Zwischen Engeln und TeufelnWie Ignatius von Loyola lernte, die Geister zu unterscheiden

Am 31. Juli gedenkt die Kirche des 1556 in Rom gestorbenen Heiligen Ignatius von Loyola. Eine Kriegsverletzung führte ihn in eine tiefe spirituelle Krise und schließlich zur Geburt der Exerzitien. Bis heute helfen seine geistlichen Übungen dabei, der eigenen Berufung mit Entschiedenheit zu folgen und den Fallstricken des Teufels zu widerstehen.

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Bild "Wunder des Hl. Ignatius von Loyola" (Ausschnitt) von Peter Paul Rubens (1577-1640)© Peter Paul Rubens, Public domain, via Wikimedia Commons

Ignatius von Loyola (1491-1556) war ein baskischer Krieger von unbeugsamem Willen. Im Kampf verlor er buchstäblich den Boden unter den Füßen, als ihm eine Kugel ein Bein zerschmetterte und auch das andere schwer verwundete. Auf dem Krankenlager wuchsen die Knochen schief zusammen, sodass das Bein noch einmal gebrochen wurde, um eine lebenslange Gehunfähigkeit zu verhindern. Weitere schwere Operationen folgten: alle ohne Betäubung und ohne einen Klagelaut. Wie Jakob nach dem Kampf mit dem Engel am Jabbok gesundete Ignatius - als Gesegneter ein Gezeichneter.

An eine Fortsetzung seiner militärischen Karriere war nicht zu denken, wollte der kleine Mann nicht ein großer Ritter von der traurigen Gestalt werden. So fiel der Krüppel in eine tiefe spirituelle Krise. Er kämpfte weiter mit dem Engel der Berufung. Manchmal glaubte er, seine Stimme zu vernehmen. War ihr zu trauen? Kam sie vom Himmel (ángel bueno) oder aus der Hölle (ángel malo)?

In Manresa ereignete sich die Geburt der Exerzitien aus dem Geist der Angelologie. Es waren die Engel, die ihn lehrten, was er später in den Geistlichen Übungen weitergab. Diesen Erfahrungsbezug bezeugt Ignatius in dem sogenannten Bericht des Pilgers:

"So kam er allmählich dazu, den Unterschied zwischen den Geistern, die ihn bewegten, zu erkennen, nämlich zwischen dem Geiste Satans und dem Geiste Gottes. Das war die erste Erwägung, die er bezüglich der göttlichen Dinge anstellte. Als er dann später die geistlichen Übungen gemacht hatte, begann er aus jener Erfahrung Licht zu schöpfen für die Lehre von der Verschiedenheit der Geister."

Die Geburtsstunde der Exerzitien

Nun begann in Manresa sein geistlicher Kampf, aus dem sein berühmtestes Buch hervorgehen sollte: die geistlichen Übungen oder Exerzitien (Ejercicios Espirituales de San Ignacio de Loyola). In ihnen geht es um die Berufung. Die Unterscheidung der Geister ist gerade für den Menschen wichtig, der sein Leben neu ordnen und ihm eine Ausrichtung auf Gott geben will. Was ist richtig? Was ist nichtig? Wo spricht Gott durch die Stimme eines Engels? Der Satan des Ignatius ist ein großer Schauspieler und Meister aller Gaukeleien, ein Stimmenimitator, der englisch lispelt, wenn er teuflisch lügt.

Die Exerzitien enthalten Imaginationsübungen. Mit allen Sinnen solle sich der Mensch in bestimmte Situationen versetzen und sie auf sein Leben beziehen. Das haben die Mystiker zu allen Zeiten getan. Die wichtigste dieser ignatianischen Übungen führt zum Engelsturz, jener Sünde wider den Heiligen Geist, mit der die Schöpfung einen Riss bekam, der nur durch Gott selbst geheilt werden konnte:

"Ich soll mir also die Sünde der Engel ins Gedächtnis rufen: wie sie in der Gnade geschaffen wurden, aber sich ihrer Freiheit nicht bedienen wollten, um ihren Schöpfer und Herrn Ehrfurcht und Gehorsam zu erweisen, sondern in Hochmut gerieten, aus Gnade in Bosheit verwandelt und vom Himmel in die Hölle geschleudert wurden. Entsprechend dasselbe je mehr im einzelnen mit der Einsicht überdenken und dementsprechend die Affekte je mehr mit dem Willen bewegen."

Unterscheidung der Geister

Engel oder Teufel? Wer die Kunst der Unterscheidung der Geister lernen möchte, der achte auf die seelischen Folgen ihrer Gegenwart. Bewirkt sie Trost oder Trauer? Fröhlichkeit oder Verwirrung? Der Teufel ist das Urbild des Verführers. Er kommt als angeblicher Freund und Förderer. Aber er will immer nur das eine.

Es war gewiss kein Zufall, dass Ignatius mit seinen ersten Gefährten einen Bund in der Krypta von St. Denis (Paris) schloss, also an jenem Zentralheiligtum, wo Dionysios der Areopagit der Legende nach begraben worden war. Der Vater aller Engelforschung vermittelte mit seinen neun Chören der Engel das Urbild einer klaren himmlischen Ordnung, dem Ignatius mit seinem Orden ein irdisches Gegenstück einer kämpfenden Kirche schuf.

"Vor der Messe, während derselben und nach derselben Überströmen von Andacht mit Tränen und infolgedessen Augenschmerzen", erinnert sich der alte Ignatius. Die Tränen bezeugen den Moment tiefster Erfahrung der letzten Wahrheit. Sie liegt im Geheimnis und ist daher nur in Bildern andeutbar. Wenn der Teufel weicht und der Engel sichtbar wird, dann ist die Grenze des Sagbaren erreicht. Jetzt gilt es nicht mehr die Geister zu unterscheiden, sondern seiner Berufung mit Entschiedenheit und unbeugsamer Willenskraft zu folgen. Priesterdienst ist Engeldienst. Er vollzieht sich in geistlicher Süße (dulzura espiritual).

Tränen geistlicher Süße

Tränen der geistlichen Süße vergießt der Heilige auch bei einer seiner zahlreichen Erscheinungen vor Adrienne von Speyr, von denen Hans Urs von Balthasar berichtet. Wieder gilt es die Geister zu unterscheiden. Es ist die Zeit des großen Umbruchs zwischen der Ablösung von der Gesellschaft Jesu, zu der Balthasar während des Zweiten Weltkrieges noch gehört, und der Neugründung der Johannesgemeinschaft. In ihr sieht Ignatius eine Fortsetzung seines Erbes und deshalb ist er zu Tränen gerührt: "In den kritischen Monaten hat der Heilige einmal während einer Erscheinung vor Adrienne geweint; sie reichte ihm ein Taschentuch, das sie von ihm ganz nass zurückerhielt."

In seinem römischen Haus fühlt sich der Heilige immer wieder durch den Teufel bedrängt, der wie Luthers Gegner auf der Wartburg mit großem Poltern Unruhe verbreitet. Dann rettet ihn eine Vision des himmlischen Hofstaates. Er hört die Musik der Engel. Dieser Trost fordert den Teufel heraus. Ignatius aber beschließt, jetzt mit Entschiedenheit einen Schlussstrich zu ziehen: "Scher dich an deinen Ort - á tu posta!" Das ist die Kurzform des Exorzismus. Kein langes wortreiches Ritual, sondern das eine wirkmächtige Wort, wie es auch Jesus sprach.

Hinter dem Tränencharisma leuchtet dann eine höhere Ordnung auf. Ignatius sieht den Kreis der Himmelschöre und vernimmt ihre Sprache. Sie ist reine Musik. Damit endet das Geistliche Tagebuch.

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