Die „Kerngottesdienste“ der Österlichen Tage folgen einer eigenen Dramaturgie: Die Drei Tage sind eigentlich ein einziger Gottesdienst vom Leiden, Sterben, der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn:
- Die Abendmahlsmesse endet ohne Segen,
- die Karfreitagsliturgie beginnt ohne Eröffnung und endet mit einem Segensgebet,
- die Osternachtfeier beginnt ohne Eröffnung mit der Lichtfeier und
- erst die Osternachtfeier wird wieder mit Schlusssegen und Entlassung beendet.
Diese Struktur kann durch die musikalische Gestaltung sinnfälliger werden. Wir kennen das aus Film und Oper: Eine Szene „fesselt“, weil die Musik mit ihr korrespondiert. Manchmal macht die Musik die Handlung erst verständlich. Mit der musikalischen Dramaturgie der Liturgie der Ostertage beschäftigt sich der folgende Beitrag.
Gründonnerstag: Abendmahlsmesse
- Die Abendmahlsmesse beginnt in festlicher Stimmung: Zum Einzug wird ein Lied gesungen, das der Gemeinde bekannt ist (aber kein „Halleluja“ enthält). Dazu gehören nach wie vor die älteren eucharistischen Gesänge der „Gotteslob“-Eigenteile.
- Beim Gloria wird noch einmal alles aufgefahren: schmetternder Gesang, feierliche Orgelbegleitung, Glockenläuten, Schellen, Weihrauchduft … Und dann Irritation: keine Orgelbegleitung mehr – erst großer Jubel, dann Verstummen der Glocken und der Orgel. Diese archaische Stille muss wirken dürfen! Die Orgel sollte nach dem Gloria wirklich ausgeschaltet werden, sodass noch nicht einmal das Orgelgebläse zu hören ist. Das Messbuch sieht zwar nur das Schweigen der Glocken vor; durch eine lediglich leisere, doch immer noch vorhandene Orgelbegleitung wird die Wirkung des „Verstummens der Schöpfung“ aber zunichte gemacht. Ab jetzt werden Holzklappern statt der Schellen benutzt.
- Meist werden im Gottesdienst „Kirchenlieder“ gesungen. Da die Orgel nun aber keine musikalische Unterstützung mehr bietet, sollten Wechselgesänge gewählt werden. Dabei übernehmen Chor, Schola oder Kantor/in die Vorsängerteile.
- Sollte der Antwortpsalm nicht gesungen werden können, wird er aus dem Lektionar vorgelesen; der Kehrvers wird von allen gesungen, ebenso der Ruf vor dem Evangelium.
- Zur Fußwaschung sollte ein Wechselgesang mit gleichbleibendem Kehrvers gesungen werden, damit die Gemeinde der Handlung folgen kann.
- Ob das Hochgebet gesungen wird, ist von den gesanglichen Fähigkeiten des Zelebranten abhängig.
- Erklingt normalerweise Orgelspiel zur Kommunion, ist der Gründonnerstag nicht der geeignete Tag, das Singen zur Kommunion einzuführen. Stille muss man wirken lassen! Wenn gesungen wird, sollte der Kehrvers auswendig nachsingbar sein; das Danklied kann entfallen.
- Das Messbuch sieht die „Entblößung des Altars“ nicht mehr innerhalb der Liturgie vor. Wo sie dennoch vollzogen wird, sollte sie vor dem Auszug erfolgen – entweder in Stille oder mit kurzen Akklamationen (siehe diesen Beitrag) oder unter Rezitation des Ps 22,13–22.
Karfreitag: Feier vom Leiden und Sterben Christi
- Einzug in Stille – nichts ist in diesem Moment eindrücklicher!
- Auch in diesem Gottesdienst sind Wechselgesänge angebracht, da die Orgel schweigt.
- Um der Dramaturgie der Passion gerecht zu werden, sollte sie in verteilten Rollen gelesen werden. Sie kann an geeigneten Stellen durch Chor- bzw. Gemeindegesang unterbrochen werden. Vor allem Passionslieder sind eine gute Form der Beteiligung der Gemeinde am Passionsgeschehen. Für das Kantillieren der Passion gilt das Gleiche wie für das Hochgebet in der Abendmahlsmesse: Gewinnbringend ist dies nur, wenn die Kantor/innen auf diese Aufgabe gut vorbereitet sind; der Vortrag soll nicht zur „Compassio“ (Mit- Leiden) der Hörenden führen!
- Auch die Großen Fürbitten sollten nur unter diesem Gesichtspunkt gesungen werden; vor allem der melodische Anschluss von Fürbitte und Oration muss geübt sein!
- Wird der Ruf zur Kreuzerhebung in jeweils erhöhtem Ton gesungen, muss ein eher tiefer Anfangston gewählt werden, damit die Gemeinde auch beim dritten „Durchgang“ den Anschluss noch schafft.
- Da bei der Verehrung des Kreuzes die Gemeinde „unterwegs“ ist, ist auch hier Wechsel- oder Chorgesang die erste Wahl, ebenso während der Kommunionspendung.
- Die mancherorts übliche Grablegung erfolgt in Stille, gebenenfalls mit Holzklappern.
- Alle verlassen schweigend die Kirche.
Ostersonntag: Feier der Osternacht
- Die Lichtfeier sieht keine Gesänge vor. Vielleicht kann man das so deuten: Es verschlägt uns förmlich die Sprache, weil die Liturgie uns die Auferweckung sozusagen „realiter“ vor Augen führt. Der Funke aus des Grabes Stein wird zum Licht der Osterkerze.
- Für das Anstimmen des „Lumen Christi“ gilt das Gleiche wie für den Ruf zur Kreuzerhebung, für das Kantillieren des Osterlobs das Gleiche wie für die Passion (der Vortrag des Osterlobs ist nicht an das Weiheamt gebunden).
- Die Antwortpsalmen können gesprochen oder gesungen werden (s. o.).
- Mit der Intonation des Gloria schließt sich der Kreis: Auch musikalisch holen wir wieder alles ans Licht, was wir am Gründonnerstag „zu Grabe getragen“ hatten: Die Orgel, die Glocken und Schellen; die Altarkerzen werden entzündet und es wird wieder „geschmettert“.
- Möglich ist es auch, das zum Gloria Gesagte bis zum Halleluja „aufzusparen“. Dies unterstreicht das Wiedererklingen des Hallelujas nach dem Aschermittwoch. Das Gloria muss dann zurückhaltender intoniert und gesungen werden. Die steigende Tonhöhe des gregorianischen Halleluja- Rufes wird jeweils von der Orgel angegeben.
- Wenn in der Kirche, in der die Osternacht gefeiert wurde, am Ostersonntag keine weitere Messe stattfindet, kann die Sequenz bereits in der Osternacht gesungen werden. Es ist angebracht, sie erst nach dem Evangelium zu singen, da sie von ihrer Entstehung und ihrem Inhalt her dort sinnvoller platziert ist. Zudem kann dann eine längere Evangelienprozession stattfinden.
- Die Allerheiligenlitanei sollte unbegleitet gesungen werden, da der Orgelklang dabei schnell aufdringlich wirken kann.
- Die musikalische Gestaltung der weiteren Feier soll von der Osterfreude der Erlösten künden.
- Der Gottesdienst schließt seit dem Beginn des Triduums am Gründonnerstag wieder mit dem Segen und dem feierlichen Entlassungsruf mit Halleluja.
Weitere Erläuterungen, Anregungen und Tipps
In Ergänzung zu den obigen Ausführungen des gedruckten Artikels möchten die folgenden Ausführungen konkrete Anregungen für die kirchenmusikalische Praxis der Drei Österlichen Tage geben. Sie berücksichtigen die kirchenmusikalischen Bedingungen an der Basis. Idealerweise übernehmen eine Schola oder ein mehrstimmig singender Chor bestimmte Vorsängerteile und bringen sich durch eigenständige Chormusik ein.
Die Gesangsvorschläge zeigen lediglich eine kleine Auswahl; weitere zahlreiche Vorschläge finden sich in den Bänden des Münchener Kantorale.
Die Vorschläge für die Gesänge ohne Orgelbegleitung sind so gestaltet, dass nicht unbedingt ein Kirchenmusiker benötigt wird, sondern dass auch ein/e Vorsänger/in oder Kantor/in die Gesänge anstimmen und leiten kann.
Die Seitenzahlen im Artikel beziehen sich auf den Band A/Lesejahr A des Münchener Kantorale; für die anderen beiden Lesejahre finden sich die entsprechenden Stellen in den Bänden B und C.
Gründonnerstag – Messe vom Letzten Abendmahl
- Einzug: Eucharistische Gesänge aus dem jeweiligen Diözesaneigenteil des „Gotteslob“ (GL). Achtung: Lieder, die ein Halleluja enthalten, werden am Gründonnerstag nicht gesungen!
Oder: Gesang des traditionellen „Nos autem gloriari oportet/Wir rühmen uns im Kreuz“: GL 305,1 + Münchener Kantorale, Band A, S. 157/158, oder GL 282 (ein Ganzton tiefer) + GL 305,1 als „Rahmenstrophe“ (Kantor/in oder Schola)
- Kyrie-Litanei: MK, Bd. A, S. 159.
- Gloria: Es sollte ein Gloria-Lied (GL 167, 169–172) gesungen werden, wenn zum Gloria zusätzlich zu den Glocken auch Schellen benutzt werden, sonst überdecken bei einem Wechselgesang (z.B. GL 105, 109, 131, 166, 168; GL 173 sollte wegen des weihnachtlichen Jesaja-Tones am Gründonnerstag nicht gesungen werden) die recht lauten Schellen den Kantorengesang. Anschließend: Orgel-Gebläse abstellen und Schellen beiseitestellen, denn ab jetzt werden stattdessen Holzklappern o. ä. benutzt.
Eine Praxishilfe zum Finden des passenden Anfangstones für das Anstimmen der Gesänge ohne Orgel findet sich unter https://dli.institute/wp/news/den-richtigen-ton-finden.
Es empfiehlt sich, manche Gesänge von vorneherein etwas tiefer anzustimmen, um damit dem „Detonieren“ der Gemeinde vorzubeugen. Passiert es dennoch, sollte während des Gesanges nicht „brachial“ korrigiert werden – ab einer bestimmten Tiefe wird die Gemeinde nicht weiter fallen … (Das Korrigieren würde also mehr stören, als es hilfreich wäre.)
- Antwortpsalm: MK, Bd. A, S. 155; der Kehrvers GL 60,1 ist ohne Orgel leichter zu singen als GL 305,3. Wenn kein Kantorengesang möglich ist, kann der Kehrvers sofort von allen gesungen und der Psalm durch Lektor/in aus dem Lektionar gesprochen vorgetragen werden.
- Ruf vor dem Evangelium: MK, Bd. A, S. 156. Auch hier kann, wenn kein/e Kantor/in vorhanden ist, der Ruf sofort von allen gesungen und der Vers von/m Lektor/in gesprochen werden (wie beim Antwortpsalm).
- Fußwaschung: Es sollte auf jeden Fall ein Wechselgesang gesungen werden, damit die Gemeinde die Handlung mitverfolgen kann. MK, Bd. A, S. 159 ist schwer zu singen, einfacher ist GL 460; oder GL 305,4 mit dem folgenden Text (nach Joh 13,34, Melodie: GL 177,2):
1. Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. | Bleibet in meiner Liebe. | Wir schreiten vom Tod zum Leben, | wenn wir einander lieben. – Kv
2. Einer trage des anderen Last, | so werdet ihr Christi Gesetz erfüllen. | Gott ist die Liebe. | Und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. – Kv
3. In euch sollen bleiben | Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. | Am größten aber unter ihnen | ist die Liebe. – Kv
- Gabenbereitung: Auch hier eignet sich ein Wechselgesang, damit die Gemeinde weniger a cappella singen muss. Alternativ zu GL 285 oder 305,5 kann GL 445 (Taizé) gesungen werden in Verbindung mit MK, Bd. A, S. 160 oder GL 442. Wenn doch ein Lied gesungen werden soll: GL 281, 282.
- Sanctus und Agnus Dei sollten der Gemeinde gut bekannte Gesänge sein.
- Hochgebet: Ob dieses gesungen wird, sollte von den sängerischen Fähigkeiten des Zelebranten abhängig gemacht werden … Kommunion: Erklingt normalerweise Orgelspiel zur Kommunion, ist der Gründonnerstag nicht der geeignete Tag, an dem man das Singen zur Kommunion einführen sollte – Stille unterstützt den besonderen Charakter des Tages besser.
Wenn die Gemeinde gewohnt ist, zur Kommunion zu singen, sollte der Kehrvers bzw. der Wechselgesang auswendig nachsingbar sein, z.B. GL 210 oder 211; oder einen der oben bereits angegebenen Kehrverse (wenn sie noch nicht gesungen wurden) in Verbindung mit Psalm 147 (letzterer in dem Psalmton, der dem Kehrvers als kleine römische Ziffer beigegeben ist).
Oder: Abschnitte der Fronleichnams-Sequenz (siehe Lektionar oder „altes“ GL 545 – ohne „Amen. Halleluja.“) mit Kehrvers GL 386 oder 401; oder GL 629,5+6.
- Danklied: Z.B. GL 209, 213, 215, 414. Wenn zur Kommunion gesungen wurde, kann das Danklied entfallen.
- Übertragung des Allerheiligsten: GL 493/494,1–4; sollte die Melodie nicht bekannt sein, können die Strophen auf die Melodie von GL 492 gesungen werden; oder GL 497.
Wenn die Prozession am Aufbewahrungsort angekommen ist, werden von GL 493/494 die 5.+6. Strophe gesungen.
- „Entblößung des Altars“: Das Messbuch sieht diesen beeindruckenden Ritus nicht mehr innerhalb der Liturgie vor. Wo er dennoch vollzogen wird, kann er in Stille erfolgen, allerdings sollte am Beginn der Abendmahlsmesse ein kurzer Hinweis erfolgen, damit der Ritus als solcher wahrgenommen wird.
Es können kurze „mystagogische“ Texte gesprochen werden (vgl. diesen Beitrag), evtl. mit einem kurzen Ruf: GL 287/657,5 oder 286.
Es kann auch die passende Stelle aus Psalm 22 rezitiert werden: GL 36,3.
Karfreitag
- Einzug: Stille.
- Antwortpsalm: MK, Bd. A, S. 167. Ausführung ohne Kantor/in: siehe bei den Antwortgesängen an Gründonnerstag.
- Ruf vor der Passion: MK, Bd. A, S. 168.
- Passion: Während des Vortrags ermöglichen Passionslieder die Teilhabe der Gemeinde am Passionsgeschehen: Vorschläge im MK, Bd. A, S. 138. Ausführlichere Vorschläge aus dem GL und dem Liederbuch „Unterwegs“ finden sich im „Evangelistar Passion“ (VzF Deutsches Liturgisches Institut, Bestell-Nr. 6204).
Die Passion zum Singen in verteilten Rollen findet sich im MK, Bd. A, S. 170–182. (Diese Vorlage verwendet eine andere Übersetzung der Passion als das Lektionar.)
- Große Fürbitten: Die Großen Fürbitten finden sich für die Personen, die sich mit der Zweiliniennotation des Messbuchs schwertun, im Violinschlüssel notiert in „Kantillationen im Kirchenjahr“ (VzF Deutsches Liturgisches Institut, Bestell-Nr. 6238).
- Ruf zur Kreuzerhebung: Alternativen zum traditionellen lateinischen Ruf (GL 308,2) finden sich unter GL 308,3 und 308,4 oder GL 296. Auch diese deutschen Gesänge können in steigender Tonhöhe gesungen werden. Die Steigerung der Tonhöhe geschieht am besten in Ganztonschritten.
- Verehrung des Kreuzes: Wechselgesänge finden sich im MK, Bd. A, S. 182–183 und S. 184 in Verbindung mit GL 300 und GL 308,5. Möglich ist auch das meditative wiederholende Singen von GL 300 in der Art der Taizé-Gesänge, ohne Vorsängerverse. Der klassische Text der „Improperien/Heilandsklagen“ kann auch ohne Gemeindekehrvers von einem/r Vorsänger/in nach dem GL von 1975 gesungen werden (Nr. 206); wo der entsprechende Refrain aus dem alten GL noch (auswendig) bekannt ist, singt die Gemeinde diesen.
Desweiteren eignet sich als Vorsängergesang der Hymnus „Der König siegt, sein Banner glänzt“, GL 299 oder der Hymnus „Preise, Zunge, und verkünde den erhabnen Waffengang“, Messbuch Karwoche und Osteroktav, S. 95, auf die Melodie von GL 493/494.
- Kommunionspendung: Stille oder Wechselgesang: MK, Bd. A, S. 185 mit GL 640,2. Möglich ist auch, die Verse ohne einen Gemeindekehrvers zu singen; nach jedem Vers kann eine längere Pause erfolgen.
- Grablegung: Am eindrücklichsten ist die Prozession zum „Grab“ ohne Gesang, nur mit dem archaisch-monotonen Hämmern der Holzklappern.
Weitere Vorschläge in MK, Bd. A, S. 162 und im „Gotteslob-Dienstebuch“ (VzF Deutsches Liturgisches Institut, Bestell-Nr. 5297).
Osternacht
- Lichtfeier/Prozession: Das „Lumen Christi/Christus, das Licht“, GL 312,1, wie den Ruf zur Kreuzerhebung tief genug beginnen; auch hier in Ganztonschritten nach oben steigen.
- Osterlob: Das Osterlob kann auch von einem/r gut ausgebildeten/r Kantor/in gesungen werden; das sollten diejenigen Priester und Diakone beherzigen, die ansonsten während des gesamten Kirchenjahres auch keine Texte kantillieren … Auch hierzu finden sich als Alternative zur Zweiliniennotation des Messbuchs die verschiedenen Fassungen im Violinschlüssel (Einfache Singweise und Feierliche Singweise in jeweils Lang- und Kurzfassung) in „Kantillationen im Kirchenjahr“ (VzF Deutsches Liturgisches Institut, Bestell-Nr. 6238) oder in der Einfachen Singweise/Langfassung im MK, Bd. A, S. 193.
In manchen Gemeinden wird nach dem Osterlob das Lied „O Licht der wunderbaren Nacht“, GL 334, gesungen. Dramaturgisch nimmt es allerdings den Jubel des Gloria bzw. Halleluja vorweg. Deshalb ist der Gesang dieses wertvollen Textes mit der strahlenden Melodie durchaus an einer anderen Stelle der Osternachfeier denkbar.
- Antwortpsalmen: Diese können, wie beim Gründonnerstag erläutert, statt gesungen auch gesprochen werden.
Die Kehrverse im GL 312,2–8 sind teilweise, vor allem ohne Orgelbegleitung (die ja erst wieder zum Gloria einsetzt), schwer nachzusingen. Als Alternativen bieten sich, passend zu den Tonarten im MK, Bd. A, S. 200–206, an:
- Ps 104: GL 312,2 – wie angegeben (ohne Vers 2–4)
- Ps 16: GL 57,1 – einen Ganzton tiefer ab g (ohne Vers 3)
- Ex 15: GL 312,4 – wie angegeben (ohne Vers 2)
- Ps 30: GL 58,1 – einen Ganzton tiefer ab d (ohne Vers 2)
- Jes 12: GL 426 – eine Quarte tiefer ab h (ohne Vers 3)
- Ps 19: GL 312,7 – wie angegeben (ohne Vers 3+4)
- Ps 42: GL 56,1 – in der angegebenen Tonart (ohne Vers 2)
Werden alle Lesungen gelesen, sollte über eine leichte Kürzung der Antwortpsalmen nachgedacht werden, wie sie hinter den Klammern im vorhergehenden Abschnitt angegeben sind. Weitergehende geschickte Kürzungen, die dem heutigen Zeitempfinden und Aufnahmevermögen entgegenkommen, finden sich unter https://michael-pfeifer.de/ostervigil
- Gloria: Es sollte ein Gloria-Gesang gewählt werden, der der Gemeinde einen wirklichen Jubel ermöglicht. Dort, wo Gregorianischer Choral auch sonst im Kirchenjahr gesungen wird, kann das durchaus das Gloria aus der Missa Lux et origo sein (GL 114), in einer anderen Gemeinde freut man sich eher über ein bekanntes Gloria-Lied.
- Halleluja: Das gleiche wie für das Gloria gilt für den Gesang des Halleluja: Entscheiden Sie zwischen GL 175,2 und GL 312,8 zugunsten des von Herzen kommenden Osterjubels der Gemeinde! Das MK, Bd. A bietet auf S. 207 das gregorianische Halleluja in steigender Tonhöhe notiert. Das kann man auch mit GL 175,2 machen (Beginn wie notiert ab f). Es sollte überlegt werden, ob der Halleluja-Psalm gesungen wird oder zugunsten des feierlichen, im steigenden Ton gesungenen Hallelujas entfällt. (Ein weiterführender Artikel zur Gestaltung des österlichen Halleluja findet sich in diesem Beitrag.)
- Evangelium: Wenn das Evangelium gesungen wird, gilt das zu den Großen Fürbitten und zum Osterlob Gesagte: Priorität hat die Qualität des Vortrags!
Eine Vorlage zum Kantillieren (im Violinschlüssel) mit der Einheitsübersetzung von 2016 findet sich im „Oster-Evangelistar. Evangelienperikopen der Osterzeit zum Kantillieren eingerichtet“ (VzF Deutsches Liturgisches Institut, Bestell-Nr. 6205).
- Sequenz: Als Alternative zur gregorianischen Sequenz (GL 320) kann das daraus entstandene „Christ ist erstanden“, GL 318, gesungen werden. In manchen GL-Diözesaneigenteilen findet sich das Lied „Christus ist erstanden! O tönt, ihr Jubellieder, tönt!“, das sich ebenfalls für eine „lied-affine“ Gemeinde als Sequenz eignet.
- Allerheiligenlitanei: GL 555,2. Das MK, Bd. A bietet auf S. 208 eine Fassung, die auf die Osternacht zugeschnitten ist und in der leicht die Kirchen- und Ortsheiligen eingefügt werden können.
- Akklamation nach der Taufwasserweihe: GL 550.
- Gesang zur Tauferinnerung/Besprengung mit gesegnetem Wasser: Vorsängerverse finden sich in Verbindung mit GL 488 im MK, Bd. A, S. 209. Möglich auch: Fest soll mein Taufbund immer stehn (in den meisten GL-Diözesaneigenteilen vorhanden); oder das klassische „Vidi aquam“: GL 125.
- Mit der Gabenbereitung wird die Feier in der gewohnten Weise fortgesetzt. Deren musikalische Gestaltung soll eine echte „Osterfreude der Erlösten“ ermöglichen – d.h. bekannte Gesänge und Lieder! Für die Erkundung „ostermusikalischen Neulands“ nutzen Sie die sieben Wochen Osterzeit …!