Die Tiara ist keine Krone. No kings. Vielmehr ist sie ein Zeichen, das die Qualität päpstlicher Autorität zum Ausdruck bringt. Das Triregnum der Tiara sagt drei Dinge aus. Erstens: Das Petrusamt gründet nicht auf dem Sand weltlicher Macht, sondern auf dem Golgatha-Felsen, der das Geheimnis Christi ist. Zweitens: Zeugnis und Dienst sind wichtiger als Herrschaft. Drittens: Person und Amt sind getrennt, der konkrete Amtsträger ist von der gestaltlosen Gestalt des Amtes unterschieden. Dafür steht nicht zuletzt die bienenkorbartige XXL-Größe der Tiara. Gerade so wird sein Handeln in die Bewegung des Heiligen Geistes assimiliert.
Was sagt uns das über den Beef, den die Öffentlichkeit zwischen Nr. 47 und Nr. 267 sah?
Für viele Menschen, nicht nur Katholiken, war es ein erhebendes Gefühl: sich endlich, endlich an ein klar erkennbares Nein zum Treiben der amerikanischen Administration klammern zu können.
Der Papst ist nicht Trumps Gegenspieler; vielmehr versucht die päpstliche Paränese den Keim zu säen, der als Umkehr und Rettung aufgehen kann.
Auf dem Flug nach Afrika antwortete Papst Leo auf die Truth Social-Enzykliken Donald Trumps: "I’m not looking to get into a debate with Trump." Im nächsten Satz betonte er seine Rolle, die jenseits der Politik liege. Er, Leo, habe keine Angst vorm Präsidenten, weil das päpstliche Zeugnis für das Evangelium unabhängig von dieser oder jener zufällig in einem Erdteil herrschenden Figur ist. Der Papst ist nicht Trumps Gegenspieler; vielmehr versucht die päpstliche Paränese den Keim zu säen, der als Umkehr und Rettung aufgehen kann.
Diese Position, verbunden mit der moralischen Klarheit, die der Papst im Hinblick auf weltweite Konflikte in seinem bisherigen Pontifikat zum Ausdruck brachte, zeigt den spirituellen Exzeptionalismus des römischen Papsttums: Wir stehen über den politischen Grabenkämpfen. Unsere Verfassung ist die Wahrheit und Erlösungskraft Jesu Christi sowie die – immerfort unzureichende, widersprüchliche, aber pilgernde – Bewegung kirchlicher Communio. In dieser Gemeinschaft lebt unsere Unabhängigkeitserklärung.
So ausdrücklich, unmissverständlich und klar die Kritik des Pontifex an übergriffigem Despoten während seiner Afrika-Reise war, so deutlich ist auch die Andersheit seines Stils. Papst Leo steht nicht auf einer Stufe mit weltlichen Herrschern, nicht auf einer Stufe mit Donald Trump, nicht mit Giorgia Meloni oder Friedrich Merz. Seine Autorität ist von anderer Art.
Bigly: It's huge
In der Diözese Limburg – das ist das Bistum mit der goldenen Badewanne – befindet sich eine Monstranz, die 1935 für das 700-jährige Domjubiläum geschmiedet wurde. Über dem zylindrischen Gefäß für die Eucharistie ist der Christkönig dargestellt, im Strahlenkranz sind, in Medaillons gefasst, die Sternzeichen zu sehen: 1935 deutete ein Pfarrer im Hinblick auf die Nazis im lokalen Rathaus die Monstranz mit diesen Worten: "Christus ist König. Er wird auch dann noch König sein, wenn alle Herrscher dieser Welt im Grabe modern." Christus ist der kosmische König, größer als jede Regierung, größer als gerechte und unrechte Herrschaftsformen.
So lässt sich die Reaktion des Papstes in diesen Linien deuten: Er geht nicht ins Cage Match mit Trump. He’s not going wrestle with a pig, weil seine Führung substanziell, spirituell und sakramental ist. Das Papsttum als Systemsprenger.
Es gibt trotzdem ein Problem mit der Monstranz aus Limburg. Die Kritik des Priesters am Nazi-Regime seiner Zeit war richtig und konsequent. Solche Aussagen verhinderten jedoch nicht den Überfall auf Polen, verhinderten nicht die Shoah und die desaströsen Kriegsjahre. Sie verhinderten nicht einmal, dass zwanzig Kilometer von Limburg entfernt, in Hadamar, eine Euthanasie-Anstalt in Betrieb genommen wurde.
Endlich auf der richtigen Seite stehen
In der letzten Woche blickten viele Katholiken mit Stolz auf ihren Papst. Ich selbst fühlte eine starke Ermutigung in seinem Tun. In der Rezeption, besonders in Europa, sah ich allerdings Reflexe greifen, die ich seit meiner Jugend in Bayern kenne: Ein Sonnen in Worten angesichts der Feststellung, auf der richtigen Seite zu sein. Eine Journalistin fantasierte sogar auf Facebook, dass man diese MAGA-Katholiken einfach exkommunizieren könnte. Problem solved. Aber der Kampf gegen eine populistische Rechte wird nicht durch einen Verwaltungsakt, auch nicht durch einen päpstlichen Bannspruch, gewonnen. Ich verstehe das Bedürfnis nach "klaren Worten." Aber was ist Opposition zum Übel, wenn sie lediglich als Klartext e.V. firmiert?
So bleibt für mich nach dem Beef des Papstes mit dem Präsidenten, quasi von Cowboy zu Cowboy, eine Frage: Welche Kraft hat das christliche Zeugnis in seiner rhetorischen Manifestation wirklich angesichts des kinetischen Übels, das unsere Zeit immer näher an den Abgrund führt?