„Jesus wurde gefoltert – und du willst jemanden wählen, der Folterer verherrlicht?“, steht auf dem Plakat der jungen Frau. Sie ist Teil einer Demonstration in Rio de Janeiro gegen einen möglichen Präsidentschaftswahlsieg des rechtsgerichteten Kandidaten Flávio Bolsonaro. Die Stichwahl zwischen ihm und dem amtierenden Präsidenten Lula da Silva am 25. Oktober polarisiert die Gesellschaft Brasiliens und treibt Anhänger beider Lager auf die Straße. In der Politik des größten südamerikanischen Landes spielt Religion traditionell eine mitentscheidende Rolle. Dabei stehen sich vor allem der Katholizismus, die evangelikalen Pfingstkirchen sowie afrobrasilianische Religionen (mit katholischen und naturreligiösen Einflüssen) gegenüber. Sowohl Lula da Silva als auch Bolsonaro werben um alle Religionsanhänger. Und alle – Kandidaten wie Wähler – berufen sich auf Jesus Christus.