Am diesjährigen Fest des heiligen Josef kündigte Papst Leo XIV. an, alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit nach Rom einberufen zu wollen, um zehn Jahre nach der Promulgation von
Amoris laetitia über die Auswirkungen dieses Schreibens zu beraten. Der Papst bat uns, darüber nachzudenken, wie wir das Evangelium den Familien wirksamer verkünden können. Ein Bericht soll veröffentlicht werden, sobald sich Leo XIV. von seiner Erkrankung erholt hat – wir beten für seine rasche und vollständige Genesung. Jedoch hat Papst Leo XIV. uns gebeten, unsere Erfahrungen von der Tagung ohne Verzug mit unseren jeweiligen Bischofskonferenzen und Diözesen zu teilen.
Fünf Hauptthemen bildeten den Rahmen des Treffens, wobei jedes den Stoff für einen ganzen Tag des Austauschs bot. Im Folgenden teile ich meine persönlichen Gedanken zu diesen Themen.
Dabei spreche ich nicht im Namen der Versammlung. Meine Reflexionen stellen lediglich den Beitrag einer einzelnen Stimme in diesem großen Chor dar.
Familien heute
Das Familienleben steht heute aus vielerlei Gründen unter Druck – aus soziologischen, finanziellen und kulturellen. Derer sind wir uns sehr bewusst. All diese Aspekte verdienen Beachtung.
Der anhaltendste Druck liegt jedoch tiefer. In bemerkenswert kurzer Zeit haben wir unser gemeinsames Verständnis dessen verloren, was Menschsein bedeutet. Außerhalb bestimmter Interessensgruppen ist es heute schwer, eine gemeinsame Sprache zu finden, um zu beschreiben, was ein Mensch ist. Wir sind uns nicht mehr einig darüber, was eine Frau, einen Mann oder ein Kind ausmacht.
Es scheint nicht länger selbstverständlich, dass Familien stabile Verbände auf Basis einer lebenslangen Bindung zwischen einer Frau und einem Mann sein sollten, die darauf hoffen, Kinder zu zeugen.
Transhumanisten entwerfen eine Zukunft, in der der Mensch vom "Fortschritt" vermutlich zurückgelassen wird, wenn er sein Wesen nicht optimiert. Nachdem wir die Vorstellung von Erlösung aufgegeben haben, setzen wir unsere
Hoffnung nun auf "Upgrades". Dass die Maßstäbe von heute morgen nicht mehr anwendbar sind, ist für uns selbstverständlich geworden. Vor diesem Hintergrund erscheint die Vorstellung einer dauerhaften Bindung jeglicher Art absurd. Bündnisse und Abkommen werden in Politik und Handel durch "Deals" ersetzt. Dasselbe gilt für menschliche Beziehungen, die zunehmend als pragmatische Transaktionen betrachtet werden: Ich bleibe bei etwas oder jemandem, solange ich daraus
Nutzen oder Vergnügen ziehe. Dann ziehe ich weiter.
Unter solchen Bedingungen kann die Familie als grundlegende Einheit der menschlichen Gesellschaft nur zerfallen. Es scheint nicht länger selbstverständlich, dass Familien stabile Verbände auf Basis einer lebenslangen Bindung zwischen
einer Frau und einem Mann sein sollten, die darauf hoffen, Kinder zu zeugen. Eine Frau und ein Mann können sich zwar weiterhin zusammenschließen – schließlich leben wir in einer freien Welt. Doch dies wird gegenüber Verbindungen zwischen zwei Frauen, zwei Männern oder zweier Menschen, die ihr Geschlecht als dynamisch
betrachten, nicht mehr als kategorial andere Verbindung verstanden. Und warum sollte ein solcher Verband überhaupt auf zwei Personen beschränkt sein? Forderungen nach einer rechtlichen Anerkennung der Polyamorie breiten sich aus.
Wir befinden uns in einem Zustand metaphysischer Dämmerung.
Vom Verlust des Glaubens
Der Glaube an Gott als den wohlwollenden Schöpfer ist weitgehend verloren gegangen. Wir glauben nicht mehr, dass wir ins Dasein "gewollt" wurden. Wie sollen wir da unser eigenes Leben weiterhin als Geschenk betrachten, das wir wiederum
einander schenken, ja, weihen können? Die unsrige ist eine Zeit der Entweihung, die der buchstäblichen Hoffnungslosigkeit erwächst – daraus, dass sogar die bloße Möglichkeit von Hoffnung ausgeschlossen wird.
Ich beobachte diese Entwicklungen in meinem sozialen Umfeld, in meinem Schriftwechsel und in meinen Gesprächen, aber auch im Beichtstuhl.
Zugleich nehme ich eine Gegenbewegung wahr: Ich begegne vielen jungen und auch nicht mehr so jungen Menschen, die das Kurzlebige satthaben. Sie weigern sich, die "Hoffnung" aufzugeben. Sie wagen den Gedanken, dass es so etwas wie "Wahrheit"
geben könnte, auf der sie ihr Leben aufbauen können. Indem wir solche Menschen stärken und unterstützen und ihnen beim Aufblühen helfen, können wir eine Erneuerung der Familienkultur zustande bringen.
Viele junge Menschen lassen sich keineswegs von hypersexualisierten Ersatzformen von Beziehungen verführen, sondern sind ihrer überdrüssig. Sie suchen Freundschaft und beständige Liebe.
Junge Menschen und die Entdeckung der Ehe
Eine Studie, die vor einigen Jahren vom American College of Paediatricians veröffentlicht wurde, berichtete, dass 54 Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 Jahren bereits mit Pornografie in Berührung gekommen sind; 15 Prozent sogar schon vor ihrem
elften Geburtstag. Diese Zahlen sind seither mit Sicherheit gestiegen. Der Konsum von Pornografie unter jungen Erwachsenen ist weltweit sowohl bei Männern als auch bei Frauen weit verbreitet. Das beeinflusst in erheblichem Maße, wie junge Menschen emotionale
Nähe erleben.
Wer schon seit seiner Kindheit von einem Universum der Begierde heimgesucht wird, in der Sex ein Konsumgut ist, in der das Objekt des Begehrens ständig austauschbar ist – dabei aber stets körperlich perfekt –, in der Romantik abwesend
ist und keinerlei Regeln gelten, für den ist der Schritt in eine dauerhafte, treue Beziehung mit einem konkreten, fehlbaren und bedürftigen Menschen, dessen Anderssein sich nicht abstrahieren lässt, gewaltig, vielleicht sogar unüberwindbar. Wir beklagen die Verlockungen des Virtuellen und Unwirklichen, doch das genügt nicht: Jungen Männern und Frauen, die in solche Formen der Unwirklichkeit verwickelt worden sind, müssen wir die Hand reichen, sie aus
dem Sumpf herausziehen und ihnen ermöglichen, die Welt wiederzuentdecken, wie sie wirklich ist. Dazu müssen wir aufzeigen können, dass diese wahre Welt besser, ja, interessanter ist und eher glücklich macht.
Vor drei Jahren habe ich ein Buch mit dem Titel Chastity (Keuschheit) veröffentlicht. Damals haben sich einige Menschen lustig gemacht, hauptsächlich ältere europäische Männer, die mir versicherten, dieses Thema interessiere
niemanden. Umso mehr hat es mich überrascht, dass ich in vielen Ländern vor großen, überwiegend jungen Zuhörerschaften sprechen durfte, die begierig darauf waren, zu erfahren, worum es bei dieser fast vergessenen, offenbar peinlichen
Tugend eigentlich geht. Viele junge Menschen lassen sich keineswegs von hypersexualisierten Ersatzformen von Beziehungen verführen, sondern sind ihrer überdrüssig. Sie suchen Freundschaft und beständige Liebe. Ich behaupte nicht, dass sie die Mehrheit repräsentieren.
Aber es sind genug, um einen Trend festzustellen.
Wenn wir jungen Menschen helfen wollen, den Wert der Ehe zu erkennen, müssen wir in diese Suchbewegung hineinsprechen.
Wenn wir junge Menschen auf die Ehe vorbereiten wollen, müssen wir ihnen zunächst helfen, ihre leibliche Identität als Frauen und Männer zu entdecken. Bevor wir anderen dabei helfen, müssen wir uns selbst dieser Aufgabe stellen.
Es kann heilsam sein, festzustellen, dass wir selbst in reiferen Jahren in dieser Hinsicht noch einen Weg vor uns haben.
Vom Singular zum Plural
Zu Beginn der Trauung fragt der Priester: "Seid ihr aus freiem Willen hierhergekommen?" Die Freiheit, von der die Gültigkeit des Sakraments abhängt, setzt voraus, dass die Brautleute wissen, wen sie heiraten. Viele Schwierigkeiten, die
oft in den ersten Ehejahren auftreten, lassen sich vermeiden, wenn die Partner sich um ehrliche Offenheit bemühen, bevor der Ehebund besiegelt wird.
Die Ehegatten selbst sind die Spender des Sakraments. Dennoch schließen sie den Ehebund in der Kirche, vor dem Kreuz. Auf die Frage "Wollt ihr einander lieben und achten und die Kinder, die Gott euch schenken will, in Liebe annehmen?"
mit Ja zu antworten, bedeutet, am Kreuz Anteil zu nehmen. Jede eheliche und elterliche Liebe ist mit Leid verbunden. Sie wird das Herz durchbohren. Sie wird verlangen, dass man das eigene Leben hingibt, damit andere leben können.
Diese Wirklichkeit von Anfang an bewusst anzunehmen und dieser Teilhabe am lebensspendenden Kreuz Christi zuzustimmen, wird Eheleuten Kraft verleihen, ihre Lasten zu tragen, sodass selbst Schweres leicht erscheinen kann. Die horizontale
Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Eltern und Kindern, wird von einer festen, verlässlichen vertikalen Achse getragen.
Ich liebe das Ritual, das der lateinische Ritus vorsieht: Nachdem der Priester die Eheversprechen entgegengenommen hat, legt er seine Stola um die ineinandergelegten Hände des Paares und spricht: "Was Gott verbunden hat, das darf der
Mensch nicht trennen."
Das Wissen darum, dass Christus ihrem Bund wesensmäßig innewohnt, gibt ihnen Kraft für die anspruchsvolle Aufgabe, vom Singular zum Plural überzugehen: nicht mehr "Ich will", sondern "Wir wollen" zu sagen; nicht mehr "Ich habe", sondern "Wir haben".
In unserem hyper-säkularen Klima, das die Ehe sentimental verklärt und Kinder aus einer konsumorientierten Perspektive betrachtet – als "Güter", die man für einen passenden Zeitpunkt und möglichst nach vorgegebenen Spezifikationen "bestellen" möchte –, ist diese übernatürliche Sichtweise hilfreich. Sie erinnert uns daran, dass es in der Ehe nicht nur um eine Frau und einen Mann geht. Die Ehe nimmt beide in eine lebendige Gemeinschaft mit Gott hinein.
Das Wissen darum, dass Christus ihrem Bund wesensmäßig innewohnt, gibt ihnen Kraft für die anspruchsvolle Aufgabe, vom Singular zum Plural überzugehen: nicht mehr "Ich will", sondern "Wir wollen" zu sagen; nicht mehr "Ich habe", sondern
"Wir haben". Es kann ihnen helfen, mit der elementaren Macht und der tiefen Verletzlichkeit der Sexualität umzugehen und sowohl die Dimension der Vereinigung als auch die Dimension der Fortpflanzung gut zu integrieren. Es wird sie darauf vorbereiten, Kinder
mit Ehrfurcht als gnadenvolle Geschenke Gottes anzunehmen.
Familien in komplexen Situationen
Wir sprechen von der "Freude und Schönheit" der Ehe. Diese Eigenschaften stehen für ein Ideal. Doch sollten wir auch vorsichtig sein und Plattitüden vermeiden.
Wir brauchen nur Anna Karenina zu lesen oder Bergmans
Szenen einer Ehe anzusehen, um zu erkennen, dass Ehepartner einander das Leben zur Hölle machen können. Auch das darf nicht vergessen werden.
Vor der Einkleidung ins Kloster liest der Novize oder die Novizin üblicherweise aus dem Buch Jesus Sirach: "Kind, wenn du herantrittst, um dem Herrn zu dienen, mach dich bereit für die Erprobung!" (Sir 2,1) Verlobte könnten es ebenso
halten. Prüfungen werden kommen.
Papst Franziskus sprach von Evangelii gaudium, aber Amoris laetitia. Dieser Unterschied in der Wortwahl ist interessant.
Die grundlegende Bedeutung der lateinischen Wortwurzel
laet-, aus der laetus und laetare hervorgehen, ist "Glück". Doch schon im klassischen Latein hatte die Wurzel auch eine agrarökologische Bedeutung: Sie bezeichnete das "Gedeihen" von Pflanzen und "fruchtbaren" Boden. Das ergibt durchaus Sinn: "Glückliche" Pflanzen wachsen auf einem Boden, der bearbeitet wurde, sodass er nährstoffreich geworden ist. Aus derselben Wurzel
laet- konnte daher auch das Substantiv laetamen entstehen, das "Dünger" bedeutet. In der Antike war Dünger gleichbedeutend mit Mist, welcher stinkt. Die
laetitia der Liebe setzt also ein von Steinen befreites, gut gepflügtes Gelände und eine ausreichende Menge nährstoffreichen Dungs voraus.
Mit diesem Gedanken soll der Ehe und der Familie nicht die Freude abgesprochen werden. Vielmehr soll betont werden, dass diese Freude aus Arbeit hervorgeht und dass diese Arbeit schwer ist und oft unbefriedigend scheint.
Der monastische und der eheliche Lebensstand setzen einander voraus und spiegeln einander wider. Ich glaube und stelle fest, dass Familien durch die überlieferte Weisheit und Erfahrung des monastischen Lebens Unterstützung erfahren können. Mönche und Nonnen leben nach einer Regel, die den Bund des gemeinsamen Lebens festschreibt und dessen Zweck und Ziel ausdrücklich benennt. Wenn die Ehegatten sich über das Ziel ihrer Verbindung verständigen, werden sie Hindernisse
besser bewältigen können, als wenn sie ihren Bund nicht als Aufgabe formuliert haben.
Das gilt besonders dann, wenn dieses gemeinsame Ziel transzendenter Natur ist. Dann werden sie Gott in sich wirken lassen. Sie werden Schwierigkeiten als Gelegenheiten zur Umkehr verstehen, als Anlässe, aus der muffigen Zelle des eigenen
Ichs herauszutreten.
Was sogenannte "irreguläre" Beziehungen betrifft, so stelle ich fest, dass unsere katholischen Gemeinschaften Menschen in solchen Situationen normalerweise reif und gut aufnehmen.
Vom monastischen Leben lernen
Mönche und Nonnen sind realistisch, was die Schwierigkeiten anbelangt, die zu ihrer Berufung gehören. Die älteste Literatur des Mönchtums, die
Apophthegmata Patrum (Sprüche der Väter), nehmen die üblichen Kämpfe direkt in den Blick. Die Sprüche ermöglichen es Mönchen, für die konkreten Probleme, mit denen sie ringen, unter sachlichen Stichworten wie "Enteignung", "Geduld", "Begierde" oder "Nachsicht"
Lösungswege nachzuschlagen. Es ist erstaunlich, wie sehr diese Ratschläge auch nach 1.500 Jahren noch praktisch anwendbar sind.
Ich meine, es ließe sich viel gewinnen, wenn man eine dritte, erfahrungsbasierte und vom Glauben geprägte Sammlung von
Apophthegmata für Familien zusammenstellte. Sie könnte zeigen, wie Prüfungen im klärenden Licht der Gebote Christi und seiner wirksamen Gnade konstruktiv bewältigt werden können.
Was sogenannte "irreguläre" Beziehungen betrifft, so stelle ich fest, dass unsere katholischen Gemeinschaften Menschen in solchen Situationen normalerweise reif und gut aufnehmen. Für diese Menschen kann es befreiend sein, sich in einem
Umfeld zu befinden, in dem ihre "Irregularität" anerkannt und nicht relativiert wird und in dem sie dennoch in christlicher Freundschaft angenommen werden und die Möglichkeit erhalten, etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Ich denke an das Beispiel vieler gläubiger Menschen, die ich kenne, und die Sonntag für Sonntag während der Kommunion nach vorne kommen, um einen Segen zu empfangen. Sie wissen, dass sie das Sakrament nicht empfangen können, vertrauen
sich aber dennoch der Barmherzigkeit Gottes an, die in der Kirche wirkt.
Ihr Beispiel der Treue trägt wesentlich zum Aufbau der christlichen Gemeinschaft bei. Es bezeugt die essenzielle Realität des Sakraments
und die Tugend der Hoffnung. Ein über längere Zeit ertragenes sakramentales Exil kann den Weg zu einer freudigen Heimkehr bereiten.
Familien als Träger der Mission
Was unterscheidet die Weltanschauung eines Christen von der eines Säkularisten?
Es ist die Überzeugung, dass Gottes Treue zur Menschheit, die nach seinem Bild geschaffen ist, allen Wechselfällen der Geschichten zum Trotz
absolut bleibt. Was auch immer geschieht: Gottes Liebe, endgültig in Jesus Christus offenbart, ist gewiss. Sie ist der Fels, auf dem ein Leben und eine Gesellschaft aufgebaut werden können. Die erste Sendung der Familie besteht darin, Zeugnis für diese beständige Liebe abzulegen. Deshalb muss die Unauflöslichkeit der Ehe als Geschenk und als große Aufgabe verstanden werden, als Vertrauensbeweis Gottes an uns (vgl. AL 62).
Der zölibatär lebende Priester, der seiner Berufung treu bleibt, erinnert die Familie an ihre übernatürliche Dimension. Die Familie wiederum erinnert den Priester daran, dass sein Zölibat der Fruchtbarkeit dient. Daraus entsteht ein gegenseitiger, freudiger Gewinn.
Indem Eheleute einander versprechen, bis zum Tod treu zu bleiben, machen sie die Wirklichkeit der Liebe Gottes in der Geschichte konkret sichtbar. Eine Familie erfüllt ihre missionarische Aufgabe daher in erster Linie durch ihre Treue. Gerade jetzt, da so viele traditionelle Strukturen des gesellschaftlichen Zusammenhalts um uns herum zerfallen, ist diese Sendung von lebenswichtiger
Bedeutung. Eine zweite Form der familiären Mission ist die Gastfreundschaft. So wie ein Kloster "niemals ohne Gäste" sein soll (RB 53), so lädt auch eine christliche
Familie andere Menschen ein. "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen" (Mt 25,35). Wenn sich eine Familie diesem Ideal auf kluge und verantwortungsvolle Weise verpflichtet, kann dies ihren eigenen Zusammenhalt im Geist des Dienens und des Entgegenkommens
stärken.
Manchmal wird die Frage gestellt: Wie können Familien zur Ausbildung von Priestern beitragen? Nicht in erster Linie, indem sie mit PowerPoint-Präsentationen über das Familienleben ins Priesterseminar marschieren, sondern indem sie Seminaristen,
Priester – wer weiß, vielleicht sogar Bischöfe? – an ihrem Leben teilhaben lassen. Der zölibatär lebende Priester, der seiner Berufung treu bleibt, erinnert die Familie an ihre übernatürliche Dimension. Die Familie wiederum erinnert den Priester daran, dass
sein Zölibat der Fruchtbarkeit dient. Daraus entsteht ein gegenseitiger, freudiger Gewinn.
Familiengründung als Gegentrend
Es braucht ein Zeugnis der Fruchtbarkeit. Die Geburtenraten sinken weltweit dramatisch. Auf allen Kontinenten lässt der selbstbewusste Wunsch, Kinder zu bekommen, in rasantem Tempo nach.
Die katholische Familienpastoral muss sich heute darauf konzentrieren, es Familien zu ermöglichen, Ja zu Kindern zu sagen. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen: erschwinglichen Wohnraum, Kinderbetreuung und Schulen – diese Mission hat
einen politischen Aspekt. Vor allem aber geht es um die Umkehr der Herzen. Eine fruchtbare Familie gründen zu wollen, ist heute ein Gegenentwurf zur vorherrschenden Kultur – ungefähr so, als hätte man in den aufgeladenen 1970er-Jahren ein Punk sein wollen. Die Kirche ist dazu berufen, diese gesunde Revolution
zu unterstützen und junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich für das Leben zu entscheiden und sich ihm verbindlich zu widmen.
Am Tag nach der Versammlung in Rom blickten wir, die wir das Glück hatten, daran teilzunehmen, dankbar auf das Treffen zurück. Wie es die Vorsehung wollte, feiert die Kirche an diesem Tag die unvergleichliche Kirchenlehrerin, die Heilige
Teresa von Ávila. Das Stundenbuch enthält heute einen Abschnitt aus ihrer Autobiografie, der wie folgt beginnt:
"Wer Jesus als Freund und hochherzigen Führer an seiner Seite hat, kann alles tragen; denn Jesus hilft uns und gibt uns Kraft. Er lässt keinen im Stich und ist ein wahrer und aufrichtiger Freund. Ich sehe deutlich: wenn wir Gott gefallen und große Gnaden von ihm empfangen möchten, muss uns nach seinem Willen die Hand der heiligen Menschheit des Sohnes helfen, an dem seine göttliche Herrlichkeit Gefallen findet, wie er selbst gesagt hat."
Das ist eine wunderbare Perspektive, aus der sich die Gnaden und Herausforderungen des Familienlebens betrachten lassen. Aber ist eine solche Berufung nicht zu anspruchsvoll für uns gewöhnliche Menschen? Nein, sofern wir Gott erlauben, seine Erlösung in uns zu bewirken, und sofern wir uns der großen Bedeutung jener gewöhnlichen, alltäglichen Akte der Treue bewusst bleiben, durch die wir einen ein für alle Mal gefassten Entschluss, treu
zu lieben, verwirklichen und erneuern.