EditorialEin Papst neuen Typs

Polyglott wie nie. Selbst für die katholische Kirche, die von ihrem Wesen her Weltkirche ist, ist Leo XIV. ein Papst neuen Typs.

Rom im Abendlicht
© Erzdiözese Wien/Schuler

Polyglott wie nie. Selbst für die katholische Kirche, die von ihrem Wesen her Weltkirche ist, ist Leo XIV. ein Papst neuen Typs. Auch seine drei Vorgänger hatten als Exponenten nicht-italienischer Ortskirchen dem Amt des Bischofs von Rom einen neuen Stempel aufgedrückt. Jetzt aber der Amerikaner Robert Francis Prevost, in Chicago geboren und in Peru wesentlich kirchlich sozialisiert, der als ehemaliger Generaloberer des Augustinerordens in Rom als Zentrum der Weltkirche gleichermaßen zu Hause ist, wie er auf allen Kontinenten unterwegs war. Er ist der erste Pontifex, dessen Muttersprache Englisch ist und der damit einen ganz neuen Zugang zur Weltöffentlichkeit hat.

In einer von Krisen getriebenen Welt werden überzeugende Führungsgestalten umso wichtiger. Wie sonst könnte man erklären, dass der mit viel Wohlwollen vollzogene Abschied von Franziskus genauso zum Medienspektakel wurde wie das Konklave und der Amtsantritt von Leo? Dieses Amt gilt es jetzt auszufüllen.

Wer ist dieser Papst? Wie haben ihn die verschiedenen Kontexte seiner Vita geprägt und was bedeutet das für seine Amtsführung angesichts all der Herausforderungen? In welchen Spiegelungen wird er uns besonders ansichtig? Und wo wird er selbst zur Projektionsfläche? Wir haben in diesem Themenheft eine Reihe von Beiträgen sowohl zu den Stationen seines Lebens als auch zu den Markern seines bisherigen Pontifikats versammelt, einschließlich der wichtigen Rolle der katholischen Soziallehre, die heute durch das Thema Künstliche Intelligenz herausgefordert wird.

Es spricht vieles dafür, dass die Amtszeit von Leo XIV. viele Jahre andauert, sodass er kein Übergangspapst sein wird. Das bietet die Chance, für die erforderliche Neugestaltung des Papstamts im 21. Jahrhundert wesentliche Klärungen in Ruhe vorzunehmen. Leo XIV. geht Entscheidungen mit Bedacht an, agiert nach dem wilden Pontifikat von Franziskus sowohl nach außen wie nach innen vorsichtiger und strukturierter.

Welche Rolle wird ein Papst in einer Kirche einnehmen, in der Synodalität als Wesenszug wichtiger wird? Wird es angesichts der Auseinandersetzungen bis hin zur Frauenfrage reichen, sich nur als Brückenbauer zu verstehen? Wo droht das Papstamt in Sackgassen zu geraten? Und: Wie steht es eigentlich finanziell um den Vatikan? Auch angesichts dieser Fragen bietet dieses Spezialheft Antworten und Anregungen.

Nicht zuletzt ist der von Johannes Paul II. in der Enzyklika „Ut Unum Sint“ formulierte Auftrag mit Blick auf die rechte Ausübung des päpstlichen Primats im Kontext aller christlichen Konfessionen noch längst nicht eingelöst. Umso wichtiger sind in diesem Heft die Stimmen aus anderen Kirchen. Denn an der Einheit der Christen, für die der Papst die symbolische Figur sein kann und soll, entscheidet sich die Frage, ob das Christentum den Universalitätsanspruch der biblischen Botschaft nicht unterläuft. Diese weltumspannende Perspektive wollen nicht zuletzt die Fotos aus dem Weltall als Bilder in diesem Heft veranschaulichen.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren für die so angenehme Zusammenarbeit und wünschen allen Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre!

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