Aber neben dem Wort, das verkündigt, und dem Sakrament, das gefeiert wird, bedarf es des dritten, schon angedeuteten Moments, um die Kirche mit dreifach gewundenem Strang an ihren Ursprung zu binden: der Vollmacht, die von Anfang an den erwählten Zwölf als eine Teilnahme an der Autorität Jesu verliehen wird (Mk 3, I4f).
Im Umkreis der Passion – bei der Einsetzung der Eucharistie ("tut dies zu meinem Andenken": Lk 22,19), bei der Auferstehung ("empfangt den Heiligen Geist; welchen ihr die Sünden nachlasst..." Joh 20,22f) – wird sie zur eigentlich priesterlichen Vollmacht vertieft. Vom ersten Auftreten Petri in der Apostelgeschichte an, über das straffe Kirchenregiment Pauli in seinen Gemeinden bis zur Lehre des 1. Petrusbriefs über Aufgabe und Haltung der "Hirten" ist die amtliche Struktur der Kirche evident, auch wenn sich, unter den Augen der Apostel, die genaueren Strukturen erst allmählich ausgestalten.
Niemand kann sich solche Vollmacht selber zusprechen, auch nicht die Gemeinde als solche; Vollmacht ist, wie die Schrift bezeugt, nur aufgrund von Geschenktsein zu besitzen, zu verwalten, weiterzugeben.
Nur im Auftrag Jesu
Man braucht, um das Ineinander der drei Momente klar zu sehen, nur darauf zu achten, dass sich das Amt ebenso strikt im Auftrag und Dienst Christi weiß und versteht, wie die Schrift diesen Auftrag – gemäß der Diensthaltung Christi selber – bezeugt, und die zentralen Sakramente – Eucharistie und Lossprechung von kirchentrennender Sünde – als dem Amt anvertraut dargestellt werden. Nur im Auftrag Jesu kann ein Mensch sinnvoll das Wort: "Dies ist mein Leib", "ich spreche dich los" in den Mund nehmen.
Deshalb muss das Amt selbst ein von Christus oder seinen Beauftragten empfangenes Sakrament sein. Niemand kann sich solche Vollmacht selber zusprechen, auch nicht die Gemeinde als solche; Vollmacht ist, wie die Schrift bezeugt, nur aufgrund von Geschenktsein zu besitzen, zu verwalten, weiterzugeben. Schrift, Amt, Sakrament, weisen alle über sich hinaus auf das überlieferte Gestiftetsein vom ursprünglichen und bleibenden Spender Jesus Christus her, der selber seine Autorität und Vollmacht nur im demütigen Dienst am väterlichen Willen ausgeübt hat.
Die in Schrift, Sakrament und Amt einwohnende objektive Heiligkeit ist dazu da, die subjektive, liebende Heiligkeit der Kirchenglieder zu befruchten, denn die letztere ist es, die nach Jesu Willen die Welt von der durch ihn gebrachten Wahrheit überzeugen soll.
Alle drei stehen im Dienst der geistlichen Verlebendigung der Gemeinde, in der das Wort der Schrift gelebt und beantwortet werden soll (und die Schrift enthält ja immer auch schon die glaubende Antwort Israels und der Kirche), in der ferner das Wirken des Amtes selbstverantwortliches Wirken aller Glaubenden zu erzeugen hat, und Sakrament und Liturgie das ganze Alltagsleben der Christen durchsäuern muss. Die in Schrift, Sakrament und Amt einwohnende objektive Heiligkeit ist dazu da, die subjektive, liebende Heiligkeit der Kirchenglieder zu befruchten, denn die letztere ist es, die nach Jesu Willen die Welt von der durch ihn gebrachten Wahrheit überzeugen soll. Gedrucktes, Institutionelles, liturgisch Vollzogenes bleibt steril, wenn die darin liegenden Samen nicht, von der Gnade befruchtet, im Ackerboden der Herzen aufkeimen.
Die Lebendigkeit der Tradition bewahrt den Glauben der Kirche
Schrift, Amt, Sakrament sind der Kirche innerlich, aber vom Herrn eingestiftet. Ihre durch die Geschichte spannungsreich und doch stets einheitlich verschränkte Überlieferung verbürgt der Kirche Christi ihre Identität.
Die Lebendigkeit der Tradition erzeigt sich darin, dass sie nicht nur glaubwürdige Nachfolge Christi ("Heiligkeit") durch die Jahrhunderte erzeugt, sondern auch darin, dass das Amt, unterstützt von der betrachtenden und forschenden Theologie in Zeiten geistiger Bedrängnis den zentralen Gehalt des christlichen Glaubens durch Bestimmungen (Definitionen) gegen abwegige Verkürzungen schützt und die Ganzheit der Offenbarungsgestalt neu ins Licht stellt. Dabei können auch bisher im Schatten gebliebene Seiten des Mysteriums in Übereinstimmung mit Hinweisen der Schrift und der liturgischen Tradition deutlicher ins Licht gerückt werden, dürfen aber die Grundproportionen des Wesens und Handelns Christi nicht verändern.
Mit freundlicher Genehmigung des Johannes Verlags
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Pneuma und Institution. Skizzen zur Theologie IV, Einsiedeln: Johannes Verlag, 456 Seiten, 28 €