Die Aktion der verdunstenden Werke entstand ursprünglich aus einer Zeitnot heraus. Da die Eltern-Kind-Gruppe Siemensstadt eine Halbtagseinrichtung ist, endet die Betreuungszeit der Kinder bereits um 13 Uhr. Just um 12:30 Uhr hatten Mirjam (6 J.) und Joshua (4 J.) eine Idee: Sie wollten spontan noch die Farbflaschen und Pinsel aus dem Atelier holen, um damit im Außengelände kreative Prozesse zu beginnen. Weitere Kinder schlossen sich dieser Idee an. Das stellte mich als zuständige pädagogische Fachkraft vor eine Herausforderung: Die Zeit war einfach zu knapp, um alle Kinder, die sich an dieser Aktion beteiligen wollten, mit Malkitteln auszustatten und ihnen das entsprechende Material zur Verfügung zu stellen.
Doch dann stellte ich fest, dass Joshua und Mirjam bereits die Pinsel und Wasserbehälter nach draußen gebracht hatten. Zudem war der Außenwasserhahn ohnehin angestellt und der Asphaltplatz bereits geräumt. Dort, wo sich sonst Dreiräder, Fahrräder und Bobbycars tummeln, war schlichtweg eine freie Fläche. Alle Fahrzeuge waren bereits im Schuppen, und der Platz lud regelrecht dazu ein, kreativ tätig zu sein. Also ließ ich den Kindern freie Hand und es begann ein Wettlauf gegen die Sonne. Lediglich mit Wasser und Pinseln ausgestattet, malten die Kinder vielfältige Bilder auf den Asphalt: Es entstanden farblose Regenbögen, die dennoch als solche erkennbar waren, Sonnen, Regenwolken, Landschaftsbilder und lebensgroße Figuren.
Schon bald stellten die Kinder allerdings fest, dass jedes dieser Werke aufgrund der schnellen Verdunstung unweigerlich vergänglich war. „Oh nein! Die Sonne ist zu stark, mein Regenbogen verschwindet schon wieder“, rief Joshua. „Der Kopf von meiner Figur auch“, entgegnete Mirjam. Also fertigten wir kurzerhand Fotos von den Werken der Kinder an und schlugen der Sonne somit ein Schnippchen. Auch ohne Farben hatten die Kinder viel Freude an der Wassermalerei – und an diesem sonnigen Tag zugleich auch eine angenehme Abkühlung.