„Wann feiern wir meinen Geburtstag nach?“, fragt mich der fünfjährige Simon bereits zum zweiten Mal in dieser Woche. Simons Geburtstag liegt inzwischen zwei Wochen zurück. Ungefeiert. Jedes Mal, wenn er danach fragt, verspreche ich ihm „nächste Woche“. Und jedes Mal, wenn wir im Team endlich einen Termin vereinbaren, fällt der Plan kurz darauf wieder in sich zusammen. Personalengpässe, Krankmeldungen, Notbetreuung – der Alltag holt uns immer wieder genau an dem Tag ein, an dem wir seinen Geburtstag feiern wollen.
Im Mai kamen zwei weitere Geburtstagskinder dazu. Drei wartende Kinder also. Mit jedem Tag wurde mein schlechtes Gewissen größer – und meine Selbstzweifel gleich mit. Wenn wir es nicht hinbekommen, die Geburtstage der Kinder rechtzeitig zu feiern, was sagt das eigentlich über unser Können als Fachkräfte aus?
In der Pause weinte ich mich bei meiner Kollegin aus. „Nicht einmal den normalen Alltag bekomme ich hin“, sagte ich. „Vielleicht schaffst du nicht immer alles, was du dir vornimmst. Aber schau mal, was du jeden Tag machst, ohne es überhaupt vorzuhaben“, antwortete sie. Ich schaute sie fragend an. „Du gestaltest etwas mit den Kindern oder schüttelst eine Idee aus dem Ärmel. Du erzählst mir von euren Abenteuern und davon, was die Kinder gelernt haben. Das passiert einfach – mitten im Chaos und ohne Plan.“ Ich musste lächeln. Sie hatte recht.
Plötzlich wurde mir klar: Manchmal lässt sich Geplantes nicht zum gewünschten Zeitpunkt umsetzen oder es funktioniert nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Gerade dann ist es wichtig, zu reflektieren, warum es nicht funktioniert. Oft haben wir auf äußere Begebenheiten keinen Einfluss. Es geht nicht nur um große Taten, sondern auch um Alltagserfolge. All das, was wir nebenbei leisten. Meine Überzeugung änderte sich. Nicht mehr: Wenn wir manches zeitlich nicht schaffen, was sagt das über uns aus? Sondern: Warum fällt es uns schwer, das anzuerkennen, was wir jeden Tag leisten? Vielleicht sagt es weniger über unser Können aus und viel mehr über unsere Rahmenbedingungen. Offenbar haben wir gelernt, unseren Blick eher auf das Fehlende zu richten statt auf das Gelingende. Also: Wir müssen lernen, unsere Alltagserfolge wahrzunehmen und wertzuschätzen. Für uns selbst. Für unser Team. Und für die Kinder.
In der Woche darauf veranstalteten wir übrigens eine gemeinsame Party für alle drei Geburtstagskinder. Und dabei habe ich dieses Mal auch mich selbst gefeiert.
Hast du so etwas auch schon einmal erlebt? Falls ja, schreibe mir!
Deine Tammy