Wochensprüche Juni

1. Sonntag nach Trinitatis (7. Juni 2026)

„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10,16a)

Jesus traut seinen Jüngern schon einiges zu.
Und er mutet ihnen auch einiges zu. In seiner Aussendungsrede an die zweiundsiebzig Jünger, wie sie uns in Lukas 10 überliefert ist, sagt er offen, dass sie es schwer haben werden auf ihrem Weg. Allen Ernstes sollen sie ohne Schuhe, ohne Tasche und ohne Geld losmarschieren und die Frohe Botschaft in die Welt tragen. Hie und da werden sie Menschen finden, die für das Evangelium des Friedens durch Christus offen sind und den befreienden Glauben annehmen. Sie werden aber auch in Häuser kommen, in denen man sie ablehnt und unverrichteter Dinge wieder wegschickt. Wie Lämmer werden sie sein mitten unter Wölfen – dieses drastische Bild verwendet Jesus bei seiner Sendung. Beängstigend.
Und dennoch sind die Jünger der Sendung Jesu gefolgt.
Woher nahmen diese ersten Missionare den Mut, ein solches Wagnis einzugehen? Sich Anfeindung, Ablehnung, ja vielleicht sogar Verfolgung auszusetzen, verlangte nicht nur Mut, sondern auch Opferbereitschaft und Leidensfähigkeit.
Der Satz „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich“ gibt dieser Leidenssituation eine neue Perspektive.
Hinter jedem, der offen und mutig für die Wahrheit des Glaubens eintritt, steht Christus selbst und stärkt ihm den Rücken. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit dem Wissen: Wir stehen nicht allein, wenn wir andere zu überzeugen versuchen, sondern Christus ist an unserer Seite. Und wer uns ablehnt, der lehnt auch ihn ab. Wer uns aber vertraut, der vertraut auch ihm.
Uns Christen heute mutet Christus auch einiges zu. Wir leben in einer Gesellschaft, in der nicht nur eine kirchenferne, sondern mittlerweile regelrecht kirchenfeindliche Gesinnung begegnet. Da erfordert es schon einigen Mut, offen für seine christliche Überzeugung einzutreten. Wer nach Gottes Willen zu leben versucht, seinen Mitmenschen mit Toleranz und Herzenswärme begegnen will und um Ehrfurcht kämpft vor allem, was lebt, riskiert nicht nur belächelt, sondern sogar abgelehnt und angefeindet zu werden.
Wie gut, zu wissen, dass wir dabei nicht allein sind. Wir haben einander. Und wir haben Christus an unserer Seite, der uns mit seiner Kraft den Rücken stärkt.

2. Sonntag nach Trinitatis (14.6.2026)

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Mühselig und beladen? Davon kann jede und jeder von uns ein Lied singen.
Unser Alltag mit seinen Verpflichtungen und Aufgaben kommt uns oft mühselig vor. Ob das am Arbeitsplatz ist, im Haushalt oder in der Schule, viele unserer Tätigkeiten wiederholen sich immer und immer wieder.
Augenzwinkernd sagt man uns, wir sollten uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. Aber das war er ganz sicher nicht, dieser bedauernswerte Mann aus der griechischen Mythologie, der für immer und ewig einen Felsblock einen Berg hinaufwälzen musste, der kurz vor dem Gipfel wieder ins Tal rollte – eine sinnlose, nie endende Tätigkeit.
Glücklich war er nicht, und wir sind es auch nicht, wenn die Anforderungen unseres Alltags immer und immer wiederkehren, als seien sie ein Felsblock, der ständig wieder vom Berg hinunterrollt. Das ist mühselig.
„Beladen“ geht darüber sogar noch hinaus: Es ist nicht nur unser Körper, dessen Energie wiederholt gefordert wird. Es ist auch unsere Seele, die oft Schweres mit sich herumschleppt: Schuld, die wir auf uns geladen haben, verpasste Gelegenheiten, schlechtes Gewissen, Trauer um Vergangenes, Sorge vor Zukünftigem. Beladen an Leib und Seele – genau so stehen wir im Leben und letztlich auch vor Gott.
Christus bietet uns an, uns zu erquicken; zu entlasten von den harten Brocken auf unserer Seele und uns zu befreien von der Mühsal des Lebens. Wie soll das möglich sein?
Mit den meisten Tätigkeiten, mit den meisten Anforderungen, die wir an uns selbst stellen, versuchen wir uns selbst und anderen zu beweisen, dass wir leistungsfähig, belastbar und perfekt sind. Mit dem Bild, das wir nach außen zeigen, wollen wir unseren Selbstwert bestätigen: Ich kann etwas. Ich bin etwas. Ich bin etwas wert.
Christi Geist will uns davon befreien. Seine Botschaft an uns ist: Du, Menschenkind, bist so geliebt, wie du bist. Leistung und Perfektion ist nicht das, was Gott sich von uns wünscht. Sondern Dankbarkeit für das, was wir haben, und Demut in dem, wie wir handeln.
Die meisten Versäumnisse oder Fehler, die auf unserer Seele lasten, halten wir selbst für unverzeihlich. Eben weil wir nicht in der Lage sind, sie rückgängig zu machen.
Christi Geist will uns davon entlasten. Seine Botschaft an uns ist: Du, Menschenkind, bist versöhnt mit Gott. Wenn du echte Reue zeigst, schenkt er dir einen neuen Anfang. Selbst wenn andere dir noch gram sind, Gott hat dir vergeben.
Das zu wissen, entlastet und befreit.

3. Sonntag nach Trinitatis (21.6.2026)

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Suchen und Finden gehören zu unserem Leben wie Ein- und Ausatmen. Ein Leben lang sind wir auf der Suche nach dem, wovon wir träumen:
Liebesglück, Familie, Freunde, Erfüllung im Beruf, Anerkennung, ein Zuhause, Sicherheit, Wohlstand. Wir sind bereit, dafür viel auf uns zu nehmen. Und nicht selten verlieren wir uns dabei selbst.
Der Dalai Lama beschreibt treffend, warum wir uns im Leben so anstrengen und dennoch das Glück des Lebens so oft verfehlen: „Der Mensch opfert seine Gesundheit, um Geld zu verdienen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit zurückzugewinnen.
Er ist so auf die Zukunft fixiert, dass er die Gegenwart nicht genießen kann. So lebt er weder die Zukunft noch die Gegenwart. Er lebt so, als würde er niemals sterben, und stirbt so, als hätte er nie gelebt.“
Aber wenn Suchen und Finden zu unserem Leben dazugehören, werden wir uns dann ein Leben lang verlieren auf der Suche nach dem ganz großen Glück?

Selbst Gott ist auf der Suche. Und zwar nach uns.
Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum er uns in Jesus nahegekommen ist. Er kommt, um uns dort zu suchen, wohin wir uns verrannt und verirrt haben. Er kommt, um uns ein neues Ziel zu setzen und uns dahin zu führen: die Seligkeit.
Was aber soll das sein? Seligkeit?
Wenn die Bibel von Seligkeit spricht, meint sie damit einen Zustand vollendeten Glücks, vollendeten Heil-Seins. Nichts mehr zu suchen, sondern gefunden zu haben. Zufrieden und dankbar zu sein mit dem, wer wir sind und was Gott uns geschenkt hat.
Zunächst wird uns gesagt, dass wir erst dann wirklich selig, das heißt vollendet und wunschlos glücklich sind, wenn wir im Himmelreich sind – also nach unserem Leben in der Nähe und Geborgenheit Gottes.
Jesus ist aber darüber hinausgegangen. Er zeigt uns auf, wie wir bereits im Hier und Jetzt diese Vollendung erleben können. Indem wir aufhören, immer nur an uns selbst zu denken.
Selig sind – so heißt es in der Bergpredigt – diejenigen, die ihr Augenmerk auf die anderen richten: Wer barmherzig ist und sanftmütig, wer um den Frieden kämpft und um anderer Menschen willen Verzicht übt, der findet Frieden und Erfüllung.
So und nur so finden wir Lebensglück – im Hier und Jetzt und auch später in der Vollendung bei Gott: „Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück; denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eig’ne Herz zurück.“ (Marie Calm)

4. Sonntag nach Trinitatis (28.6.2026)

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

Es steht außer Frage, dass das Leben in unserer kapitalistischen Gesellschaft deutlich spürbare Schattenseiten hat. Hektik, Stress, Konsumdruck und Überreizung sind unsere täglichen Begleiter.
Gegen diese Schattenseiten unseres Lebens hat die moderne Zeit etwas wiederentdeckt, das uns von diesen Fesseln befreien soll: die Achtsamkeit.
Achtsamkeit ist ein Schlagwort und Sammelbecken für alles geworden, was uns im weitesten Sinne guttun soll: das Augenmerk auf die eigenen Bedürfnisse richten, sich selbst akzeptieren, sich selbst lieben und für sich selbst sorgen. Dabei soll dann ein entspanntes Leben in Gelassenheit und Entschleunigung entstehen.
Die moderne Achtsamkeitseuphorie mag vielleicht dem einen oder der anderen mehr Zufriedenheit und innere Ruhe schenken. Sie birgt aber auch eine ganz große Gefahr. Wenn alle nur noch auf sich selbst fixiert sind, auf eigene Befindlichkeiten und Bedürfnisse, verlieren wir einander aus den Augen. Wenn Wellness zum Selbstzweck wird, vereinzelt der Mensch. Und gerade daran krankt doch unsere Gesellschaft je länger je mehr.
Der Apostel Paulus legt sein Augenmerk genau auf das Gegenteil: Wendet euch einander zu. Tragt gegenseitig eure Lebenslasten, denn damit erfüllt ihr das Gesetz Christi.
Dieses Gesetz Christi wird uns im Neuen Testament in vielerlei Weise nahegebracht:
Da ist der Samariter, der – als Beispiel für tätige, grenzüberschreitende Nächstenliebe – dem verletzten Verbrechensopfer Hilfe leistet. (Lk 10,25–37)
Da sind diejenigen, die im Endgericht vor Gottes Angesicht deshalb bestehen können, weil sie anderen Menschen gegenüber barmherzig waren, Hungrige gespeist und Durstigen zu trinken gegeben haben, die Obdachlose aufnahmen, Nackte kleideten und sich um Kranke kümmerten. (Mt 25,31–46)
Das Gesetz Christi erfüllen zu wollen, ist zugegebenermaßen nicht immer leicht. Nächstenliebe fordert von uns Einsatz, manchmal sogar Opfer.
Demgegenüber scheint eine achtsame Nabelschau doch wesentlich angenehmer. Sie ist aber nicht das, was Christus uns aufgetragen hat.
Wenn wir Christi Gesetz der Liebe erfüllen wollen, geht das nur mit Blick auf den anderen und seine Lebenslast. Christus nachfolgen heißt also:
Lieben und Opfer bringen so wie er.

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