Der profilierte schwäbische Schriftsteller, Übersetzer, Essayist, Satiriker und Kulturphilosoph Theodor Haecker (1879–1945) ist im katholischen Deutschland fast vergessen, allein im Zusammenhang mit der von ihm mit beeinflussten Widerstandsbewegung «Weiße Rose» fällt gelegentlich sein Name. Er prägte teilweise die Texte der gegen das Nazi-Regime verteilten Flugblätter, besonders des vierten. Nach einer Begegnung mit Haecker schrieb Sophie Scholl am 7. Februar 1943, zwei Wochen vor ihrem Tod, an ihren Verlobten Fritz Hartnagel an der russischen Kriegsfront: «An Deinem Geburtstag [4. Februar] war Haecker bei uns. Das waren eindrucksvolle Stunden. Seine Worte fallen langsam wie Tropfen, die man schon vorher sich ansammeln sieht, und die in diese Erwartung hinein mit ganz besonderem Gewicht fallen. Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt wie er.»1
Der gewaltsame Tod der jungen Freunde von der «Weißen Rose» hat ihn zutiefst bedrückt. Auch Sohn Reinhard verstarb später in russischer Gefangenschaft, ohne seinen Vater wiedergesehen zu haben. Die Erfahrung der bitteren Realität, zu der auch das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 gehörte, scheint Haeckers angeborene Schwermut und Melancholie zu bestätigen. Diese teilte er (ähnlich wie Romano Guardini) auch mit Sören Kierkegaard, den er wie kein anderer durch seine Übersetzungen in den deutschen Sprachraum vermittelte. Aber Haecker fand aus der existentiellen Zerrissenheit Kierkegaards in die Zuflucht der katholischen Kirche. Schon in der Vorrede zu Satire und Polemik (Innsbruck 1922) schreibt er nach seiner durch Newman-Lektüre ausgelösten Konversion: «Ist etwas in diesem Buch, das Zweifel ausdrückt an der Autorität der katholischen Kirche in allen Fragen der Lehre und Sitten oder ihren dogmatischen Sätzen in Wort oder Geist entgegen ist, so ist es wie nicht geschrieben; wenn es aber doch geschrieben worden ist – litera scripta manet –, so ist es zurückgenommen nicht nur, sondern widerrufen, ohne Vorbehalt, ohne Schikane, einfach und einfältig, wie Ja ja ist und Nein nein. Und selbstverständlich gilt dies nicht nur für die hier gesammelten Aufsätze, sondern für alles, was von mir geschrieben ist.»2
Zur Person
Der Biograph Eugen Blessing sieht bei Haecker drei «Lebenswege»: den die Verlogenheiten der Zeit entlarvenden und zerstörenden Satiriker, den aufbauenden christlichen Denker und Philosophen und den glühenden «homo religiosus» und Freund Gottes.3 Der spätere Vertreter eines «Kulturkatholizismus»4 wurde am 4. Juni 1879 im idyllischen württembergischen Ort Eberbach (Jagsttal) in einer evangelischen Familie geboren. 1891 starb seine Mutter. Auf Wunsch des Vaters absolvierte er eine Kaufmannslehre. Von 1901 bis 1903 hörte er an der Berliner Universität Vorlesungen in verschiedenen Fächern, anschließend betätigte er sich als Journalist, holte 1905 das Abitur nach und studierte bis 1910 in München Philosophie, vor allem bei Max Scheler. Das Studium blieb ohne Abschluss. Neben Sören Kierkegaard prägten ihn der Pietist Johann Christoph Blumhardt und der Schweizer Staatsrechtler und ethisch-religiöse Schriftsteller Carl Hilty. 1913 erschien Haeckers erste kulturkritische Schrift Sören Kierkegaard und die Philosophie der Innerlichkeit im Münchener Schreiber-Verlag, in dem er bis an sein Lebensende mitarbeitet. 1914 kam es zur Begegnung mit Karl Kraus, der ihn sehr schätzte und für den er «der einzige Mann im heutigen Deutschland [war], der polemischen Mut und polemischen Ausdruck findet»5, mit Carl Dallago (mit dem er sich später überworfen hat) und Ludwig von Ficker, die ihn für die literarische Kulturzeitschrift «Der Brenner»6, die sich an Kraus’ «Die Fackel» orientierte und in der Georg Trakl seine Gedichte veröffentlichte, entdeckten. 1916 wurde er einberufen, doch schon bald – wegen Untauglichkeit – entlassen. Kriegseuphorie und preußischer Militarismus wurden von ihm immer wieder kritisiert. 1917 erschien von ihm mit einem ausführlichen Nachwort die Kierkegaard-Übersetzung von Das Buch Adler oder der Begriff des Auserwählten. 1920 heiratete er und fing an, in München einen Kreis Gleichgesinnter zu bilden. Dazu gehörten Ferdinand Ebner und Erik Peterson, deren Texte er an den «Brenner» vermittelte. 1921 trat Haecker unter dem Einfluss der Werke des englischen Konvertiten John Henry Newman, von dem er mehrere wichtige Schriften übersetzte, zum Katholizismus über. Nun öffneten sich für ihn auch die Pforten der Zeitschrift «Hochland», deren Herausgeber Carl Muth von Haeckers Schreibstil begeistert war, dessen Beiträge ohne jede Korrektur übernahm und den er gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte. 1933 wurde Haecker wegen eines Aufsatzes über das Hakenkreuz, das er als Symbol der sinnlosen Bewegung, des bloßen «Drehs», verspottete, verhaftet. 1935 wurde Redeverbot über ihn verhängt und verstirbt seine Frau, nach 1938 konnte keine seiner Schriften mehr gedruckt werden. Nach der Flucht aus München, wo seine Wohnung 1944 zerstört wurde, erliegt er am 9. April 1945 in Ustersbach bei Augsburg einem diabetischen Koma.
Christentum und Kultur
Die erste Ausgabe seiner Essays Christentum und Kultur (München 1927) widmet er Carl Muth. Der Titelaufsatz darin ist ein «typischer Haecker», indem sich der geistreiche, an Kierkegaard geschulte, unübertroffene Stilist und Polemiker zeigt. Er schließt sich dem konservativen Lutheraner Werner Elert an und verurteilt wie der große Däne den deutschen Idealismus von Kant und Hegel bis hin zu Schleiermachers Kulturprotestantismus. Seine Diktion ist absolut, verletzend und determiniert. Rudolf Steiner und andere werden vernichtend karikiert. Max Scheler wird nach seinem Tod ein «Schmähartikel» hinterhergeworfen, in dem Haecker diesen in boshaft-stilistischer Meisterschaft als zügellosen Genussmenschen schilderte, der im Grund nie wirklich erfasst habe, was Katholischsein bedeutet. Noch härter urteilt Haecker später mit Carl Muth über Stefan George und spottet schon in «Satire und Polemik» über Thomas Mann als «das dämonische Männchen», das zum «Moralisten» wird oder gar «sich mit Friedrich dem Großen verwechselt».7 Als Mann 1929 den Literaturnobelpreis erhielt, giftete er: «Nobelpreis, ja der Herr Thomas Mann, dieser peinlichste Dummkopf und verlogenste Konjunkturjäger Deutschlands bekommt ihn. Er setzt heute auf die Demokratie und den Sozialismus, dieser verlogenste Konjunkturjäger – denn er gewinnt dadurch heute den Nobelpreis.»8 Mann hat es nicht nachgetragen und schrieb am 23.August 1934 in sein Tagebuch: «Abends nahm ich das Buch von Th. Haecker wieder vor und las aufmerksam darin […] Haecker ist ein katholischer Denker und starker Schriftsteller von etwas zelotischen Manieren. Aber obgleich er mich mehrmals hart (und missverständlich) angreift, empfinde ich für seine christliche Humanität tiefe Sympathie (‹Was ist der Mensch?›) und war bewegt von seiner mutigen Apologie des Geistes.»9 Auch gegen Hans Urs von Balthasars Werk Apokalypse der deutschen Seele schleuderte Haecker in den Tag- und Nachtbüchern seine vernichtenden Urteile, die aber eine gehörige Replik erhielten.10 Dass der Wiener Eiferer Karl Kraus und Haecker aneinander Gefallen hatten, ist nicht verwundernswert. Aber er konnte auch applaudieren: Autoren wie Francis Thompson, Hilaire Belloc, Gilbert K. Chesterton, Jacques Maritain, Gertrud von Le Fort und besonders T. S. Eliot fanden seine ungeteilte Zustimmung und persönliche Freundschaft.
Das «Gesetz» der für Haecker problematischen Verbindung von Christentum und Kultur ist: «Die Möglichkeit einer christlichen Kultur – also unter der Voraussetzung des Faktums der Offenbarung, unter der Voraussetzung auch der Annahme dieser Offenbarung durch den Glauben, des Primats des Glaubens – steht in direktem Verhältnis zu der relativen Gesundheit des natürlichen Verstandes und der Vernunft, zu der relativen Reinheit der Sitten, und zwar nicht der einzelnen, auch nicht einer engeren Glaubensgemeinschaft nur, sondern eines ganzen Stammes, eines ganzen Volkes, einer ganzen Nation […] Eine christliche Kultur und also auch Kunst ist dann möglich, wenn neben den Grundlagen eines klaren Intellekts der natürliche Wille nicht allzu pervertiert ist, wenn die Hierarchie der natürlichen Werte durch Sitte und Gewissen verhältnismäßig unangegriffen, gesichert, anerkannt und sanktioniert ist.»11 In einem Dialog über Christentum und Kultur (Hellerau 1930) wird dieses «Gesetz» nach einem Blick auf nationale Kulturen noch einmal vertieft und abschließend dem Freund (wohl Carl Muth) gesagt: «Sehen Sie, der letzte Sinn einer jeden Kultur ist ein Verherrlichen und Glorifizieren. Aber wessen? Das ist die Frage. Gloria mundi oder gloria Dei. Das ist der Scheideweg. Alle Kultur ist am Ende um des Ruhmes und um der Herrlichkeit willen da, um der Krone willen des Arbeitens und Schaffens und Daseins. – Wer die Idee des ‹Ruhmes› und ihn selber aufgibt, der gibt die Idee der ‹Kultur› und sie selber auf […] Das ist mein letztes Wort über die Verbindung von Christentum und Kultur, damit Sie nicht meinen, ich reiße sie auseinander. Dort ist ihre Verbindung vollkommen, wo die sichtbare vergängliche gloria mundi nur ein Gleichnis ist und durchsichtig wird für die unsichtbare ewige gloria Dei.»12 Mit seiner «Dämonisierung der Moderne» und seiner direkten Polemik war Haecker ein «Außenseiter gegenüber den triumphalistischen Kulturkatholiken seiner Zeit»13.
Das Abendland, Vergil und die Deutschen
In seinem schmalen aber zentralen Werk Vergil – Vater des Abendlandes (Leipzig 1931), «sein positivstes und am wenigsten polemisches Buch»14, ging es Haecker nicht um Fortführung historisch-politischer oder geistesgeschichtlicher Diskussionen wie sie Oswald Spengler mit seinem Bestseller «Der Untergang des Abendlandes» (Wien 1918/München 1922), Carl Schmitt mit seiner politischen Theologe15 oder Hermann Platz mit seiner Zeitschrift «Abendland»16 betrieben. Sein Schwerpunkt liegt zeitlos auf dem abendländischen Menschenbild, das er im römischen Dichter Vergil (70–19 v.Chr.) als «anima naturaliter christiana» repräsentiert sah. Die These des Buches lautet: Vergil ist Vater des Abendlandes, weil er an der Schwelle der Fülle der Zeit die Fülle natürlichen, abendländischen Menschentums verkörpert, weil er in einer paradigmatischen Form ein adventistischer Heide ist, weil in ihm am vollkommensten die Natur des Abendländers in ihrer Besonderheit eine für die Übernatur bereite, auf sie harrende und nach ihr sich sehnende ist. Das wird in dem seiner Ehefrau gewidmeten Werk ausgefaltet in einem Vorwort anthropologischer Weite, einer Vorstellung «Ecce poeta!», im Bild des Hirten und Bauern aus «Georgicas» mit den Leitworten «Amor vincit omnia» und «Labor improbus vincit omnia». Aenaeas ist dann der vergilische Mensch und Führer mit pietas und Sachbindung bis hin zum Satz «sunt lacrimae rerum» (es sind Tränen in den Dingen). Während Dante die Sendung Vergils in seiner Göttlichen Komödie aufgriff, bedeute Vergil der säkularisierten Gegenwart hingegen nichts mehr: «Das heutige kastrierte Heidentum kennt den Satz: sunt lacrimae rerum nicht und will ihn nicht kennen; das adventistische Heidentum hat ihn in der Fülle der Zeit durch seinen reinsten Geist und süßesten Mund wahr und schön formuliert und sich empfänglich und dürstend gemacht für die blutigen Tränen im Garten von Gethsemane.»17 Am Ende seines großen Vergil-Essays steht eine europäische und universale Seele, «sie ist eine demütige Seele, humilis wie der Boden Italiens, sie ist – und an sie vor allen andern muss Tertullian gedacht haben, da er das Wort fand – sie ist: anima natualiter christiana.»18
«Wir sind Hierarchisten» oder: Was ist der Mensch?
Weltweit ist man vom Bestseller Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen (München 2017) des israelischen Autors Yuval Noah Harari fasziniert. Hier treibt ein technisch-digitaler Atheismus in einem Rundumschlag sein gut geschriebenes Wesen und seine Verwirrung von bisher geltenden anthropologischen Maßstäben. Dazu bietet unser Schwabe einen zeitlosen Gegenpol. Haeckers theologische Anthropologie Was ist der Mensch? (Leipzig 1933) wurde kurz nach Hitlers Machtergreifung veröffentlicht und wird zu seinem systematisch wichtigsten und nachhaltigsten Werk. Haeckers christliche Anthropologie geht nicht «von unten», sondern «von oben» aus. Daher lässt er sich auch nicht von wertneutralen Human- oder Sozialwissenschaften bestimmen. Er gibt sich zwei Prinzipien: «das Höhere kann das Niedere erklären, niemals das Niedere das Höhere»19 und «die Veränderlichkeit des Menschen ist ein Relativum, seine Unveränderlichkeit ist ein Absolutum».20 Damit stellt Haecker sich gegen das Menschenbild Nietzsches und Spenglers. Antimaterialistisch bekennt er sich zum Primat des Geistes, zu einer philosophia perennis und zum Hierarchismus: «Wir sind Hierarchisten»21, nicht Dialektiker. Haecker erweitert nun seinen Horizont vom westlich-abendländischen ins allgemein Menschliche. Gott ist nicht Jude oder Europäer geworden, sondern eben Mensch. So wie Vergil für das Abendland, könnte Laotse Vater des Morgenlandes22 sein, wenn nur die privilegierte Sonderstellung Israels in der Heilsgeschichte gewahrt bleibt.23 Mit Vergils «Georgica» hält Haecker am Landleben fest: «Der Bauer bleibt. Der Bauer wird notwendig siegen über den verführten Menschen, der nur eine Maschine bedient».24 Doch es braucht neben Land und Bauer auch den Handwerker und die Stadt: «Was wäre der Mensch ohne die Stadt?! Ohne die civitas? Alles Menschliche erfüllt sich in den Städten»25. «Aber keine Wahrheit macht die andere falsch, wenn sie beide zur Einheit einer höheren Wahrheit führen. Die Stadt, die dauern soll, setzt den Bauern voraus, selbst wenn sie von Händlern oder Seefahrern gegründet wird.»26
Die Antwort auf die Frage «Was ist der Mensch?» beruhigt also das Chaos des Menschen in der Zeit. Der Mensch kommt sich darin fragwürdig vor, ist aber eben zuerst «Bild Gottes». Die Antwort auf sein Wesen gibt ihm Sinn, Auftrag und Aufgabe, doch diese Antwort wird nicht spekulativ ergrübelt, sondern zeigt sich im Tun unter der Oberaufsicht Gottes. Der Mensch hat eine Urbeziehung zur Übernatur Gottes, die ihn gewollt, geschaffen, begnadet und – nach der Sünde – erlöst hat. Haecker wendet sich nochmals gegen die Lebensphilosophie Max Schelers: «Seine Lehre ist: die Kraft kommt von unten. Das ist in der Tat sein ungeheuerlicher Irrtum, gründend in der Verkennung der absoluten Transzendenz Gottes, der Verkennung des radikalsten Unterschiedes alles Seins: des unerschaffenen und des erschaffenen. Insofern ist er allerdings radikal antitheistisch und antichristlich, denn unser Satz ist ohne Zweifel: Die Kraft kommt von oben.»27 Nur diese Sicht entspricht dem hierarchistischen Denken der philosophia perennis: «Ohne die Erklärung des Menschen von oben, von der Offenbarung her, kann keine Erklärung des Menschen von unten her, sei es nun aus dem Mythos, aus der Dichtung, der Wissenschaft oder selbst der Metaphysik, zum Ziele führen.»28 Daher muss noch vor der Frage: Was ist der Mensch? die Frage kommen: Was ist Gott? Nur so ist die Rede von der Gottebenbildlichkeit des Menschen sinnvoll. Diese ist nicht statisch, sondern die reale Möglichkeit, als geschöpflicher Mensch am trinitarischen und unbegrenzten Leben Gottes teilzuhaben, jedoch stets in Unterordnung unter den Schöpfer. Es kann daher für Haecker, der stets das Bekenntnis «Wir sind Hierarchisten» wiederholt, auch keine wahre Anthropologie oder Philosophie ohne wahre Theologie geben. In Christus, dem Menschen, der nicht nur Bild Gottes, sondern Gott selber ist, kann der Mensch an der unerschaffenen Natur Gottes teilnehmen, ja in das übernatürliche Leben eingehen und die Dinge so schauen, wie Gott sie sieht. So erfüllt sich in Christus des Menschen «quodammodo omnia»-sein über allen Dingen und Geschöpfen und seine den Tod überwindende Berufung: «ad imaginem et similitudinem Dei».29
Tag- und Nachtbücher 1939–1945
Nach Haeckers Tod werden 1947 die Tag- und Nachtbücher veröffentlicht. Es ist ein gläubiges Zeugnis der inneren Emigration. Bei Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit der «Weißen Rose» war das Manuskript nur durch einen rettenden Augenblicksreflex dem Zugriff der Gestapo entgangen. Haecker gibt in ihm persönlichsten Einblick in sein tägliches und nächtliches Ringen mit dem Ungeist der Zeit, mit der Realität des Bösen in der Geschichte. Das Schweigen der Kirche bedrückt ihn. Viele Gedankengänge seiner Bücher werden vertieft. Aphorismen von der Qualität eines Nicolás Gómez Dávila sprühen hervor trotz aller Tragik. Am 8. Februar 1945 notiert er: «Das ist das untrügliche Zeichen des falschen Propheten, des Propheten der ‹Welt›, dass er dem Menschen klar oder versteckt sagt, dass der Weg des Heils breit sei und die Pforte weit, während in Wahrheit und nach Gottes Willen der Weg schmal ist und die Pforte eng.»30
Theodor Haecker war ein echter Prophet der Wahrheit, des Glaubens und des christlichen Abendlandes, aus dessen Kultur er schöpfte und die er die Geister unterscheidend vermittelte. Mit «Satire und Polemik» würde er auch heute als «Hierarchist» Verfallserscheinungen in Kirche und Gesellschaft anprangern und sein unbequemes Zeugnis geben. Für den befreundeten englischen Dichter T. S. Eliot war Haecker noch mehr, nämlich «ein wahrhaft großer Mensch, Gelehrter, Denker und Dichter zugleich. Seine Bücher tragen den dreifachen Adel der Schönheit, der Wahrheit und der Güte.» In geistig dürftiger Zeit lohnt ihre Lektüre besonders.