Schön, dass du da bist(Kreis-)Zusammenkünfte in der Krippe initiieren

Nicht für jedes Krippenkind ist ein täglicher Morgenkreis mit der gesamten Gruppe das Richtige. Wie Sie Kinder zu Zusammenkünften ermuntern, weiß unsere Autorin.

Kinder sitzen mit einer erwachsenen Person auf dem Boden
© Städtische Kita am Löwenbergpark

Mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr im Jahr 2013 hat sich der Ausbau von Krippen vervielfacht. Gestalterisch und strukturell haben sich Architekt:innen und Träger an herkömmlichen Kitas für Kinder über drei Jahren orientiert und für Krippenkinder alles nur ein wenig kleiner geplant und umgesetzt. Auch pädagogische Konzepte und Tagesabläufe leiten sich von herkömmlichen Kita-Strukturen ab. Das trifft auch auf den Morgenkreis in der Krippe zu. Eine Krippe ist allerdings keine Kita im Kleinformat und deshalb ist es wichtig, für Kinder unter drei Jahren andere Situationen und Gelegenheiten dafür zu nutzen.

Der Morgenkreis: Nicht zwingend mit allen Kindern

Den Morgenkreis empfinden viele Fachkräfte als ein wichtiges Ritual, das jungen Kindern Orientierung und Sicherheit vermittelt. Dies trifft auch auf manche Kinder zu, besonders während der Eingewöhnung in die Krippengruppe. Für viele Kinder ist es beim Ankommen erleichternd zu wissen, was als Nächstes geschieht. Für andere Kinder wiederum unterbricht ein geplanter Morgenkreis häufig das selbstbestimmte Spiel. Ist der Morgenkreis verpflichtend und mit dem Aufräumen verbunden, ist ein vorerst unterbrochenes Spiel dadurch endgültig beendet. Wahrscheinlich begrüßen Sie als pädagogische Fachkraft alle Kinder beim Betreten des Gruppenraums ohnehin persönlich. Daher können Sie alternativ nach der Bringzeit mit einer Klangschale und/oder einer Handpuppe lediglich ein einfaches Lied als kurzes Ritual einführen, mit dem Sie die gesamte Gruppe begrüßen. Als Beispiel können Sie sich dazu mit einer kleinen Gruppe von freiwilligen Kindern in der Mitte des Raumes versammeln und ein Lied wie z.B. „Hallo, hallo, schön, dass du da bist“ anstimmen. Das hört auch ein Kind auf dem Bauteppich oder im Rollenspielbereich, fühlt sich gesehen und kann weiterspielen. Bieten Sie ergänzend dazu im Anschluss ein Fingerspiel, eine Geschichte oder eine Erzählrunde an. Entscheiden sich einige Kinder dazu, weiterhin mitzumachen, haben Sie wenig Anlass zu Ermahnungen. Die Runde löst sich auf, wenn die Kinder zeigen, dass ihr Interesse nun einer anderen Beschäftigung gilt.

Bedeutsame Zusammenkünfte im Tagesablauf

Schaffen Sie den Kindern Gelegenheiten im Tagesablauf, um selbst zu entscheiden, wie und womit sie sich beschäftigen möchten. Kinder im Krippenalter benötigen keine Animateure, sondern mitmachende und beobachtende Bezugspersonen. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie planen den Tag oder die Woche noch nicht wie Erwachsene. Ihre Tage sind gefüllt mit Erlebnissen und dafür brauchen sie eine symbolhafte, kurzfristige Planung, z.B. nach dem Aufräumen geht es in den Garten. Sie verbinden Informationen mit Handlungen, bspw. wenn Sie mit den Kindern in der Garderobe ein Gespräch über das Wetter initiieren und sie dann gemeinsam entscheiden, welche Schuhe notwendig sind. Deshalb sind die Inhalte im Morgenkreis oftmals zu viel oder zu wenig bedeutsam und damit für manche Kinder langweilig oder überfordernd. Hilfestellungen durch andere Kinder oder Erwachsene geben Kindern ein Gefühl von Schwäche. Vermeiden Sie Situationen, die Kinder als unmöglich oder schwierig erleben. Damit geben Sie Raum für die Weiterentwicklung von wichtigen psychischen Grundbedürfnissen wie Kompetenz und erlebte Selbstwirksamkeit.

An Spontanzusammenkünfte thematisch anknüpfen

Krippengruppen bestehen aus zwölf Kindern oder mehr, die in einem Morgenkreis zuhören oder abwarten müssen, bis sie an der Reihe sind. Wie gelingt es uns Erwachsenen, sich in so einer großen Runde einzubringen, aufmerksam zu sein und Kontakte zu knüpfen? Meist findet dies auch bei uns in kleineren Gruppen statt. Beobachten Sie die Kleingruppen, in denen sich die Kinder im Tagesverlauf spontan zum Spielen, Singen oder Unterhalten zusammenfinden. Hören Sie zu, welche Erfahrungen und Themen die Kinder einbringen und knüpfen Sie daran an. Dies muss nicht in einem Morgenkreis geschehen, es hat Platz in verschiedenen Räumen und zu verschiedenen Zeiten:

  • Der Kreis am Morgen könnte sich in einen Mittagskreis wandeln, denn durch das eingeplante Mittagessen entsteht ohnehin eine neue Situation im Tagesablauf der Gruppe. Runden Sie den Vormittag mit einem Fingerspiel ab und bereiten Sie die Kinder damit spielerisch auf die gleich folgende, neue Situation vor.
  • Reduzieren Sie die Morgenkreise mit der gesamten Gruppe: Am Montag eine kurze Runde zum Beginn der Woche und am Freitag eine Runde als Verabschiedung ins Wochenende können ausreichend sein.
  • In spontan und selbst initiierten Treffen, Kreisen und Erzählrunden erleben Kinder bereits im Krippenalter Mitentscheidung und selbstbestimmte Beteiligung.

Gut zu Wissen

Die gemeinschaftlichen Aspekte eines Morgenkreises, wie das Begrüßen, Singen oder Geschichtenerzählen, können ebenso im weiteren Tagesablauf ihren Platz finden. Hier drei Beispiele, die ich in verschiedenen Krippen beobachten konnte:

  • Begrüßen: Die Anwesenheitsliste als Anwesenheitsleine. Legen Sie dazu von jedem Kind und von jeder Fachkraft jeweils ein Foto mit dem Gesicht und Hinterkopf aufeinander (sodass die bedruckten Seiten jeweils nach außen zeigen) und laminieren Sie diese. Hängen Sie die Fotos (mit dem Hinterkopf nach vorn) mit Wäscheklammern an einer Leine auf. Kommt ein Kind in der Krippe an, drehen Sie mit ihm das Bild beim Begrüßen um. Beim Verlassen dreht es das Bild wieder zurück.
  • Singen: Ein Erzieher saß mit einem Mädchen vor einer Holzbausteinkiste und sie bauten gemeinsam eine Burg. Dabei erinnerten sie sich an ein Lied über eine Burg und sangen es gemeinsam. Einige Kinder und Kolleginnen setzten sich auf dem Boden dazu, einige sangen vom Sofa nebenan mit und manche Kinder sangen aus der Bauecke mit. Es entstand ein spontaner Singkreis aus dem Impuls eines Kindes.
  • Geschichtenerzählen: Drei Krippenkinder versammelten sich mit einem Bilderbuch auf einem Sofa und unterhielten sich über das Buch – ein kleiner Vorlesetreff mitten am Vormittag – ohne Impulsgebung einer Fachkraft.
Hefte & Artikel

Die Entdeckungskiste im Abo

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • Impulse für die Umsetzung der frühkindlichen Bildungspläne für Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren
  • Leicht umsetzbare und aktuelle Praxisideen
  • Pädagogisch fundiert und erprobt – von Fachkräften aus der Praxis für die Praxis
  • Kostenlose digitale Zusatzmaterialien wie Kopiervorlagen, Bild- und Fotokarten, Checklisten u.v.m.
Jetzt gratis testen