Das Jahr 2026 ist ein Franziskus-Jahr: In der Portiuncula-Kapelle nahe Assisi ist Franz am 3. Oktober vor 800 Jahren verstorben. Zuvor hatte der „Poverello“ aus der umbrischen Stadt ein Leben geführt, das sich stark am Leben Christi orientierte und vor allem in der Armut seine Erfüllung fand.
Auch der deutsche Schriftsteller Alois Prinz ließ sich in den Bann des Franziskus hineinziehen. Schon von Jugend an von diesem Heiligen begeistert, machte er sich auf den Weg nach Assisi, um dann von dort die Wanderung nach Rom anzutreten. Das vorliegende Buch verbindet die Reisereportage mit der Biografie des heiligen Franz. Dass es sich dabei aber keineswegs um eine bloße Reisebeschreibung handelt, zeigt das umfangreiche Quellenverzeichnis am Ende des Buches. Neben einschlägiger Literatur greift Prinz immer wieder auf Primärquellen zum Leben des Tuchhändlersohns zurück, die er gerne und häufig zitiert.
Der Autor Prinz will jedoch nicht nur das Äußere nachzeichnen. Sondern sein Ziel ist es, vom Erleben des Raumes, in dem Franziskus sein Leben verbrachte, zum Inneren des Heiligen vorzudringen und das aufzuspüren, was Franziskus wirklich umgetrieben hat. Prinz findet dieses in einer Mischung aus der Nähe zur Schöpfung, dem ungebrochenen Willen zum Frieden und einem einfachen, kargen Lebensstil. Diese Lebenshaltung kulminiert schließlich im „Sonnengesang“, jenem Text, in dem man dem Leben des heiligen Franziskus wohl am nächsten kommen kann.
Als „Meister des Aufhörens“ bezeichnet Prinz den Heiligen aus Assisi. Wobei er direkt nachschiebt, dass es Franz nie um ein bloßes Zeichen oder um eine Zurschaustellung ging. Vielmehr war es sein Glaube, der ihn zu einem radikalen Lebensstil drängte: „Sein Widerstand ist nicht zu verstehen ohne seinen Glauben“, fasst Prinz zusammen (250). Und so ist die vorliegende Biografie des friedlichen Rebellen auch als Versuch zu begreifen, dem Glauben des Aussteigers auf die Spur zu kommen. Sie ist eine Tiefenbohrung, um das zu entdecken, was diesen Menschen wirklich umgetrieben und angetrieben hat. Fabian Brand