Man spricht heute viel von der Notwendigkeit, neue Zugänge für das Verständnis des Christlichen schaffen zu müssen; die früher erfolgreiche Apologetik sei hoffnungslos veraltet. Nun, zumeist ist das Älteste, dem Urphänomen Jesus Christus am nächsten Stehende, auch das Neueste und Wirksamste. Sollte nicht die ganze Aktualität des Christentums heute aus dem elementaren Faktum ersichtlich sein, dass es als einziges in der Weltgeschichte die überlegene Einheit von Heidentum und Judentum darstellt, damals wie heute?
Damals schon lag die größte Schwierigkeit der Kirche Christi darin, die religiöse Tradition des Judentums mit seiner Messiaserwartung zusammenzubringen mit den heidnischen Frömmigkeitsformen, die — ohne religiöse Hoffnung für die Zukunft — auf verschiedene Art einen gegenwärtigen Kontakt mit der Gottheit suchten. Heute geht es immer noch um die gleiche Synthese, die durch die Produkte eines säkularisierten Judentums (und nur dieses ist gemeint, denn es gibt durchaus auch das gläubige) noch dringlicher als damals geworden ist.
Zusammenzubringen ist heute die berechtigte Sorge um die Zukunft der Menschheit, die mehr als je in das Können und die Verantwortung des Menschen gelegt ist, und die unabdingbare Forderung für jeden Einzelnen, jetzt und hier an sein Verhältnis zu Gott, an sein ewiges Heil zu denken. Ins horizontale Nach-Vorn und ins vertikale Nach-Oben: in beiden Richtungen muss sich der Mensch ganz hingeben. Und dies müsste so gelingen, dass jede Richtung die andere nicht hemmt, sondern im Gegenteil fördert.
Nur im Kreuz Christi kreuzen sich die Horizontale und die Vertikale, nur in ihm ist der Einsatz für die Menschheit vollkommen eins mit dem unmittelbaren Kontakt zum väterlichen Willen.
Wie soll das möglich sein? Wer sich, wie der Marxist, ganz im Dienst am Wohl der kommenden Menschheit verzehrt, wie hätte der Zeit und Lust zu beten und in Gott sich zu sammeln? Wer dagegen östliche Meditation treibt und sich ins Absolute versenkt, wie könnte er sich ganz seiner irdischen Aufgabe widmen?
Zwischen Himmel und Erde
Nur im Kreuz Christi kreuzen sich die Horizontale und die Vertikale, nur in ihm ist der Einsatz für die Menschheit vollkommen eins mit dem unmittelbaren Kontakt zum väterlichen Willen. Warum? Weil der Wille Gottes, den Christus im Gebet erlauscht, ihn immer neu in die Welt und ihre Not hineinsendet, und das nicht mit bloß menschlichen Programmen, sondern mit einem Rettungsplan, wie nur Gott ihn ersinnen und durchführen kann.
Aktion allein genügt nicht: sie gelangt auch in Jesu Erdenleben nicht zum Ziel. Gebet allein genügt nicht, es verweist immer neu zunächst auf die Tat, aber schließlich auf das Dritte, das allein zum Durchbruch führt: das große Leiden, das wie die Synthese von Aktion und Kontemplation ist: Tragen der untragbaren Weltschuld, die nach vorn wie nach oben den Zugang zu Gott versperrt hat: offene Tür in beiden Richtungen.
Nach vorn: was sollen die marxistischen Zukunftspläne, wenn der Mensch nicht wesentlich veränderbar ist und wenn die unzähligen vergangenen Geschlechter unerlöst bleiben? Der Christ arbeitet an der Veränderung der Welt in der durch Christus begründeten Hoffnung auf seine Wiederkunft und auf das alles verwandelnde Kommen des Reiches Gottes, in das aller Einsatz um das Gute eingeborgen werden wird.
Der Mensch bleibt zwischen Himmel und Erde ausgespannt, ohne je die beiden Dimensionen seiner Existenz aus eigener Kraft zu letzter Harmonie zu bringen.
Nach oben: was vermögen alle Ekstasen und Versenkungen östlicher Techniken, wenn sie nicht dem lebendigen Herzen Gottes begegnen, jener absoluten Liebe, die sich in Christi Kreuz bewiesen hat, mit der wir nie identisch werden, die uns aber im Heiligen Geist an sich selber teilgibt?
Der Mensch bleibt zwischen Himmel und Erde ausgespannt, ohne je die beiden Dimensionen seiner Existenz aus eigener Kraft zu letzter Harmonie zu bringen. Zeigt das nicht an, dass er schon von der Schöpfung her auf den Gekreuzigten und Auferstandenen hin entworfen ist, in dem sein unruhiges Herz Ruhe findet?
Man kann das gleiche noch einfacher mit dem Evangelium ausdrücken: die beiden Hauptgebote der Gottes-und Nächstenliebe werden ein einziges nur in Dem, der zugleich Gott und Mensch ist. Das ist und bleibt das Zentrum christlicher Apologetik: dieses Unvergleichliche.
Mit freundlicher Genehmigung des Johannes Verlags
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