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Stimmen der Zeit 2026 November Titelblatt

Über diese Ausgabe

Artikel

  • Gratis S. 803-812

    Leer, vulnerabel, toxisch: Neuere sozial-psychologische Literatur vorgestellt

    Psychologische Literatur, vor allem auf populärwissenschaftlichem Niveau, überschwemmt den Buchmarkt. Stefan Kiechle SJ, Chefredakteur dieser Zeitschrift, stellt einige Titel vor und fragt, was sie über die soziale Situation und über künftige gesellschaftliche Entwicklungen sagen.

  • Plus S. 813-822

    Paula White: Zur Theologie von Trumps religiöser Beraterin

    Paula White, Leiterin des Glaubensbüros im Weißen Haus, versteht sich als Apostelin, die im Gespräch mit Gott ist und das verkündet, was er ihr sagt. Ihre langjährigen Erfahrungen als charismatische Predigerin und erfolgreiche Fernsehpredigerin ermöglichen es ihr, mit ihrer evangelikalen Botschaft Tausende Christen aus allen Kirchen zu erreichen. Der Autor und Journalist Frank Kürschner-Pelkmann analysiert Whites Glaubensaussagen und ihren Einfluss auf die US-Regierung kritisch.

  • Plus S. 827-835

    Die Freiheit zum Wandel: Ignatianische Indifferenz und die Kunst, sich verändern zu lassen

    Der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, hinterließ mit seinen Exerzitien ein Instrument zur Selbstreflexion und zur geistlichen Begleitung anderer. Vielleicht besteht die eigentliche Weisheit der Exerzitien darin, dass sie den Menschen nicht lehren, Gottes Willen zu produzieren, sondern ihn zu empfangen. Laut Dominik Terstriep SJ, Pfarrer der St. Eugenia-Gemeinde in Stockholm und Dozent für Dogmatische Theologie am Newman-Institut in Uppsala, interessiert sich Ignatius nicht für den skeptischen Rückzug aus der Welt. Er möchte den Menschen innerhalb der Welt freier machen. Die sogenannte Ignatianische Indifferenz ist deshalb kein Nein zum Leben, sondern ein Ja, das bereit ist, sich überraschen zu lassen.

  • Plus S. 837-847

    Die Krankheit des Schweigens: Institutionelle Widerstände beim Umgang mit Grenzverletzungen

    Andreas Renzel, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in Heidelberg, fragt, welche Mechanismen dazu führen, dass Beobachter und Bystander von sexuellem Missbrauch sich damit schwertun, das Schweigen zu brechen und Position für die Opfer zu ergreifen. Der Artikel basiert auf einem Vortrag, den der Autor auf einer psychologischen Fachtagung hielt.

  • Plus S. 853-860

    Warum KI wie verborgenes Wissen wirkt: Gnosis, Christentum und die Sehnsucht nach Entlastung vom eigenen Urteil

    Die eigentliche Gefahr durch Künstliche Intelligenz liegt nicht nur im Fehler. Fehler kann man prüfen, benennen, korrigieren. Die tiefere Gefahr liegt in der Vorwegnahme des Urteils. Eine plausible Formulierung erscheint, bevor die eigene Sprache gefunden wurde. Die Maschine, als Orakel genutzt, entlastet nicht nur von Arbeit. Sie entlastet von jener inneren Reibung, aus der Urteilskraft entsteht. Für Rainer Alfred Weber, studierter Physiker und langjähriger Industriemanager, besteht die Herausforderung darin, den Punkt zu erkennen, an dem technische Hilfe in metaphysische Erwartung umschlägt. Dort beginnt die moderne Gnosis der Maschine.

  • Plus S. 861-869

    Nach Jürgen Habermas: Zum übernützlichen Kern des Monotheismus

    Matthias Lutz-Bachmann hat im letzten Heft über Jürgen Habermas’ eindrucksvolle Beerdigung in christlichen Formen berichtet und dabei den ernsthaften inhaltlichen Gedankenaustausch mit seinem Freund über den Tod hinaus verlängert. Nach seinem letzten magistralen Werk „Auch eine Geschichte der Philosophie“, in dem Habermas das Verhältnis von Glauben und Wissen inspizierte, hatte sich sein Verhältnis zur Religion noch einmal verstärkt. Für unaufgebbar nützlich hatte er sie schon lange gehalten. Wie er zu dem transfunktionalen, „übernützlichen“ Kern des biblischen Monotheismus stand, hatte Eckhard Nordhofen in den Stimmen der Zeit 11/2020 schon einmal untersucht. Der folgende Text spitzt diese Frage mit einem Seitenblick auf die vielstimmigen Nachrufe aus der Perspektive der ersten Person Singular zu.

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