Plus
S. 5-12
Im Allgemeinen hält man nicht viel von Identitätspolitik; nicht wenige halten diese besondere Weise von Politik sogar für demokratiegefährdend. Dagegen wird eingewandt: Für diskriminierte Minderheiten ist Identitätspolitik eine, womöglich die einzige Möglichkeit, sich gegen homogenisierende Zuschreibung in der Gesellschaft zu wehren und ihre Diskriminierung zu politisieren. So gesehen ist Identitätspolitik ein Beitrag zur weiteren Demokratisierung der Demokratie. Dieses „Lob der Identitätspolitik“ – so wird in diesem Beitrag argumentiert – mag in einer vitalen Demokratie gelten, nicht aber dann, wenn – wie in Deutschland – die Demokratie auch wegen der inneren Dynamik fortlaufender Demokratisierung in der Krise steckt. Von Matthias Möhring-Hesse