Papst Franziskus bezeichnete sich einst als Papst "vom anderen Ende der Welt". In den kommenden Tagen wird sein Nachfolger, Papst Leo XIV., eben dorthin reisen und vom 6. bis 17. November Uruguay, Argentinien und seine "zweite Heimat" Peru besuchen. Was erwartet den Papst dort? Und welche Themen dürften bei den Begegnungen zur Sprache kommen?

Nachdem die Unsicherheit über seinen Gesundheitszustand ausgeräumt ist, bricht Papst Leo XIV. zu seiner bislang längsten Apostolischen Reise auf. In elf Tagen wird er zehn Städte in drei Ländern besuchen. Der Papst selbst hat diese Reise auf X als Heimkehr bezeichnet: "Ich freue mich, auf den Kontinent zurückkehren zu können, auf dem ich so viel Zeit meines Lebens verbracht habe." Mit dem Besuch in Uruguay und Argentinien wird zudem etwas "nachgeholt": Es sind zwei Länder, die Franziskus nicht besucht hat, obwohl er im Fall Argentiniens mehrfach von seinem Wunsch gesprochen hatte, dorthin zu reisen. Tatsächlich war der letzte Papstbesuch in Südamerika die schwierige Reise von Franziskus nach Chile und Peru Anfang 2018, die von der Missbrauchskrise in der chilenischen katholischen Kirche überschattet war.

Die Dimensionen des amerikanischen Kontinents werden leicht unterschätzt: Argentinien, Uruguay und Peru umfassen zusammen eine Fläche, die der gesamten Europäischen Union entspricht. Auch die kulturellen Unterschiede zwischen den drei Ländern sind – trotz der gemeinsamen Sprache – beträchtlich, bedingt durch ihre ältere und jüngere Geschichte und ihre jeweilige Lage. Diese Unterschiede werden die Begegnungen und Themen Leos an jedem Ort prägen, wie das Reiseprogramm bereits erkennen lässt.

Der uruguayische Laizismus

Mit 3,4 Millionen Einwohnern ist Uruguay das kleinste der drei besuchten Länder, geprägt von der Viehzucht (fast dreieinhalb Rinder pro Einwohner!) sowie von politischer und wirtschaftlicher Stabilität. Im lateinamerikanischen Kontext zeichnet sich Uruguay durch einen besonders ausgeprägten Laizismus aus. Wie in anderen Ländern der Region erfolgte die Trennung von Kirche und Staat in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, doch in Uruguay reichen die Konsequenzen bis in die Alltagssprache hinein: Der 25. Dezember wurde offiziell in "Familientag" umbenannt und die Karwoche in "Woche des Tourismus". Heute machen die Katholiken in Uruguay rund 33 % der Bevölkerung aus – der niedrigste Anteil in Südamerika insgesamt.

Interessant wird sein, wie das säkularisierte Uruguay auf den Besuch Papst Leos reagiert. Die gute Aufnahme in Frankreich vor gut einem Monat könnte sich in Uruguay wiederholen. 

Welche Themen werden Leos Besuch in Uruguay prägen?

Der amtierende Präsident Yamandú Orsi von der Mitte-links-Koalition Frente Amplio traf Papst Leo im Oktober 2025 im Vatikan. Orsi berichtete der Presse, dass eines der Gesprächsthemen bei dieser Begegnung das Gesetz über die Sterbehilfe war, das gerade im Land verabschiedet worden war; inzwischen ist es bereits angewendet worden. Dieses Thema könnte in den päpstlichen Ansprachen erneut zur Sprache kommen.

Interessant wird auch sein, wie das säkularisierte Uruguay auf den Besuch Papst Leos reagiert. Die gute Aufnahme in Frankreich vor gut einem Monat könnte sich in Uruguay wiederholen. Im Mittelpunkt stehen drei Großveranstaltungen: die Messe in Paysandú, die Gebetsvigil im Estadio Centenario und die Messe in Florida. Der Gedanke einer "rechten Laizität", den Leo am 25. September in Paris vorgetragen hat, könnte bei seiner Begegnung mit den Vertretern von Staat, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Korps am 6. November in Montevideo wiederkehren.

Im Programm in Uruguay werden Magnifica humanitas und das Thema der künstlichen Intelligenz sicher bei der Begegnung mit der Welt der Bildung an der Katholischen Universität von Uruguay (7. November) eine Rolle spielen. Leos dortige Ansprache könnte die Themen der Enzyklika aktualisieren oder weiterentwickeln.

Soziale Akzente im Land von Franziskus … und von Javier Milei

Der maßvolle Stil Papst Leos und seine sozialen Anliegen stehen in scharfem Kontrast zum schrillen Auftreten und zur libertären Wirtschaftspolitik des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Die Krise der argentinischen Wirtschaft dauert seit Jahren an, und die radikalen Maßnahmen Mileis haben zwiespältige Wirkungen gezeigt: Er hat die Inflation deutlich gesenkt (von 219,9 % im Jahr 2023 auf prognostizierte 32,5 % in diesem Jahr), doch zugleich sind die Armut (32,3 %) und die informelle Beschäftigung (45 %) gestiegen, während das Wachstum praktisch bei null liegt. Der Rückgang der Löhne hat zudem die Kaufkraft geschwächt.

Die argentinische Politik ist von einer starken Polarisierung durchzogen – man nennt sie la grieta, "der Riss": früher zwischen Anhängern und Gegnern des Peronismus bzw. des Kirchnerismus, heute zwischen Anhängern und Gegnern Mileis. Manche führen es auf diese Polarisierung zurück, dass Papst Franziskus von einem Besuch in seiner Heimat Abstand nahm: Er habe befürchtet, mehr zu spalten, als zu versöhnen.

Zweifellos wird Leo sowohl in Buenos Aires als auch in Córdoba mehrfach an Papst Franziskus erinnern. Verschiedene Medien haben den sozialen Akzent der Agenda Leos in Argentinien hervorgehoben.

Dasselbe deutete vor wenigen Tagen auch Präsident Javier Milei an, der von heftigen Beleidigungen gegen Papst Franziskus während seiner Präsidentschaftskandidatur zu lobenden Worten vor seiner Begegnung mit ihm im Februar 2024 übergegangen war. In diesem Kontext ist es wahrscheinlich, dass die Gesten Papst Leos in Argentinien als Zeichen an die eine oder andere Seite gelesen werden. So wie seine Ansprachen während seiner Afrikareise als Reaktionen auf Donald Trump interpretiert wurden, werden seine Gesten in Argentinien als Stellungnahmen gegenüber Javier Milei gelesen werden. Schon in seiner Botschaft zur Fastenzeit 2026 rief Leo dazu auf, "unsere Sprache zu entwaffnen", auch in den politischen Debatten.

Welche weiteren Fragen werden Leos Besuch in Argentinien prägen?

Zweifellos wird Leo sowohl in Buenos Aires als auch in Córdoba mehrfach an Papst Franziskus erinnern. Verschiedene Medien haben den sozialen Akzent der Agenda Leos in Argentinien hervorgehoben, mit zwei Gesten ganz im Stil seines Vorgängers: dem Besuch eines Pequeño Cottolengo, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, und dem Besuch eines Gefängnisses. Diese Anlässe werden, wie auch eine Begegnung mit der Welt der Arbeit an der Katholischen Universität Argentiniens, Gelegenheiten sein, an die Soziallehre der Kirche im Sinne von Dilexi te anzuknüpfen – vielleicht mit einer Würdigung der argentinischen "Theologie des Volkes" und der curas villeros, der Priester in den Armenvierteln.

Die Begegnung mit anderen christlichen Gemeinschaften und religiösen Traditionen am Montag, dem 9. November, könnte dem Papst Gelegenheit geben, die Themen des 40. Jahrestags des Friedenstreffens von Assisi aufzugreifen, an dem er nicht teilnehmen konnte, weil er sich noch von seiner Operation erholte. Der Weltfrieden ist seit seinem ersten Gruß von der Loggia des Petersdoms eines der zentralen Anliegen Papst Leos.

Der peruanische Papst

Gerade im selben Gruß wandte sich Leo auf Spanisch an seine "geliebte Diözese Chiclayo". Seine Nähe zu Peru zeigt sich auch in der Zahl der Tage, die er dem Besuch dort widmet: Es sind so viele wie in Uruguay und Argentinien zusammen.

Leo kennt die politische Lage Perus sehr genau. Seit 2016 hat es zehn Präsidenten gegeben. Pedro Pablo Kuczynski, 2016 gewählt, trat 2018 zurück, bevor er abgesetzt werden konnte. Sein Vizepräsident Martín Vizcarra trat anschließend das Amt an, wurde aber 2020 abgesetzt. In dieser Situation übernahmen nacheinander zwei Kongresspräsidenten die Präsidentschaft (der erste blieb nur fünf Tage im Amt), um die Amtszeit zu vollenden. Die nächste Präsidentschaftswahl im Jahr 2021 gewann Pedro Castillo, der jedoch 2022 wieder abgesetzt wurde.

Ihm folgte seine Vizepräsidentin Dina Boluarte, die 2025 ebenfalls abgesetzt wurde. Nach zwei weiteren Übergangspräsidenten trat am 28. Juli dieses Jahres die rechtsgerichtete Keiko Fujimori nach einer stark polarisierten Wahl ihr Amt an. Mehrere ehemalige Präsidenten sitzen wegen Korruption oder anderer Delikte im Gefängnis. Die Instabilität des Amtes erklärt sich nicht nur durch Korruption, sondern auch durch die Vollmacht des politisch zersplitterten Kongresses, den Präsidenten wegen "dauerhafter moralischer Unfähigkeit" abzusetzen. Trotz dieser Instabilität hat Peru ein beachtliches Wirtschaftswachstum erlebt, vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts, und den Anteil der Bevölkerung in Armut erheblich verringert.

2017 kritisierte der damalige Bischof von Chiclayo, Robert Prevost, die allgemein gehaltenen Entschuldigungen Alberto Fujimoris für die Gewalttaten und forderte eine klare Anerkennung der Opfer. Gleichwohl hat Präsidentin Fujimori wenige Tage vor dem Besuch Leos lediglich ihre Freude über den Papstbesuch bekundet.

Die neue Präsidentin Keiko Fujimori ist durch ihren familiären Hintergrund mit einer problematischen Phase der peruanischen Geschichte verbunden: Ihr Vater Alberto Fujimori wurde 1990 zum Präsidenten Perus gewählt. Nach einem "Selbstputsch" mit Unterstützung des Militärs wurde er 1995 wiedergewählt. Im Jahr 2000 kandidierte er ein drittes Mal – obwohl die Verfassung dies grundsätzlich ausschloss – und wurde gewählt; doch noch im selben Jahr wurden Korruptionsfälle gegen ihn bekannt. Fujimori nutzte eine Asienreise, um von Japan aus sein Amt niederzulegen.

Bei einer Reise nach Chile wurde er 2005 festgenommen und 2007 an Peru ausgeliefert, wo er wegen seiner Verantwortung für Verbrechen staatlicher Akteure im Rahmen der Terrorismusbekämpfung verurteilt wurde: Insbesondere ging es um die Ermordung unschuldiger Zivilisten, die als Terroristen verdächtigt wurden, in Barrios Altos und La Cantuta, um die Entführung politischer Gegner im Zusammenhang mit dem Selbstputsch und um Korruption. Für die Zwangssterilisationen armer und indigener Frauen im Rahmen des Familienplanungsprogramms seiner Regierung wurde er nicht mehr juristisch zur Rechenschaft gezogen. Die politischen Wechselfälle Perus führten zu einer Begnadigung aus humanitären Gründen, die als politische Gefälligkeit galt. Sie wurde aufgehoben und später wiederhergestellt: Der Ex-Präsident kam frei, musste ins Gefängnis zurück und wurde 2023 erneut entlassen. Er starb im September 2024, als seine Tochter Keiko bereits im Zentrum der Politik des Landes stand.

Im Jahr 2017 kritisierte der damalige Bischof von Chiclayo, Robert Prevost, die allgemein gehaltenen Entschuldigungen Alberto Fujimoris für die Gewalttaten und forderte eine klare Anerkennung der Opfer. Gleichwohl hat Präsidentin Fujimori wenige Tage vor dem Besuch Leos lediglich ihre Freude über den Papstbesuch bekundet.

Welche Themen werden den Papstaufenthalt in Peru prägen?

Eine besondere Bedeutung – schon wegen ihres biografischen Gewichts – wird natürlich der Rückkehr Leos nach Chiclayo zukommen. Auch wenn kein Ort auf dem Programm steht, der unmittelbar mit der Zeit der Gewalt zwischen terroristischen Gruppen (Sendero Luminoso und Movimiento Revolucionario Túpac Amaru) und staatlichen Akteuren in Peru zwischen 1980 und 2000 verbunden ist, wird Leo wahrscheinlich bei der Begegnung mit den staatlichen Vertretern oder in seiner Ansprache über "die Herausforderungen und Hoffnungen für die Zukunft des peruanischen Volkes" in Lima darauf eingehen. Eine Wahrheits- und Versöhnungskommission arbeitete in Peru von 2001 bis 2003 die Verbrechen dieser Zeit auf; ein Bischof und zwei Priester gehörten ihr an. Leo begegnet hier erneut dem Thema des Friedens – nicht im internationalen Kontext, sondern innerhalb eines Staates.

Wird es eine Geste in Richtung Befreiungstheologie geben? Diesbezüglich gibt es bislang keine klaren Hinweise. Sie könnte in Lima erfolgen, der Stadt von Gustavo Gutiérrez, oder beim Besuch der kleinen Kapelle San Óscar Romero in Chiclayo.

Der Vatikan hat zudem angekündigt, dass Papst Leo mit Opfern von Missbrauch im kirchlichen Kontext zusammentreffen wird. Zwar wurde nicht ausdrücklich angekündigt, dass dies in Peru geschehen wird; das ist aber wahrscheinlich, da Prevost sowohl als Bischof in Peru als auch als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe aktiv an dem Prozess beteiligt war, der zur Auflösung des Sodalicio de Vida Cristiana, einer apostolischen Laien- und Priestergemeinschaft, führte, in der eine langjährige Praxis systemischen geistlichen und sexuellen Missbrauchs aufgedeckt wurde. Die Journalisten, die die Missbräuche dieser in Peru gegründeten Bewegung offenlegten, betonen, dass Prevost sie und die Opfer entschieden unterstützt hat.

Wird es eine Geste in Richtung Befreiungstheologie geben? Diesbezüglich gibt es bislang keine klaren Hinweise. Sie könnte in Lima erfolgen, der Stadt von Gustavo Gutiérrez, oder beim Besuch der kleinen Kapelle San Óscar Romero in Chiclayo. Ein Besuch des 1974 von Gustavo Gutiérrez gegründeten Instituto Bartolomé de las Casas ist nicht vorgesehen. Sehr wahrscheinlich wäre jedoch eine weniger ausdrückliche Bezugnahme, etwa in der Art einer Aussage, von der der Erzbischof von Lima, Kardinal Carlos Castillo, berichtet hat: Papst Leo habe ihm gesagt, "der Gott der Armen lebt in Peru".

Der Papst wird außerdem in Pucallpa die Amazonasregion besuchen. Knapp 21 % der peruanischen Bevölkerung verstehen sich als Angehörige eines indigenen Volkes. Auch wenn der größte Teil zu den andinen indigenen Völkern gehört, rechnen sich über 500.000 Peruanerinnen und Peruaner amazonischen indigenen Völkern zu. Zum ersten Mal seit der Amazonas-Synode – die übrigens in Rom stattfand – besucht damit ein Papst die Region.

Interessant wird sein, wie Leo die Themen dieser Synode aufgreift: indigene Völker, Ökologie und kirchliche Dienste in Situationen äußerster Not. Die Messe in Pucallpa wird zeigen, welche Möglichkeiten liturgischer Inkulturation es im Stil Leos gibt, der sich gewiss von dem des Franziskus unterscheidet.

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