Was kommt als Nächstes? Wird Trump Leo XIV. als „schlechtesten Papst der Geschichte“ bezeichnen und verlangen, dass dieser „gefeuert“ werde? Auf seiner Plattform Truth Social hat er sich vergangenen Sonntag mit einem KI-Bild von sich selbst als heilenden Heiland schon mal als wahrer Oberhirte in Position gebracht. Nach harscher Kritik entfernte Trump den Beitrag und erklärte, er habe sich eher als Arzt gesehen.
Ein Arzt, der mit Bomben tötet? Am vorvergangenen Dienstag noch hatte Trump mit der „völligen Zerstörung“ Irans gedroht und angekündigt, dass „eine ganze Zivilisation heute sterben und nie mehr zurückkehren“ werde. Nach offiziellen Zahlen wurden durch die Angriffe der USA und Israels bereits über 3000 Iraner getötet. US-„Kriegsminister“ Peter Hegseth forderte seine Soldaten wiederholt auf, „mit überwältigender Gewalt gegen diejenigen vorzugehen, die keine Gnade verdienen“; er verlange dies „mit dem mutigen Vertrauen in den Namen von Jesus Christus“. Auf seinem rechten Bizeps steht Deus vult – Gott will es. „Möge jede Kugel ihr Ziel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unseres großen Volkes treffen“, betete Hegseth kürzlich in einem Gottesdienst im Pentagon.
Was für ein Gegensatz zu den Worten des Papstes etwa in der Palmsonntagsmesse. „Das ist unser Gott: Jesus, der König des Friedens. Ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen.“ Gott erhöre nicht das Gebet derer, „die Krieg führen, denn ihre Hände sind voller Blut“. Eine Woche später rief der Papst in der Osterbotschaft zur Niederlegung der Waffen auf: „Wir gewöhnen uns an die Gewalt, wir finden uns mit ihr ab und werden gleichgültig. Die Kraft, mit der Christus auferstanden ist, ist völlig gewaltfrei.“ Am Vorabend des Weißen Sonntags legte Leo XIV. nach: „Schluss mit der Selbstvergötterung! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!“
Nicht erst seit der aktuellen Kontroverse knirscht es gewaltig zwischen dem Heiligen Stuhl und Washington. Im Vorjahr hatte Leo XIV. Trumps Migrationsgesetze als „extrem respektlos“ kritisiert. Im Frühjahr mahnte er zur Einhaltung des Völkerrechts in Venezuela und Grönland. Im Februar lehnte er eine Beteiligung an Trumps Gaza-„Friedensrat“ ab. Auch Trumps Einladung zur Feier des 250. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli schlug der Papst aus – mit dem Hinweis, er werde an diesem Tag die Mittelmeerinsel Lampedusa besuchen, zentraler Zwischenstopp für Geflüchtete aus Afrika.
Und obwohl Vatikan und US-Regierung Berichte zurückgewiesen haben, wonach es eine „scharfe Standpauke“ für den Apostolischen Nuntius Christophe Pierre bei dessen Besuch im Januar im Pentagon gegeben habe inklusive den Hinweis, man könne „alles“ mit dem Vatikan machen wie schon die französische Krone mit den Päpsten in Avignon: Papst Leo XIV. als Friedensmahner ist sichtlich ein Dorn im Auge der Trump-Regierung. Zumal deren Kriegspolitik auch Teilen der MAGA-Bewegung nicht mehr behagt. Und die 70 Millionen US-Katholiken? Nicht nur der katholische US-Vize J.D. Vance muss um deren Stimmung besorgt sein.
Er habe keine Angst, konterte Leo am Montag alle Entgleisungen. Wie gut, dass er so gelassen bleibt.