Go, Montse!Frauen an die Macht – aber bitte die richtigen?

Mit Maria Montse Alvarado ernennt Papst Leo XIV. erstmals eine Laiin als Präfektin. Ein Schritt, der nicht allen gefällt.

Alina Oehler
© Carsten Schütz

Eine Personalie, die aktuell für Aufsehen sorgt: Papst Leo XIV. hat mit Maria Montserrat Alvarado zum ersten Mal eine Frau, die keine Ordensfrau ist, zur Präfektin eines Dikasteriums ernannt. Also quasi zu einer Ministerin im Regierungsapparat erklärt. Damit folgt er dem Weg von Papst Franziskus, der dezidiert mehr Frauen in vatikanische Führungspositionen bringen wollte.

Die US-Bürgerin mit mexikanischen Wurzeln arbeitete zuvor als Nachrichtenchefin beim katholischen Fernsehsender "EWTN" und wird ab November Chefin des wichtigen Kommunikations-Dikasteriums sein.

Es ist ein beachtlicher Schritt, an die Spitze dieses Apparats eine noch dazu so junge Frau zu setzen, die keine italienische Muttersprachlerin ist, sondern Englisch und Spanisch spricht.

Wer jetzt denkt, dass der Vatikan damit eine weibliche Pressesprecherin bekommen hat, irrt jedoch. Diese Funktion wird weiter vom Direktor des Presseamtes ausgeübt. Das ist aktuell ebenfalls ein Laie, Dr. Matteo Bruni. Montse Alvarado wird seine Chefin sein, genauso wie von den Redaktionen der bekannten Medien "Vatican News" und "L'Osservatore Romano", deren Leiter ebenfalls Männer sind.

Schaut man sich die Struktur des Dikasteriums genauer an, finden sich zurzeit acht Kardinäle, acht "Monsignori" und gerade mal drei Frauen. Auch unter den 19 Beratern sind nur zwei weiblich. Es ist ein beachtlicher Schritt, an die Spitze dieses Apparats eine noch dazu so junge Frau - sie ist 39 - zu setzen, die keine italienische Muttersprachlerin ist, sondern Englisch und Spanisch spricht.

Kein Wunder, dass Papst Leo die Entscheidung gut sechs Monate vor ihrem Amtsantritt verkündet - an diesen Gedanken wird sich so mancher erst einmal gewöhnen müssen.

Das ultrakonservative Feindbild

Die sensationelle Entscheidung – eine Laiin als Präfekt – sollte eigentlich gerade im linken Lager der Kirche für Freude sorgen. Wäre da nicht Alvarados Vergangenheit.

Gibt man bei Google "Montse Alvarado" in die Suchzeile ein, wird einem als erstes "Opus Dei" vorgeschlagen. Für viele ist die 1928 von Josemaría Escrivá gegründete Organisation ein ultrakonservatives Feindbild. Tatsächlich findet sich, dass Montse Alvarado 2019 im Vorstand des "Catholic Information Center" in Washington war, eine Organisation, die dem "Opus Dei" nahesteht. Eine ihrer Ansprachen ist noch bei YouTube abrufbar. Doch das ist über 6 Jahre her.

Inwieweit sie heute noch in Verbindung mit der Organisation steht, ist ungewiss. Alvarados Nähe zu konservativen Netzwerken in den USA könnte jedenfalls auch ein Vorteil sein, um das Pontifikat von Papst Leo in der derzeit angespannten Lage dort besser vermitteln zu können.

Rechtfertigt der Ausflug in Alvarados Vergangenheit den Schatten, der sich für manche über diese sensationelle Benennung legt?

Was ebenfalls für Kontroversen sorgt, ist ihr bisheriger Job als Nachrichtenchefin bei "EWTN". Das weltweite katholische Mediennetzwerk wurde 1981 von der Klarissenschwester "Mother Angelica" gegründet und erreicht heute laut eigenen Angaben 200 Millionen Haushalte weltweit.

In der Vergangenheit war der Sender auch damit aufgefallen, dass scharfe Kritiker von Papst Franziskus zu Wort kamen. Dieser nahm das persönlich und sprach von "einem großen Fernsehsender", dessen Berichterstattung "Werk des Teufels" sei. Vatikan-Experte und Franziskus-Vertrauter Austen Ivereigh sprach im Interview mit katholisch.de davon, dass Montse Alvarado bei EWTN gerade gegen diese Linie vorgehen wollte.

Wie dem auch sei. Rechtfertigt der Ausflug in Alvarados Vergangenheit den Schatten, der sich für manche über diese sensationelle Benennung legt?

Ein starkes Zeichen

Ich meine: nein. Zum einen darf man der über einen längeren Zeitraum gereiften Wahl eines gewieften Papstes, wie Leo es ist, einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen.

Er hat mit dieser Personalie Mut bewiesen und Zeichen gesetzt: Es ist eine historische Entscheidung, erstmals eine Nicht-Ordensfrau zur Präfektin zu ernennen. Dass zudem eine Nicht-Europäerin, die für eine Führungsposition in Italien noch dazu sehr jung ist, nun die Kommunikation des Vatikans steuert, ist etwas ganz Neues. Außerdem ist es ein Zeichen für die breite Öffentlichkeit, Frauen in einer männerdominierten Kirche auf diejenigen Posten zu berufen, die Laien bereits zugänglich sind. Bleibt zu hoffen, dass Montse Alvarado in dem Amt auch sichtbar ist, denn eine Frau als erste Pressesprecherin - das fehlt dem Vatikan immer noch.

Bei einer professionellen Journalistin darf man zudem davon ausgehen, dass Alvarado ihre eigenen, wohl konservativen Einstellungen hintenanstellen kann, wenn sie die Kommunikation des Pontifikats von Papst Leo verantwortet. Schaut man sich Videos ihrer bisherigen Arbeit an, erlebt man eine junge, gläubige Katholikin mit Ausstrahlung, die eloquent von der Schönheit des Glaubens spricht. Braucht es heute nicht genau das? In einem Interview sagte die designierte Kommunikations-Chefin: "Fear comes from one place and it is not Christ." - "Angst kommt von einem Ort und dieser ist nicht Christus". Ein gutes Motto, auch für die Arbeit in der Kurie.

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