Ein interessierter Blick, ein fester Händedruck, klare Vorstellungen, das war mein Eindruck von Papst Leo XIV., den ich bei einer Begegnung zusammen mit Gästen des Priesterkollegs vom Campo Santo Teutonico in Rom gewinnen konnte. Nur eine Woche später macht der Heilige Vater seine Erkrankung öffentlich. Es folgt die Operation und die fürchterliche Diagnose (unser Wochenrückblick). Das sei ein Zeichen der Schwäche des „Systems Papsttum“, meint ein Kommentator auf katholisch.de. Keineswegs, meine ich. Gerade der Umgang mit Krankheit und Gebrechlichkeit, wie ihn auch schon Leos Vorgänger vorgelebt haben, ist beispielgebend in einer Welt der Perfektion und Makellosigkeit. Wie gnadenlos auch Medien Schicksale ausnutzen, lässt sich aktuell bei Ex-Ministerin Bärbel Bas beobachten. Von der Krankheit des Papstes nun auf die Reformbedürftigkeit der Kurie zu schließen, ist recht verwegen. Vielmehr ist die institutionelle und moralische Stabilität des Vatikan ein Trost in diesen Zeiten. Im Übrigen ist auch ein vitaler Papst eine Freude. Neulich sei er erstmals als Papst auf einem Pferd ausgeritten, wird berichtet. Wir wünschen gute Genesung. Und Ihnen eine anregende Lektüre.