Benjamin Leven: Das Papsttum erfindet sich immer wieder neu. Wenn Sie auf das erste Jahr des Pontifikats von Papst Leo XIV. blicken: Wie interpretiert Robert Prevost das Amt?
Volker Reinhardt: Sehr zurückhaltend. Nicht effekthascherisch, nicht auf Publicity bedacht – und damit in einer sehr langen Tradition. Wenn es einen gemeinsamen Nenner für das Papsttum der letzten Jahrhunderte gibt, dann wohl diesen: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wurden kompromissfähige Persönlichkeiten gewählt, die nicht marktschreierisch auftraten und nicht schrill agierten. Das konnte auch kaum anders sein. Im Konklave der Frühen Neuzeit traten widerstreitende Parteien auf: die Parteien der Weltmächte Spanien, Frankreich und anderer Mächte. Man musste also über Jahrhunderte hinweg einen Kandidaten finden, der der Mehrheit der Interessen genehm war – oder der zumindest keine dieser Interessen verletzte. In diesem positiven Sinne war der Papst häufig ein Kompromisskandidat. Und ich glaube, dass Leo XIV. dies in exemplarischer Weise ist. Er hat die verschiedensten Funktionen in der Kirche wahrgenommen: als Ordensmann, als Bischof, als Leiter seines Ordens und als Kurienpräfekt. Er hat also die ganze Bandbreite kirchlicher Aufgaben durchlaufen. Über das Konklave von 2025 wissen wir keine Einzelheiten. Dass sich aber relativ schnell eine Mehrheit der Kardinäle auf ihn verständigen konnte, verweist auf eine bestimmte Erwartung: auf einen Papst, der ausgleichend wirkt. In dieser Erwartungshaltung, in dieser Tradition, scheint er auch tätig zu sein.
Charismatische Persönlichkeiten, also Menschen, die in der einen oder anderen Weise aus dem Rahmen fielen, denen die Gläubigen ungewöhnliche Fähigkeiten zuschrieben, waren in der Papstgeschichte selten.
Leven: Würden Sie sagen, diese Zurückhaltung des jetzigen Papstes ist historisch eher die Regel – und die charismatische, impulsive, spontane Amtsausübung seines Vorgängers eher die Ausnahme?
Reinhardt: Ja, ganz sicher. Die Päpste der Neuzeit – ich verstehe darunter ungefähr die Zeit von 1450 bis etwa 1800 – waren in ihrer großen Mehrheit Juristen. Ich will nicht sagen, dass der Beruf des Juristen die Persönlichkeit prägt; eher ist es wohl umgekehrt: Ein bestimmter Menschentypus wird überdurchschnittlich häufig Jurist. Auch Papst Leo XIV. hat übrigens im Fach Kirchenrecht promoviert. Charismatische Persönlichkeiten, also Menschen, die in der einen oder anderen Weise aus dem Rahmen fielen, denen die Gläubigen ungewöhnliche Fähigkeiten zuschrieben, waren selten. Charisma ist ja immer etwas Zugeschriebenes: Die anderen sind davon überzeugt, dass der Charismatiker es besitzt. Dafür gibt es in der Papstgeschichte nur sehr wenige Beispiele. Nach Auffassung zumindest der Römer, die mit einem neuen Papst auch einen neuen Landesherrn und Stadtherrn bekamen, sollte ein Papst gerade kein Charismatiker sein. Die Römer wollten einen Papst, dem nichts Menschliches fremd war: einen Papst mit Sinn für Familie, für Tradition, auch für die Güter und Annehmlichkeiten dieser Welt. Jahrhundertelang haben die Römer kaum einen Papst mehr gefürchtet als einen Heiligen, der ihnen Dinge abverlangte, die sie nicht leisten konnten: den Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten, auf einen bestimmten Lebensstil und Ähnliches. Solche Persönlichkeiten finden wir daher selten. Sie gehören – von Ausnahmen abgesehen, etwa den großen polarisierenden Päpsten des 11. und 13. Jahrhunderts – nicht zum Normaltypus der Papstgeschichte. Gefragt war ein anderer Typ: jemand, der die Interessen der Kirche, des Kirchenstaates und in sehr hohem Maße auch die Interessen seiner Familie wahrzunehmen verstand. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das Hauptanliegen vieler frühneuzeitlicher Päpste zwischen 1450 und 1800 die Erhöhung ihrer Blutsverwandten war. Das lässt sich nachweisen; dafür wurde am meisten Geld ausgegeben. Davon kann heute selbstverständlich keine Rede mehr sein. Aber für dieses Amt ist weiterhin jemand gefragt, der vielen vieles gibt: einer, der von möglichst vielen Seiten akzeptiert wird, der vermittelt, der die unterschiedlichen Seiten des kirchlichen Spektrums verbinden und versöhnen kann. Ein charismatischer Papst ist in dieser Hinsicht eher problematisch.
Eine Macht über der Geschichte
Leven: Welche programmatischen Schwerpunkte zeichnen sich bislang ab?
Reinhardt: Ich sehe noch keine ganz klare Linie. Es ist sicherlich klug, sich in ein solches Amt zunächst einzuarbeiten und zu testen, wie die Öffentlichkeit reagiert. Ich sehe eine weise Zurückhaltung, die es allerdings schwer macht, nach einem Jahr bereits eine Bilanz zu ziehen. Die bisherigen Verlautbarungen Leos XIV. wirken eher konservativ: Seine These etwa, dass katholischer Glaube und moderne Wissenschaft vereinbar sind, ist letztlich unmittelbar von Thomas von Aquin her gedacht. Auch seine vorsichtige Verurteilung zerstörerischer Politik und tyrannischer Herrscher der Gegenwart steht in einer sehr alten Tradition. Das Papsttum hat sich früh einen zweiten Primat zugeschrieben: eine Vorrangstellung gegenüber allen politischen Mächten der Christenheit. Das ging so weit, dass Päpste Herrscher exkommunizierten und sie ihrer Herrschaft für ledig erklärten. Das beginnt im 11. Jahrhundert mit Kaiser Heinrich IV. und setzt sich in späteren Jahrhunderten fort. So weit wird man heute nicht mehr gehen. Aber das Papsttum versteht sich als eine Macht über der Geschichte, als eine Macht, die bis zum Ende der Geschichte ausharren und die Welt gleichsam Christus zum Jüngsten Gericht übergeben wird. Dazu gehört die Kompetenz, über Macht und Mächtige zu urteilen. Dieses Urteil ist jahrhundertelang sehr negativ ausgefallen. Auch christliche Herrscher sündigten. Das Papsttum verstand sich als höchste moralische Instanz über den politischen Mächten.
Der Konflikt ist meines Erachtens vor allem von Washington ausgegangen, nicht von Leo XIV., der mit seiner Kritik an Krieg, Gewalt und Tyrannei und seinem Plädoyer für den Frieden in einer anderthalbtausendjährigen Tradition steht.
Leven: Das Pontifikat hat geräuschlos begonnen. Ein knappes Jahr später gibt es nun aber einen ersten großen Konflikt: mit der US-Regierung. Der Papst positioniert sich als moralische Instanz gegenüber einem weltlichen Souverän. Ist das eine klassische Konstellation?
Reinhardt: Ja, das ist eine uralte Tradition. Wer liebt es schon, wenn ihm die Leviten gelesen werden? Wer lässt sich gern kritisieren? Die Drohung von Donald Trump, die "gesamte iranische Zivilisation" auszulöschen, hat Leo XIV. vor Journalisten als "unannehmbar" bezeichnet – ohne dabei Trumps Namen zu nennen. Später sagte er, Gott segne keinen Konflikt und stehe nicht auf der Seite derer, die Bomben abwerfen. Damit bezog er sich erkennbar auf die religiöse Rhetorik der amerikanischen Regierung. Während seiner Afrika-Reise hat der Papst dann aber ganz allgemein von Tyrannen gesprochen, die die Welt durch Kriege und Ausbeutung zerstören würden. Und so unerfreulich auch mir vieles vorkommt, was in Amerika geschieht: Trump ist rechtmäßig gewählt worden. Er ist kein amerikanischer Wladimir Putin. Sehr interessant ist allerdings die Reaktion Donald Trumps, der zu einer ungewöhnlichen Schlussfolgerung gelangt ist: Der Papst sei eigentlich nur seinetwegen gewählt worden; Leo XIV. schulde ihm Dankbarkeit, weil seine Wahl letztlich nur erfolgt sei, weil Trump Präsident sei. Das ist eine völlig absurde Theorie. Der Konflikt ist meines Erachtens vor allem von Washington ausgegangen, nicht von Leo XIV., der mit seiner Kritik an Krieg, Gewalt und Tyrannei und seinem Plädoyer für den Frieden in einer anderthalbtausendjährigen Tradition steht.
Leo XIV. könnte in den gegenwärtigen Krisen vielleicht als ehrlicher Makler auftreten.
Leven: Schon mit seinen ersten Worten auf der Loggia des Petersdoms hat der Papst das Thema Frieden in den Mittelpunkt gestellt. Was könnte er – wenn er einen Historiker fragt – diesbezüglich aus der Geschichte lernen?
Reinhardt: Mit dem Lernen aus der Geschichte ist es so eine Sache. Geschichte ist immer ein Aufbruch ins Unbekannte. Die Konstellationen, die sich in der Zukunft ergeben, sind nie dieselben wie die der Vergangenheit. Unmittelbare Lehren kann man daraus nicht ziehen. Man kann höchstens versuchen, Konstanten geschichtlicher Entwicklung zu erkennen – und auch das ist schwierig und oft falsch. Ein Historiker sollte daher sehr vorsichtig sein mit Regieanweisungen für die Mächtigen. Historiker sind die schlechtesten Propheten. Aber man kann natürlich zurückblicken und fragen: Wer kommt für Vermittlungspositionen zwischen weltanschaulichen Konfliktparteien oder zwischen kriegführenden Ländern infrage? Das Papsttum der Gegenwart scheint mir für solche Vermittlungsaufgaben durchaus geeignet, weil es eine Mitte zwischen Raubtierkapitalismus einerseits und Kommunismus andererseits hält und moralische wie humanitäre Werte hochhält. Leo XIV. könnte in den gegenwärtigen Krisen vielleicht als ehrlicher Makler auftreten. Ich glaube, das Papsttum ist seit Johannes XXIII., also seit 1958, dafür qualifiziert, weil es sehr allgemeine humanitäre Werte hochhält und auf diese Weise wahrscheinlich auch zwischen weltanschaulich unterschiedlich orientierten Parteien vermitteln könnte. Ein zurückhaltender Papst wie Leo XIV. wäre für eine solche Rolle durchaus geeignet.
Leo XIV. und Leo XIII.
Leven: Der neue Papst hat gesagt, er wolle mit der Wahl seines Namens an Papst Leo XIII. anknüpfen. Welcher Anspruch ergibt sich aus dieser Namenswahl?
Reinhardt: Das ist ein interessanter und durchaus mutiger, ja kühner Anspruch. Leo XIII. stand damals vor einer völlig verfahrenen Situation. Das Papsttum war in einer Sackgasse gelandet. Sein Vorgänger Pius IX. hatte alles verurteilt, was einem liberalen Menschen des 19. Jahrhunderts heilig war: Verfassung, Menschenrechte, Wissenschaft. Freilich auch den Nationalismus – und damit die vielen Kriege, die im Namen des Nationalstaats geführt wurden. Als Leo XIII. 1878 gewählt wurde, befand sich das Papsttum in vieler Hinsicht in einer ausweglosen Lage: eingeschlossen im Vatikan, in schroffer Opposition zum neuen Königreich Italien – obwohl dieses Königreich Italien sehr konservativ war und seinerseits die Versöhnung mit der Kirche suchte. Leo XIII. versuchte, Auswege aus diesem Dilemma zu finden. Er wollte das Papsttum wieder stärker international vernetzen und vor allem den sozialistischen und kommunistischen Bewegungen den Wind aus den Segeln nehmen: durch eine katholische Soziallehre, die den Arbeitern und ausgebeuteten Schichten zu ihren Rechten verhelfen sollte. Genau dies habe ich in den Texten Leos XIV. wiedergefunden, gerade in Afrika: die Kritik an der Ausbeutung Afrikas auf der Suche nach Seltenen Erden, an der brutalen Unterdrückung der Minenarbeiter, an der Dominanz eines weltumspannenden Kapitalismus zulasten der einfachen Menschen. Das kommt in diesen afrikanischen Reden deutlich zum Ausdruck.
Rom und Deutschland
Leven: Leo XIV. hat von seinem Vorgänger Franziskus einen innerkirchlichen Konflikt geerbt: den Zwist mit der katholischen Kirche in Deutschland. In Deutschland will man, einfach gesagt, seit Jahren Neuerungen durchsetzen, Rom steht auf der Bremse. Was erwarten Sie diesbezüglich von Leo XIV.?
Reinhardt: Nach dem, was bislang zu lesen war, würde ich sagen, dass Leo XIV. hier in der Tradition von Franziskus steht. Franziskus hat den Synodalen Weg in Deutschland ja sehr schroff abgekanzelt. Für ihn war das letztlich eine neue Form von Pelagianismus, also einer antiken Ketzerei, die auf eine Überschätzung der Selbstvervollkommnungs- und Selbstheilungsfähigkeit des Menschen hinausläuft. Rom gibt von seiner zentralen Jurisdiktion, von seiner geballten Kompetenz nichts ab. Das hat das Papsttum bis heute nicht getan. Es widerspricht auch der Tradition des Papsttums, das im Laufe der Jahrhunderte Kompetenzen und Macht kumuliert hat. Mit der traditionellen Auffassung des Papsttums ist eine Abgabe oder Teilung von Macht schwer vereinbar. Ich glaube, Leo XIV. steht – nach dem wenigen, was dazu bisher verlautet ist – in dieser Tradition von Franziskus: nicht progressiv, nicht reformfreudig, nicht liberal im gängigen Sinn, sondern zu gewissen Zugeständnissen in der Form bereit, nicht aber in der Substanz. In der Substanz gilt: Der Papst entscheidet in seiner plenitudo potestatis, in seiner Vollgewalt. Ich glaube nicht, dass ein Papst davon abrücken kann. Es wäre eine Umdefinition des Papstamtes nach anderthalb Jahrtausenden – und käme einer Revolution gleich.
Der Papst lässt sich beraten, er beruft konsultative Gremien ein. Aber es ist kein Jota von der päpstlichen Vollmacht abgegeben worden.
Leven: Papst Franziskus hat den Begriff der Synodalität in den Mittelpunkt gestellt. Bedeutet es denn keine Relativierung der päpstlichen plenitudo potestatis, wenn neue Formate der Partizipation in der Kirche eingeführt werden?
Reinhardt: Da muss man sehr genau hinschauen. Den Begriff Partizipation würde ich nur sehr eingeschränkt akzeptieren. Konsultation ja – aber das gehört zur ältesten Tradition des Amtes. Ein guter Herrscher, nicht nur ein guter Papst, hört zu. Er hört verschiedene Meinungen an, unter Umständen auch ärgerliche Meinungen. Der Papst hört zu, nimmt Meinungen zur Kenntnis – aber er entscheidet allein, einsam in der Gewalt seines Amtes. Vergessen wir nicht: Im Juli 1870 wurde die Unfehlbarkeit des Papstes festgeschrieben, wenn er ex cathedra in entscheidenden Fragen der Dogmatik und der Moral entscheidet. Das kann man nicht rückgängig machen. Der Papst lässt sich beraten, er beruft konsultative Gremien ein. Aber es ist kein Jota von der päpstlichen Vollmacht abgegeben worden. Und hier wage ich – entgegen meiner Aussage, dass Historiker schlechte Propheten sind – eine Vorhersage: Das wird auch in der Folgezeit nicht geschehen, es sei denn, man definiert das Papstamt völlig neu, etwa als eine Art konstitutionelle Monarchie, die auch Laien eine substanzielle Entscheidungsgewalt einräumt. Ich glaube aber nicht, dass dies mit der bisherigen Definition des Papstamtes vereinbar wäre. Alles, was an synodalen Körperschaften einberufen wurde, lief ausschließlich auf Beratung hinaus. Vergessen wir nicht: Selbst die Beschlüsse eines Konzils werden nur rechtskräftig, wenn der Papst sie bestätigt.
Reformation?
Leven: Franziskus hat 2022 mit Blick auf die Entwicklung in Deutschland gesagt: "Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen keine zweite." Die deutschen Kurienkardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller haben Parallelen zur Reformationszeit hergestellt. Zurecht?
Reinhardt: Nein. Luther begann vielleicht noch mit einer systemimmanenten, für das System partiell tragbaren Kritik. Aber daraus entwickelte er eine völlig andere Theologie. Er wollte eine völlig andere Kirche, eine andere Kirchenorganisation, eine andere Kirchenhoheit. Die anderen Reformatoren sind ihm auf diesem Weg gefolgt. Luther lehrte die Prädestination: Der Mensch ist vor seiner Geburt zum Heil oder zur Verdammnis bestimmt. Gute Werke sind nicht heilskräftig; der Mensch kann für sein Heil nichts tun. Er definierte die Sakramente nicht mehr als heilswirksam, sondern wesentlich als psychologisches Stärkungsmittel. Er bestritt den Zugriff des Papstes auf den Schatz der Kirche, auf das Jenseits und auf das Fegefeuer. Er amputierte das Papsttum, redimensionierte es im Grunde zu einer reinen Verwaltungsinstitution. Luther wollte eine völlig andere Kirche und entwickelte eine völlig andere Theologie. Diese Unterschiede sind heute, im Zeichen eines an sich erfreulichen ökumenischen Aufeinanderzugehens, teilweise verwischt worden. Aber wenn man lutherische Kerntexte liest – etwa die Auseinandersetzung mit Erasmus über den freien Willen –, dann sieht man, dass Luther dem Menschen überhaupt keinen freien Willen zuspricht. Selbst wenn der Mensch unverdientermaßen von Gott erwählt wird, bleibt er Sünder. Mit der katholischen Lehre ist das völlig unvereinbar. Eine solche Situation sehe ich heute überhaupt nicht. Ich sehe den Wunsch nach einer katholischen Kirche, die der Gesellschaft gegenüber offener ist und den Gemeinden sowie den Gläubigen ein stärkeres Mitspracherecht einräumt. Aber das hat mit der Reformation nichts zu tun. Auch die reformatorischen Kirchen, die sich im Anschluss an Luther und Calvin entwickelten, waren übrigens alles andere als demokratisch. Im Gegenteil: Die lutherischen Kirchen wurden Kirchen der Fürsten – Behörden, Organisationen des modernen Staates. Die Forderungen liberaler Katholiken heute, speziell in Deutschland, nach einer offeneren und demokratischeren Kirche sind also etwas völlig anderes als die reformatorische Situation des 16. Jahrhunderts.