Ihr habt es wieder getan!“ Mit euphorischen Worten wandte sich EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen an die ungarische Bevölkerung und verglich den Sieg der proeuropäischen Partei Tisza bei der Parlamentswahl am vergangenen Wochenende mit dem Volksaufstand von 1956 und der Überwindung des Kommunismus 1989. „Ihr habt gesprochen! Ihr habt Europa gewählt!“
Tatsächlich dürfte die Wahl als historische Wende in die Geschichtsbücher eingehen: Nach 16 Jahren der systematischen Aushöhlung der Demokratie unter Viktor Orbán zieht Oppositionsführer Péter Magyar mit einer Zweidrittelmehrheit ins Parlament ein. Der Jurist gilt als gemäßigt konservativ und kündigte an, die Rechtsstaatlichkeit des Landes wiederherzustellen, die Korruption zu bekämpfen und wieder eng mit der Europäischen Union zusammenarbeiten zu wollen. Unzählige Menschen feiern den Regierungswechsel und hoffen auf eine bessere Zukunft für Ungarn.
Dass diese Umwälzung auf demokratischem Weg ihren Anfang nimmt, macht deutlich: Politische Entwicklungen sind keine Einbahnstraßen, das Erstarken des Rechtspopulismus keine Naturgewalt. Das macht Mut – gerade, wenn ein Blick in die übrigen Nachrichten zeigt, dass wir immer in der Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Stillstand, aber auch von Rückschritten leben.
1 | Indien. Im westindischen Bundesstaat Rajasthan haben die Behörden der katholischen Saint Paul-Schule die staatliche Anerkennung entzogen. Von der Schließung sind rund 500 Schüler betroffen. Der Fall steht im Kontext zunehmender Einschränkung des christlichen Lebens seit Antritt der hindu-nationalistischen Regierung 2023.
2 | Teheran. Erstmals seit Beginn der US-Bombenangriffe auf Iran hat das Rote Kreuz wieder Hilfslieferungen in das Land geschickt. Mit den Gütern können laut dem Hilfswerk rund 25000 Menschen versorgt werden. Man hoffe, „etwas Erleichterung zu verschaffen, um die zerstörerischen Auswirkungen dieses Konfliktes zu überstehen“.
3 | Polen. Mit Synagogenbesuchen in Warschau, Krakau und Lublin haben katholische Bischöfe an den ersten Besuch eines Papstes in einer Synagoge durch Johannes Paul II. vor 40 Jahren erinnert. Sie warben für den Religionsdialog und forderten Christen auf, sich gegen Antisemitismus starkzumachen.
4 | Berlin. Bei der unterschiedlichen Behandlung von Mitarbeitenden mit und ohne Religionszugehörigkeit sollen den Kirchen engere Grenzen gesetzt werden. Das geht aus einem Gesetzentwurf der Bundesministerien für Justiz und Familie hervor. Damit sollen von den Kirchen bereits umgesetzte Verbesserungen in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden.
5 | Bonn. Künstliche Intelligenz verursacht deutlich mehr Umweltschäden als bislang angenommen. Das belegt eine Forschungsarbeit am Bonner AI Sustainable Lab. Neben dem hohen Strombedarf seien vor allem der immense Wasserverbrauch für die Kühlung der Server und die Schadstoffbelastung bei der Chipherstellung problematisch.
6 | Islamabad. Bei einem islamistischen Angriff auf ein Polio-Impfteam sind am Montag ein Polizist getötet und vier weitere verletzt worden. Pakistan ist einer der letzten Staaten weltweit, in denen Polio noch nicht ausgerottet ist.
7 | Vatikan. Ein bedeutendes Ereignis für die Zukunft der katholischen Kirche ließ Papst Leo XIV. ankündigen: Ende Juni sollen sich alle Kardinäle zu einem außerordentlichen Konsistorium versammeln, um über neue Wege der Glaubensverkündigung zu beraten.