Horte des Wissens und GlaubensWarum sind Bekenntnisschulen mit klarem katholischen Profil in Deutschland so unbekannt?

Katholische Schulen bieten weit mehr als gute Bildung: Sie können Orte sein, an denen junge Menschen Glauben konkret kennenlernen und einüben. Doch warum bleibt dieses Potenzial in Deutschland oft ungenutzt? Ein Plädoyer für Schulen mit einem selbstbewussten katholischen Profil.

Ein Mönch, Lehrer, spricht am 13. Oktober 2023 im Musikunterricht am Gymnasium der Abtei Münsterschwarzach in Schwarzach.
© Harald Oppitz / KNA

Alten Klassenkameraden nach vielen Jahren wieder zu begegnen kann eine überaus bereichernde Erfahrung sein. In meinem Fall hat es sich nun schon wiederholt zugetragen, dass mir solche Ehemaligen erzählten, sie hätten sich irgendwann nach der Schulzeit dem Glauben zugewandt. Dies geschah jeweils im Zusammenhang mit Freikirchen und immer wieder hörte ich bei diesen Berichten die nachdenkliche Frage durch, warum sie eigentlich in unserer Klosterschule so wenig über den Glauben gehört hätten.

Nun ist zunächst festzuhalten, dass wir dort als Schüler überall von religiösen Vollzügen, Gedanken und Symbolen umgeben waren. Morgens wurde gebetet, viele unserer Lehrer waren Mönche. Diese waren durchaus glaubwürdige, gute und fromme Männer. Mir geht es keineswegs um eine Abrechnung mit meiner Schule, an die ich die besten und dankbarsten Erinnerungen habe. Was aber vermissen meine alten Schulkollegen im Rückblick?

Bildung mit klarem katholischen Profil

Als ich vor wenigen Tagen auf einer Konferenz in Sussex, England sprach, fiel mir ein Werbeplakat auf. Es hing in Worth Abbey, auch dies eine benediktinische Klosterschule, und wies auf das Puer Iesu Home Education College hin. Dies ist ein Schulkonzept, bei dem Homeschooling und reguläre Schule sich abwechseln. Der erste, groß gedruckte Satz auf dem Plakat lautet: "Divin and human virtue formation". Zu deutsch: "Bildung der göttlichen und menschlichen Tugenden". Darunter wird weiter ausgeführt, dass Gebetszeiten, Bibellese und Katechismusunterricht zum täglichen Programm gehören. Was die Lehrinhalte betrifft, finden sich außer den normalen Fächern wie Mathematik und Sport auch: klassische Literatur, christliche Philosophie, Theologie und Latein.

Ich möchte meinem eigenen Gymnasium nur die besten Noten geben, was die Lehrinhalte betrifft. Auch dort genoss ich ausgezeichneten Latein-, Griechisch- und Philosophieunterricht. Mir sprang jedoch das ausgeprägt christliche Selbstbewusstsein des Puer Iesu College ins Auge: Hier wird geradezu offensiv mit dem Alleinstellungsmerkmal einer dezidiert katholischen Schule geworben. Wer sein Kind dorthin schickt, kann gewiss sein, dass es intensiv mit dem Glauben in Berührung kommt.

Bedenkt man, wie umfassend Lehrinhalte, aber auch Schulklima und Klassenkameraden einen jungen Menschen prägen, müssen Schulen als eine der größten Chancen zur Weitergabe des Glaubens gesehen werden. Eine Chance freilich, die auch verpasst werden kann.

Auch auf dem großen Schulgelände von Worth Abbey finden sich zahllose Einladungen zum gelebten Glauben. Ein Kurs wirbt dafür, wie man katholischer Missionar werden kann. Ein Plakat weist auf einen Gebetsabend hin. Wohlgemerkt: auch auf den hier beschriebenen Schulen erwerben junge Menschen ganz normale, staatlich anerkannte Schulabschlüsse. Und auch England ist ein überwiegend sehr säkularisiertes Land.

Grundgesetz bietet viele Möglichkeiten

Weshalb nun sind Bekenntnisschulen mit klarem katholischen Profil in Deutschland so unbekannt? Prof. Wolfgang Stock, Generalsekretär des Verbands Evangelischer Bekenntnisschulen, macht Mut: Die in seinem Verband verfassten Schulen mit klar christlicher Ausrichtung sind erfolgreich und können sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Er verweist auf die großen Möglichkeiten, die unser Grundgesetz konfessionell verantworteter Schulträgerschaft gewährt: auch inhaltlich. Bedenkt man, wie umfassend Lehrinhalte, aber auch Schulklima und Klassenkameraden einen jungen Menschen prägen, müssen Schulen als eine der größten Chancen zur Weitergabe des Glaubens gesehen werden. Eine Chance freilich, die auch verpasst werden kann.

Meine beiden alten Schulfreunde haben mittlerweile den Glauben als großes Geschenk für ihr Leben erfahren dürfen. Ihre Anfrage an die eigene Schulzeit beschäftigt mich aber nachhaltig: warum hat man uns damals so wenig davon erzählt?

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