Die Bewegung der Psychiatrie-Erfahrenen wird von der Entstehung der Anstaltspsychiatrie über die NS-Euthanasie und die Psychiatriereformen beider deutscher Staaten bis zur UN-Behindertenrechtskonvention in den Blick genommen. Die Anliegen, Ziele und Erfolge der Bewegung werden mit dem sozialphilosophischen Begriff der Anerkennung reflektiert: Die Artikulierbarkeit von Marginali-sierungserfahrungen wird mit Charles Taylor, der Kampf um Anerkennung mit Axel Honneth, die Berücksichti-gung sozioökonomischer Marginalisierung mit Nancy Fraser und die existenzielle Erfahrung der Lebensbe-drohung mit Judith Butler thematisiert. Es zeigt sich, dass der emanzipatorische Fortschritt zwar von den radi-kalen Teilen der Bewegung erreicht wurde, sich die Hoffnung heute aber auf die Kooperation mit reformorien-ten Teilen der Bewegung stützt.
Von Stefanie Lieb