Organist? Gibt's nicht!Ein Plädoyer für den Menschen in der Liturgie

Immer häufiger taucht das Problem auf, dass für Gottesdienste keine Organistin oder kein Organist zur Verfügung steht. Die Enttäuschung ist groß, wenn dann auch noch die Frage nach einer CD oder einem USB-Stick „mit allen Liedern des ‚Gotteslob’ zum Mitsingen“ mit „Nein“ beantwortet werden muss. Aber ist gottesdienstliches Singen mithilfe einer solchen „Konserve“ liturgietheologisch überhaupt sinnvoll?

Musizieren im Gottesdienst ist ein liturgischer Dienst, der per se nur von einem Menschen vollzogen werden kann. Daher sollte man sich mit scheinbar einfachen und praktischen Lösungen nicht zufriedengeben, denn ein Problem bietet immer auch Raum für Kreativität:

  • In der Senioreneinrichtung gestaltet eine Betreuerin regelmäßig ein Volksliedersingen. Dazu spielt sie Gitarre/Akkordeon/Klavier/Keyboard. Kann man diese Person dafür gewinnen, statt Volksliedern auch mal Kirchenlieder in einem Seniorengottesdienst zu begleiten?
  • In fast jedem Ort gibt es Musikvereine, Posaunenchöre, Mandolinenorchester, Blockflötenkreise, Bands … Für die meisten dieser Musiker/innen ist es kein Problem, die Melodie eines Kirchenliedes oder den Kehrvers eines Psalms auf ihrem Instrument zu spielen. Warum nicht einfach den Nachbarsjungen oder die Nichte, die in einem dieser Ensembles spielen, fragen, ob sie auf ihrem Instrument einige Lieder begleiten können? Oder können Hobbymusiker aus diesem Bereich angeregt werden, sich zu einem kleinen Holz- oder Blechbläserensemble zusammenzufinden, das ab und an einen Gottesdienst gemeinsam gestaltet?
  • Gibt es Jugendliche, die bereits seit Jahren Unterricht in der örtlichen Musikschule haben (Saiten-, Blas-, Tasteninstrument) und die bereit sind, die monatliche Komplet des Liturgiekreises zu gestalten? Vielleicht wird dort gar nicht gesungen, sondern das Cello spielt zwischen den gesprochenen Psalmversen kurze meditative Liedabschnitte oder aktuelle Stücke aus dem Instrumentalunterricht.
  • Eine Ministrantenband würde gerne häufiger musizieren als nur im Erstkommunion- und Firmgottesdienst. Für welche Gottesdienste kann diese Chance noch genutzt werden? Ein „Großer Gott, wir loben dich“ wird da auch mal als positive Herausforderung gesehen …
  • Ausgebildete Kantor/innen im Seelsorgebezirk oder erfahrene Chorsänger/innen können in der Regel auch ohne Instrument Gesänge anstimmen. Kann man dieses Potenzial nutzen? Vielleicht kann sich sogar eine kleine Schola/Ansingegruppe aus dem örtlichen Kirchenchor bilden?
  • Oder gibt es professionelle Musiker/innen, die im Seelsorgebereich wohnen/arbeiten und die man für eine einmalige oder regelmäßige Mitwirkung gewinnen könnte?

Die Erfahrung zeigt, dass sowohl Erwachsene als auch Jugendliche gerne zur Mitwirkung bereit sind und sich freuen, wenn sie für „besondere Aufgaben“ gefragt werden. Das fördert Charismen und Begabungen und trägt unter Umständen dazu bei, künftigen kirchenmusikalischen Nachwuchs zu sichern. Fragen Sie amtierende Kirchenmusiker/innen, wie viele von ihnen als Klavierschüler/ innen anfingen und dann als Ministrant/in gefragt wurden, ob sie bei der nächsten Werktagsmesse ein paar bekannte Kirchenlieder auf der Orgel spielen könnten! Unterschätzt werden sollten dabei auch nicht der positive Nebeneffekt und die pastorale Chance, Menschen für die Liturgie zu gewinnen, die ansonsten kaum damit in Berührung kämen. Und: Nach wie vor gehören die Kirchen zu den wichtigen Kulturträgern im Land. Mit diesem Pfund sollten wir wuchern und uns nicht mit fragwürdigen Lösungen zufriedengeben!

Es gibt zahlreiche Begleitpublikationen zum „Gotteslob“, die eine vielfältige musikalische Gottesdienstgestaltung unterstützen:

  • Gitarrenbuch zum Gotteslob, Stuttgart 2016 (auch für Akkordeon geeignet),
  • Klavierbuch zum Gotteslob, Stuttgart 2016,
  • Orgelbuch light zum Gotteslob, Stuttgart 2014/2015 (auch für Klavier/Keyboard geeignet),
  • Bläserbuch zum Gotteslob, Kassel 2014,
  • Band- und Chorbuch zum Gotteslob, München 2013,
  • … bis das Lied zum Himmel steigt – Arrangements zum Gotteslob, München 2016.

Die Liste mit allen seit 2013 erschienenen musikalischen „Gotteslob“- Begleitpublikationen (inkl. Bestellnummern) finden Sie auf der Kirchenmusikhomepage des Deutschen Liturgischen Instituts zum Download als PDF-Datei: dli.institute/wp/begleitpublikationen-zum-gotteslob.

Also: Halten Sie die Augen offen und werden Sie kreativ!

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