Dass es zu einer späten Kooperation der Aktionskünstlerin Valerie Export mit der Kirche kam, grenzt an ein Wunder. Geboren 1940 in Linz als Waltraud Lehner, verstörte sie Ende der 1960er auf öffentlichen Plätzen in Wien etwa mit dem „Tapp- und Tastkino“, einem Kasten mit zwei Öffnungen, die das Berühren ihrer Brüste ermöglichten. Sie rollte nackt über Glasscherben und forderte in einem Münchner Kino die Besucher mit Maschinenpistole, wildem Haar und offener Hose auf, statt der Leinwand einen echten Frauenkörper zu betrachten.
Rückblickend sah sie ihr Frühwerk kritisch, da sie ihr Ziel verfehlt habe, das patriarchalische Frauenbild aufzubrechen. Später vertrat sie Österreich auf der documenta und der Biennale, war zehn Jahre Professorin für Multimedia-Performance in Köln und gilt heute als eine der größten Künstlerinnen Österreichs. Obwohl erklärte Atheistin, nahm die ehemalige Klosterschülerin gern den Auftrag an, die Planung der neuen Orgel der Linzer Wallfahrtsbasilika Pöstlingberg zu übernehmen. Anfängliche Proteste verebbten, die Orgel wurde 2023 geweiht – mit dem Schriftzug „Wer begreift, hat Flügel“. Valerie Export starb am 14. Mai in Wien.