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Die Ausgabe im Podcast
Jetzt in die Ausgabe reinhören. Diese Audiodatei stellt die Inhalte der aktuellen Ausgabe vor. Sie wurde mit KI generiert.
Audiotranskription:
Sprecher 1: Hallo und herzlich Willkommen. Schön, dass Sie heute wieder bei unserem Gespräch dabei sind, liebe pädagogische Fachkräfte. Wissen Sie, wenn ein Kind in der Kita hinfällt und das Knie blutet, dann ist der Reflex ja sofort da.
Sprecher 2: Ja, absolut. Pflaster drauf, pusten und dann sagen wir ganz schnell, dass alles gleich wieder gut ist.
Sprecher 1: Genau, das ist so ein völlig mechanischer Ablauf. Aber was passiert eigentlich, wenn das Kind nicht äußerlich blutet, sondern einfach nur tieftraurig ist? Da stehen wir oft erstaunlich hilflos da, oder?
Sprecher 2: Oh ja, der Pflasterreflex greift da total ins Leere. Man spürt dann ja fast selbst diesen inneren Druck, das Kind so schnell wie möglich wieder fröhlich machen zu müssen.
Sprecher 1: Richtig. Und genau das ist heute unser Thema. Wir schauen uns nämlich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Entdeckungskiste an.
Sprecher 2: Genau. Mit dem Titel „Traurig sein – Gefühle zeigen und Trost erfahren“. Unsere Mission heute ist es also, gemeinsam herauszufinden, wie Sie als Fachkräfte Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren bei Traurigkeit wirklich begegnen können.
Sprecher 1: Ja, und zwar eben ohne sie einfach nur schnell, na ja, wegtrösten zu wollen. Das Editorial der Ausgabe spricht da direkt einen ganz wunden Punkt an, finde ich.
Sprecher 2: Mhm. Dass wir Erwachsene uns oft wahnsinnig schwer damit tun, Traurigkeit überhaupt auszuhalten.
Sprecher 1: Ganz genau. Wir wollen den Schmerz irgendwie zudecken. Aber der Kernansatz hier ist ja explizit, das Kind nicht mit irgendwelchen Ablenkungsmanövern sofort wieder glücklich zu machen. Das Gefühl muss doch erst einmal atmen, oder?
Sprecher 2: Ja, das ist ein schönes Bild. Wenn wir nämlich sofort den Pausenclown spielen, dann nehmen wir dem Kind eine enorme Chance. Traurigkeit ist ein ganz essenzieller Entwicklungsschritt.
Sprecher 1: Also damit sich so etwas wie Frustrationstoleranz aufbaut.
Sprecher 2: Exakt. Das Gefühl braucht diesen Raum und muss in Gänze erfahren werden. Nur so lernt das Nervensystem des Kindes sozusagen: „Hey, ich halte das aus und es geht auch wieder vorbei.“
Sprecher 1: Okay, aber lassen wir uns mal ganz ehrlich sein. Einem weinenden Kleinkind im wuseligen, lauten Kita-Alltag einfach nur diesen Raum zu geben, das kann ja wahnsinnig schnell in völlige Überforderung kippen.
Sprecher 2: Ja, total, weil kleinen Kindern schlicht das emotionale Vokabular fehlt, um solche riesigen abstrakten Gefühle selbst zu regulieren. Deshalb braucht es Brücken im Alltag.
Sprecher 1: Physische Brücken, nehme ich an, das führt uns nämlich direkt zu den handfesten Ideen aus dem Heft. Da gibt es diesen Praxisimpuls für Kinder ab drei Jahren: „Wärmende Worte“.
Sprecher 2: Richtig, da geht es um den sogenannten Trostfächer. Die Kinder sammeln da tröstende Sätze, Lieder oder auch kleine Worte aus ihrer Familie.
Sprecher 1: Und die werden dann auf Tonkartonstreifen geschrieben, oder? Und dann gebündelt, glaube ich, mit so einer Musterbeutelklammer.
Sprecher 2: Genau. Und das besonders Wertvolle daran ist, dass die Eltern sich hier aktiv einbringen. Sie können auch Sprüche in ihrer jeweiligen Muttersprache beisteuern.
Sprecher 1: Da muss ich aber mal ganz kritisch nachfragen. Ein Fächer mit Text für ein dreijähriges Kind. Ist das im Akutfall der Traurigkeit nicht viel zu abstrakt? Die können ja noch gar nicht lesen.
Sprecher 2: Ja, das klingt im ersten Moment so, aber das Lesen ist hier eigentlich völlig irrelevant. Der Fächer fungiert als klassisches Übergangsobjekt.
Sprecher 1: Ah, okay. Es geht also mehr um den Prozess an sich.
Sprecher 2: Ganz genau. Durch dieses gemeinsame Basteln und das Gespräch über Trost wird das Objekt emotional massiv aufgeladen. Wenn das Kind den Fächer später in der Akutsituation aus der Trostkiste holt, ist er wie ein physischer Anker.
Sprecher 1: Quasi wie eine externe Festplatte für Sicherheit. Das Kind ruft die physische Erinnerung an die Eltern ab, ohne dass die überhaupt im Raum stehen müssen.
Sprecher 2: Eine externe Festplatte, das ist ein großartiger Vergleich und dieses Prinzip wird sogar noch deutlicher, wenn wir uns den klassischen Trennungsschmerz beim morgendlichen Abschied anschauen.
Sprecher 1: Oh ja, das ist ja oft ein riesiges Thema in der Kita. Da schlägt das Heft eine Aktion für Kinder ab vier Jahren vor. Richtig: „Trost zum Mitnehmen“.
Sprecher 2: Genau, durch das Filzen von kleinen Trostkugeln. Das ist als direkte Eltern-Kind-Aktion gedacht. Beim Trockenfilzen formen Eltern und Kind gemeinsam aus bunter Märchenwolle so eine feste Kugel
Sprecher 1: Und die wandert dann einfach in die Hosentasche oder an den Rucksack. Ich habe mir den handwerklichen Ablauf dazu im Heft mal angesehen und da verwendet man ja ziemlich spitze Filznadeln.
Sprecher 2: Da schrillen bei Ihnen gleich die haftungsrechtlichen Alarmglocken, was?
Sprecher 1: Ja, allerdings. Vierjährige und spitze Nadeln, aber der Impuls löst das eigentlich sehr clever. Das Kind hält die Kugel sicher mit einer kleinen Zange fest, während die Bezugsperson sticht und dann wird wohl kontrolliert gewechselt.
Sprecher 2: Richtig. Und dieser rhythmische Wechsel ist der eigentliche Clou der Übung. Solche monotonen, haptischen Tätigkeiten wie das wiederholte Einstechen, die regulieren das Nervensystem ungemein effektiv.
Sprecher 1: Man lädt also sozusagen zusammen mit den Eltern einen emotionalen Akku auf und das Kind kann diesen Akku dann später buchstäblich greifen.
Sprecher 2: Besser kann man es nicht sagen. Das Resultat ist nicht einfach nur Wolle. Es spürt den elterlichen Halt, den es beim gemeinsamen Erschaffen erfahren hat, direkt in der Hand.
Sprecher 1: Das sind im Grunde wie emotionale Stützräder, bis sie das selbst mental regulieren können. Zusammenfassend zeigt uns diese Ausgabe also sehr schön, wie wichtig es ist, Traurigkeit als Entwicklungsschritt zuzulassen
Sprecher 2: Und eben durch solche Werkzeuge wie den Fächer oder die Kugel das schwer Begreifbare greifbar zu machen. Man verlagert den Trost in die physische Welt.
Sprecher 1: Genau. Und das bringt mich noch zu einem letzten, ja, vielleicht etwas provokanten Gedanken für Sie, liebe Fachkräfte.
Sprecher 2: Oh, da bin ich jetzt aber gespannt.
Sprecher 1: Na ja. Wenn wir es schaffen, den Kindern durch diese Brücken zu erlauben, ihre Traurigkeit völlig offen und ohne diesen Pflasterreflex auszukosten, verändert das vielleicht am Ende auch etwas bei uns?
Sprecher 2: Wie wir als Erwachsene unsere eigenen schweren Gefühle im Teamzimmer zulassen, meinen Sie?
Sprecher 1: Exakt, wenn wir das nächste Mal spüren, dass etwas wehtut, greifen wir dann sofort wieder zum emotionalen Pflaster oder lassen wir das Gefühl einfach mal stehen? Ein Gedanke, den Sie gerne mal mitnehmen dürfen. Vielen Dank, dass Sie heute dabei waren.