FilmbesprechungWenn der Gute Hirte stirbt

Ein Schäfer ist tot und seine Schafe lösen den Fall: „Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist ein liebenswerter Familienfilm mit unerwartetem Tiefgang.

George Hardy (gespielt vom hier äußerst friedfertigen Action-Helden Hugh Jackman) ist ein Guter Hirte, wie er im Buche steht. Er kennt jedes seiner Schafe beim Namen, zieht kleine Lämmer mit der Flasche auf und abends, wenn die Sonne über der Weide untergeht, setzt er sich zu seiner Herde. Dann liest er ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte vor, am liebsten klassische Kriminalgeschichten. Was er nicht weiß: Die Schafe hören sehr genau zu und sind bald echte Krimi-Experten. So sind sie dann auch gut darauf vorbereitet, den Mord zu klären, als Schäfer George eines Morgens tot auf der Wiese liegt, mit seltsamen Farbflecken an seinen Handflächen. Und weil der einzige Polizist des kleinen Dörfchens absolut unfähig ist, mit einem echten Mordfall fertig zu werden, werden die Schafe aktiv. Sie verlassen zum ersten Mal ihre Weide, suchen im Dorf nach Beweisen, klopfen Alibis ab und beobachten sehr genau, wer zur Testamentseröffnung kommt. Denn – so viel wird schnell klar – einige Menschen hätten ein Motiv gehabt, George ans Leder zu wollen.

Was nach Klamauk klingt, entpuppt sich als kluger Kinderfilm, der auch sehr bewusst mit religiösen Themen spielt. Schäfer George, der sich so liebevoll um die kleinen Lämmer kümmerte, hatte nach dem Tod seiner Frau die gemeinsamen Kinder in der Kirche zur Adoption abgegeben. Seitdem verbindet ihn eine merkwürdige Beziehung mit der örtlichen Gemeinde und dem undurchsichtigen Dorfpfarrer (Kobna Holdbrook-Smith). Also beginnen die Ermittlungsarbeiten der lebensecht animierten tierischen Detektive rund um die Kirche. Und auch wenn sie nicht genau wissen, was im Inneren vor sich geht, haben sie doch schon von einigen christlichen Konzepten gehört: „In dem Haus wohnt Gott. Er ist auch ein Hirte – aber auch ein Lamm.“

Die Schafe selbst haben dabei ganz eigene spirituelle Vorstellungen. Die deutsche Schriftstellerin Leonie Swann hat in der Buchvorlage ein eigenes religiöses Weltbild für ihre tierischen Protagonisten entworfen. Ihre Regeln sind so einfach wie unhinterfragbar: Die eigene Weide ist heilig, Winterlämmer bringen Unglück und nach dem Tod werden Schafe zu Wolken. Wenn sie doch auf etwas stoßen, das einen dieser Glaubenssätze ins Wanken bringt, sind die Tiere Meister darin, es zu vergessen und weiterzugrasen, als wäre nichts passiert. Das ist auch der erste Instinkt, als die Herde den toten Schäfer auf der Weide findet. Doch dann kommt es zu einer Diskussion unter den Schafen: Soll man die guten Zeiten mit George vergessen – oder lohnt es sich, den Abschiedsschmerz auszuhalten und die Erinnerung an ihn lebendig zu halten? Es ist eine kindgerechte und doch sehr erwachsene Auseinandersetzung mit dem großen Themenfeld Sterben und Abschiednehmen, das in den allermeisten Krimis ja ausgeblendet wird.

Auch in Punkto Tierrechte greift der Film unerwartet düstere Themen auf. In einer Szene geraten die tierischen Detektive in eine Lagerhalle des Dorfmetzgers, der die plötzlich herrenlosen Schafe am liebsten so schnell wie möglich in servierfertigen Portionen in seiner Auslage sehen würde. Ein stolzer Widder erzählt von seiner schauerlichen Vergangenheit auf einem Jahrmarkt, wo er in Hundekämpfen eingesetzt wurde. Es ist eine Passage, die sehr direkte biblische Anknüpfungspunkte hat: von der schrecklichen Brutalität eines Gladiatorenkampfes vor einer wüst johlenden Menge bis zu George, der den Widder rettet und ihn – ein klassisches Guter-Hirte-Motiv – auf den Schultern in ein neues Leben trägt. Vermutlich sind es diese Szenen, die ganz jungen Kinobesuchern länger in Erinnerung bleiben werden als der vergleichsweise unblutige Mordfall im Zentrum der Geschichte.

Wie der Kriminalfall ausgeht, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: Am Ende haben die Schafe wieder jemanden, der ihnen vorliest, wenn die Sonne über der Weide untergeht. Und dieses Mal ist auch für das verstoßene Winterlamm Platz in der Herde.

„Glennklill: Ein Schafskrimi“ – USA, UK 2026; Regie: Kyle Balda; FSK: 6; Dauer: 110 Minuten. Der Film läuft aktuell im Kino.

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