#54 RollupInformationsdesign aus der Hölle

Die Kirche wirbt mit vielen Mitteln. Ob sie lockt, ist eine andere Frage.

Kirchenmeile
"Kirchenmeile" beim Katholikentag in Würzburg© Harald Oppitz/KNA

Die Veranstaltungen des Katholikentags waren heuer erfrischend vielfältig, umso monotoner war allerdings die Orgie an Beachflags, Print-Bannern und Roll-ups an den Ständen der Kirchenmeile.

Wenn man eine Klimabilanz dieser Druckerzeugnisse zusammenstellen würde, müsste man sich wünschen, dass sich Klimakleber Jörg Alt SJ hin und wieder mal an ein Roll-up geklebt hätte.

Armenbibeln im Siebdruckverfahren

Man könnte eine eigene Vexillologie dieser kirchlichen Werbemittel verfassen – mit ihren fülligen Textblöcken, dem Schriftartsalat, Silhouettenfiguren und Strichmännchen, den Spiegelstrichen, Logo-Schlachten, biederen Farbpaletten oder den nichtssagenden Hülsenfrüchten an Claims, die in enormen Lettern auf monochromen Grund zu lesen sind.

Beachflag beim Katholikentag
... bloß was? © Benjamin Leven

Womit die Ordinariate sich gegenüber den Unternehmensberatern, die an den Diözesen ebenso reich werden wie die Werbeagenturen, brüsten können: über flyeralarm.de und druck.at sind sie schon längst hinweg. Wenn's um Roll-ups geht, sind bei uns echte Profis am Werk.

"Wer wir sind"

Da hat sich eine Kirche gerade eine Woche zuvor zurecht darüber echauffiert, dass Donald Trump spießige KI-Jesusbilder verbreitet und damit gegen den Papst hetzt, da wird von Kirchenmusik- und Theologie-Experten die mangelnde Aussagekraft und Tiefe von Worship-Musik beklagt – und dann präsentiert sich der deutsche Katholizismus auf der "Kirchenmeile" als Massenproduzent von Layoutexzessen auf wetterfestem Kunststoffgewebe.

Vielleicht begann diese visuelle Verirrung schon, als in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sich die Antependien und Prozessionsflaggen nur noch in ihrer Einfallslosigkeit Konkurrenz machten. Da durfte dann der Künstlerfreund des Stadtdekans, der sich auch schon beim Aschermittwoch der Künstler als so fromm hervorgetan hatte, das Fastentuch gestalten – oder die neue Fronleichnamsflagge für die Jungschar.

Charme

In meiner überschaubaren Karriere als Kirchenmitarbeiter, die ich glücklicherweise vor einigen Jahren beendete, habe ich sicher €20.000 bis €25.000 für Beachflags und ähnliche Banner ausgegeben. Dabei war ich noch unter den Sparsamen. Dafür ein spätes mea culpa!

Ich wünsche mir eine kirchliche Kommunikation, deren Akteure mit der Botschaft anfangen. Ich wünsche mir eine kirchliche Kommunikation, die angesichts abertausender Beachflags die Tiefe des Ozeans nicht vergisst, diese anmutig funkelnde, perlmutterne Schale des Meers. Ich wünsche mir eine kirchliche Kommunikation, die sich vom Stumpfsinn der Realo-Ästhetik verabschiedet und die Schönheit und Anmut wiederentdeckt.

Charme, wie Albert Camus uns lehrte, ist die Fähigkeit, ein JA als Antwort zu erhalten, ohne eine Frage zu stellen.

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