selbstbewusstsein.
In einem seelsorgerlichen Brief des Zisterzienserabts Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III im Jahr 1150 findet sich Folgendes:
„Es ist viel klüger du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen als dass sie dich ziehen und dich an den Punkt führen, an dem du nicht landen willst.
Du fragst, an welchen Punkt?
An den Punkt, wo das Herz hart wird.
Frage jetzt nicht weiter, was damit gemeint ist;
wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon so weit. …
Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?
Denk also daran: Gönne dich dir selbst.
Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft,
aber ich sage: Tu es immer wieder einmal.
Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da.“
(Quelle: https://www.christoph-kreitmeir.de/spirituelles/textmeditationen/ brief-an-einen-gestressten-papst/)

Der Ordensvater Bernhard rät höchst seelsorgerlich zu einer Gemütlichkeit, Gelassenheit und Ruhe.
Und was für den Papst richtig ist, das kann doch für uns nur recht und billig sein.
Achte auf dich, sei sorgsam mit dir.
Übe dich ein in das Lassen und in die Kunstfertigkeit der Gelassenheit, damit das Herz vital bleibt.

Eine menschliche Entdeckung, Erfahrungswissen einerseits sowie andererseits eine theologische, religiöse Sichtweise.
„Von den Besten lernen“ legt die Ratgeberliteratur nahe.
Lebenserfahrung gepaart mit weisem Verständnis in die Möglichkeiten und Untiefen des Lebens. Eine eigene Haltung zu entdecken, die resilient werden lässt.
„Gib dich zufrieden und sei stille
in dem Gotte deines Lebens!
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
ohn ihn mühst du dich vergebens;
er ist dein Quell und deine Sonne,
scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden!“
(Paul Gerhardt: Gib dich zufrieden und sei stille; EG 371)

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