EditorialGlaubensfrage

Mit Rilke neu zum Glauben finden – auch wenn man nie bis zum Zentrum dringt.

Vergangenen Sonntag durfte ich in meiner früheren Freiburger Heimatgemeinde mal wieder einen ökumenischen Gottesdienst mitgestalten. Mein Predigtkollege Oliver und ich kreisten um den „ungläubigen Thomas“ und die Frage, wie „Auferstehung“ heute zu verstehen sei. Und woran man eigentlich glaubt, wenn man glaubt, was nicht beweisbar ist. „Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm, oder ein großer Gesang.“ So klingt das Kreisen um ganz große (Glaubens-)Fragen bei Rainer Maria Rilke, in dessen 100. Todesjahr wir uns befinden. Der am 8. April 95-jährig verstorbene Schauspieler Mario Adorf hat das ganze Gedicht einmal fesselnd eingesprochen. Doch zurück zum Bekennen des Glaubens: Heribert Scheffler hat sich dazu ganz eigene Gedanken gemacht und schlägt ein alternatives Glaubensbekenntnis vor. Durchaus glaubhaft ist das Resümee Thomas Södings ein Jahr nach dem Tod von Papst Franziskus: Sein Erbe lebt. Was bleibt ansonsten nach dem Tod? Das ist, wie schon in der Thomasgeschichte und im Predigtgespräch, nicht mehr und nicht weniger als eine Glaubensfrage.

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