Titelseite Diakonia 4/2026

Heft 4/2026: Vulnerabilität

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z060058
Erscheinungstermin PDF: 2026
Bestellnummer PDF: D106375
Vulnerabilität ist eine grundlegende Bedingung menschlichen Lebens. Sie verweist auf die Möglichkeit, verletzt zu werden, und macht zugleich die Abhängigkeit des Menschen von Beziehungen und sozialen wie ökologischen Lebensbedingungen sichtbar. Dabei ist Verletzlichkeit ambivalent: Sie kann Leid, Ohnmacht und Verlust bedeuten, bildet aber ebenso eine Voraussetzung für Empathie, Solidarität und gelingende Beziehungen. Die Beiträge dieses Heftes beleuchten Vulnerabilität aus unterschiedlichen theologischen, anthropologischen, politischen und ökologischen Perspektiven und fragen nach den Konsequenzen für kirchliches und gesellschaftliches Handeln.
Magdalena Hürten erweitert den Diskurs in Anlehnung an Hildegund Keul um den Begriff der Vulneranz, der die Fähigkeit bezeichnet, andere zu verletzen. Am Beispiel sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zeigt sie, wie Machtasymmetrien, institutionelle Selbstschutzmechanismen und diskriminierende Strukturen Verletzungen ermöglichen oder deren Aufarbeitung behindern. Thomas Müller untersucht die Familie als ambivalenten Lebensraum, in dem Fürsorge und Geborgenheit ebenso möglich sind wie Gewalt, Vertrauensbruch und generationenübergreifende Verletzungsmuster. Stefan Silber erschließt Vulnerabilität postkolonial- theologisch und macht auf die fortwirkenden Folgen kultureller Abwertung, globaler Ungleichheit und kirchlicher Machtasymmetrien aufmerksam. Michaela Quast-Neulinger zeigt, wie die Verdrängung eigener Verletzlichkeit Ängste, Feindbilder und autoritäre Machtansprüche begünstigen kann. Wolfgang Reuter fragt nach den Grenzen individueller Resilienzkonzepte und betont die Bedeutung tragfähiger Beziehungen sowie sozialer und institutioneller Rahmenbedingungen. Judith Gärtner erschließt anhand der Klagepsalmen, wie sich widersprüchliche Erfahrungen von Leid, Schuld, Ohnmacht und Hoffnung sprachlich artikulieren und in die eigene Lebensgeschichte integrieren lassen. In einer weiteren bibeltheologischen Perspektive richtet Benedict Schöning den Blick auf die Verletzlichkeit Gottes im Alten Testament. Michael Rosenberger weitet schließlich die Perspektive auf die gesamte Schöpfung aus. Die verschiedenen Beiträge in diesem Heft zeigen auf, dass eine Theologie der Vulnerabilität weder Leid romantisieren noch die Bewältigung von Verletzungen allein den Betroffenen überlassen darf. Sie muss individuelle Erfahrungen ernst nehmen, verletzende Strukturen kritisieren und die Verantwortung für andere Menschen und die Mitwelt stärken.