Besser werden – das ist nicht nur ein Wunsch, der unter eilig gefassten Neujahrsvorsätzen, in Fitness-Ratgebern oder säkularen Achtsamkeitsseminaren hoch im Kurs ist, sondern gehört auch zum Kern christlicher Ethik. Oder vielleicht genauer: der Auftrag, gut zu sein und damit dem Bild Gottes zu entsprechen. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). Es braucht keinen ausgeprägten Pessimismus, um zu dem Urteil zu kommen, dass dieser hymnische Idealzustand aus der Schöpfungserzählung nicht der Realität entspricht – weder in der Welt noch in uns selbst. Die theologische Tradition spricht von der gefallenen Schöpfung und der Verstrickung in individuelle und kollektive Schuld. Als Heilmittel hält die Kirche das Sakrament der Beichte bereit: eine Gelegenheit, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen, Fehler auszusprechen und neu zu beginnen – getragen von Gottes Barmherzigkeit.
So schön dieser Gedanke ist, so sehr ist die Beichte als traditionelle Besserungspraxis auch in Verruf geraten. Sie steht unter dem Verdacht, den Menschen unter regiden Moralvorstellungen kleinzuhalten, und erfreut sich heute eher schwindender Beliebtheit. Mit dieser weit!-Ausgabe laden wir dazu ein, das Besserwerden aus christlicher Perspektive neu zu entdecken. Dabei beleuchtet Dirk Müller das Verhältnis von Scheitern und erneutem Aufstehen, Annette Jantzen fragt nach der Heiligkeit Gottes und Hildegund Keul erklärt im Interview, wie wir das kleine Teufelchen auf unserer Schulter überwinden.
„Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal“ (Mt 18,22) – so oft sollen wir anderen und uns selbst die Chance geben, besser zu werden. Und diese Formulierung ist keine Kopfrechenaufgabe, sondern meint: immer. Eine andauernde Reise zu mehr Menschlichkeit. Herzliche Einladung!