Rücktritt von Bischof Heinrich TimmereversEs ist Zeit für neue Wege

Mit dem vorzeitigen Rücktritt von Dresdens Bischof Heinrich Timmerevers verbindet sich die Chance, die Bistümer in Deutschland neu zu ordnen.

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe, ständiger Mitarbeiter der Herder Korrespondenz© Ralf Zöllner

Der katholische Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, hat sein Amt niedergelegt. Aus Altersgründen, wie er in einem Video mitteilte. Und wohl auch aus Überforderung. Denn das Bistum Dresden-Meißen ist ein Bistum voller Probleme. Die Missbrauchsaufarbeitung funktioniert nicht: Die sächsische Diözese stieg aus einer gemeinsamen Aufarbeitungskommission mit den Bistümern Berlin und Görlitz aus, wollte alleine und ohne Betroffene aufarbeiten. Wichtige Leitungsstellen im Bistum sind nicht besetzt. Das symbolisch bedeutsame Bildungsgut Schmochtiz musste verkauft werden. Und das nur 125.000 Gemeindeglieder zählende Bistum befindet sich seit Jahren in harten Sparprozessen.

Wie es jetzt weitergeht, hat das Bistum bereits mitgeteilt. Für das Bistum Dresden-Meißen gilt bei der Suche nach einem neuen Bischof nun das sogenannte Badische Konkordat: In Rom werden dazu die jährlich eingereichten Personalvorschläge des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet. Unter Würdigung dieser Listen erstellt der Heilige Stuhl einen Dreiervorschlag, der zumindest einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten muss. Aus dieser „Terna“ wählt das Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof von Dresden-Meißen, der dann durch den Papst ins Amt berufen wird. Zumindest ist das der Weg, wenn alles so weitergeht wie bisher. Aber muss das eigentlich wirklich so sein? Es ist ein offenes Geheimnis, dass Teile der katholischen Kirche in Ostdeutschland kaum noch lebensfähig und auf Finanzhilfe aus dem Westen angewiesen sind. Gleichzeitig gibt es immer weniger geeignete Kandidaten, für ein Bischofsamt ebenso wenig wie für Führungspositionen in den Ordinariaten. Und noch in diesem Jahr steht wohl auch der Ruhestand des Magdeburger Bischofs Gerhard Feige an (vgl. HK, September 2026, 21-24). Betrachtet man den Rückzug von Timmerevers einmal aus diesem Blickwinkel, bietet der Vorgang dem Domkapitel von Dresden-Meißen, der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan jetzt auch eine Chance.

Denn statt einer Bischofswahl nach Schema F könnten sich Domkapitel und Diözesanadministrator dafür einsetzen, dass Papst Leo XIV. zunächst einmal einen anderen Bischof mit der Mitverwaltung von Dresden-Meißen beauftragt. Zum Beispiel den Berliner Erzbischof Heiner Koch, der als ehemaliger Bischof von Dresden-Meißen diese Diözese schon gut kennt. Oder den künftigen Bischof von Magdeburg. Und in der Zwischenzeit könnte Rom eine Neuordnung der Bistümer in Deutschland vorbereiten, mit dem Ziel, ihrer Größe, ihrem Vermögen, vor allem aber auch ihrer geistlichen Kraft nach dauerhaft lebensfähige Einheiten zu schaffen. Angesichts immer weiter zurückgehender Mitgliederzahlen und immer größerer Finanzprobleme sollte die Kirche ernsthaft über solche Wege nachdenken. Denn sie könnten aus dem Tal der Tränen in eine gute Zukunft führen.

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