Titelseite Amosinternational 2/2026

Heft 2/2026Wider das Wachstum

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z940009
Erscheinungstermin PDF: 2026
Bestellnummer PDF: D105540

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5-11

    Postwachstum und DegrowthEine Einführung

    Über Postwachstum und Degrowth gibt es seit den 2000er Jahren intensive Diskussionen, die weitgehend wachstumskritisch sind. Sie sind wissenschaftlich, politik- sowie transformationsorientiert und speisen sich aus verschiedenen kritischen Perspektiven. Während sich der Fokus bei Postwachstum auf Wachstumsunabhängigkeit richtet, ist es bei Degrowth der gestaltete Rückgang der wirtschaftlichen Produktion und Ressourcennutzung. Die Frage, ob eine ausreichende absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch bzw. Umweltschädigung in der nötigen kurzen Frist stattfinden kann, ist zentral. Wachstumskritiker:innen sehen keine Hinweise dafür. Ihr Ziel ist, das vorherrschende Wachstumsparadigma mit seinen Dynamiken und Wachstumsabhängigkeiten abzulösen, sodass die ökologischen Grenzen eingehalten, soziale Errungenschaften gesichert und global ausgedehnt werden können, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

  • Plus S. 12-18

    Öffentliche GüterNeubestimmung in der politischen Philosophie

    Während öffentliche Güter in den Finanzwissenschaften als problematisch gelten, haben sie in der politischen Philosophie neuerdings Aufmerksamkeit erregt. Sie sind nicht-ausschließend und nicht-rivalisierend, was potenzielle Nutznießer:innen angeht. Aufgrund ihrer Eigenschaften, prinzipiell allen zur Verfügung zu stehen, haben sie einen positiven Effekt für die Demokratie. Sie fördern Inklusion und Gleichheit, unterstützen eine Öffentlichkeit, in der sich Bürger:innen als gleichberechtigt begegnen können, und fördern die Erfahrbarkeit von Diversität. Trotz ihrer großen Vielfalt kann so eine Perspektive entwickelt werden, wonach zentrale öffentliche Güter unverzichtbar für das gute Zusammenleben in einer politischen Gesellschaft sind.

  • Plus S. 19-25

    Post-Wachstum oder Post‑Extraktivismus?Gutes Leben in planetaren Grenzen

    Angesichts bereits eingetretener und bevorstehender ökologischer Katastrophen entfaltet sich eine vielfach ideologisch aufgeladene Debatte zwischen Anhänger:innen eines „grünen Wachstums“ und Verfechter:innen von Null- oder sogar Negativwachstum. Aus der Perspektive Lateinamerikas stellt sich diese Alternative so nicht. Die Autoren beschreiben die aktuellen „raubtierkapitalistischen“ Tendenzen der lateinamerikanischen Wirtschaftspolitik und die Kritik daran, zeigen aber, dass letztere oft wenig hilfreich ist. Sie plädieren für einen Weg, der sich als eine Kombination von nachhaltig orientiertem Post-Wachstum und Post-Extraktivismus bezeichnen lässt.

  • Plus S. 26-34

    Ökonomische Multiperspektivität im PostwachstumsdiskursSchwäche oder Zugewinn?

    Der Beitrag untersucht die Rolle ökonomischer Multiperspektivität im Postwachstumsdiskurs und versteht theoretische Vielfalt als Stärke wirtschaftswissenschaftlicher Analyse unter veränderten ökologischen Rahmenbedingungen. Er zeigt, dass ökonomische Theorien kontextbezogene Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen darstellen und daher auch unterschiedliche Deutungen ökologischer Krisen hervorbringen. Im Zentrum steht der Kontrast zwischen wachstumsorientierter Umweltökonomik und wachstumskritischer Ökologischer Ökonomik sowie die empirisch fehlende Evidenz für eine hinreichend absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung. Vor diesem Hintergrund werden zentrale Strömungen der Postwachstumsdebatte eingeordnet. Der Beitrag argumentiert für einen sozialverträglichen, ordnungspolitisch fundierten Regelwandel im Sinn einer ökologisch erweiterten Sozialen Marktwirtschaft. Ökonomische Multiperspektivität erweist sich dabei als Voraussetzung für tragfähige und demokratisch legitimierte Transformationspfade.

  • Plus S. 35-42

    Wider die ökologische RegressionWachstumskritische Überlegungen – im Gespräch mit Tim Jackson

    Vor dem Hintergrund der wachstumsfixierten wirtschaftspolitischen Debatte in Deutschland skizziert der Beitrag die ökologischen Grenzen des Wachstums und unterscheidet dann drei Stufen der Wachstumskritik. Auf der mittleren Stufe ist die wachstumskritische Position Tim Jacksons zu verorten, deren zentrale Punkte anschließend vorgestellt werden: das von ihm herausgestellte Wachstumsdilemma, seine Kritik des Konsumkapitalismus und sein Entwurf einer Postwachstumswirtschaft. Am Schluss werden einige weiterführende Fragen aufgeworfen, die mit Jacksons Vorschlag verbunden sind.

Arts & ethics

  • „fiore“
    Plus S. 28-29

    „fiore“

    Thomas Hoffmann, „fiore“, 2022

Interview

  • Plus S. 43-48

    „Die Politik ist im Hinblick auf Nachhaltigkeit am Ende“Interview zu Postwachstum als Überlebensfrage

    Wirtschaftswachstum zerstört immer mehr natürliche Ressourcen. Doch in der Bevölkerung finden nicht einmal Strategien der Entkopplung und des „grünen Wachstums“ mehrheitliche Zustimmung. Im Gespräch mit Amosinternational konstatiert der Postwachstumsdenker Niko Paech eine Zukunft, in der Selbstentfaltung und Konsum verschwinden und es um reine Selbsterhaltung gehen wird. Um darauf jetzt schon vorbereitet zu sein, braucht es glaubwürdige Vorbilder – und das nicht nur in der Theorie. Der Wissenschaftler lebt, was er lehrt und engagiert sich in der solidarischen Landwirtschaft sowie in einer Reparaturwerkstatt. Im Interview spricht er darüber, welche ökologischen, ökonomischen und psychologischen Wachstumsgrenzen es gibt, inwiefern Konkurrenz ein Ausdruck menschlicher Freiheit ist und warum er nicht mehr glaubt, die Kirche könne einen Mentalitätswandel vorantreiben.

Bericht