Liebe Mitbrüder, ich möchte euch einige Gedanken zum Synodalen Weg der Kirche in Deutschland mitteilen.
Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass der deutsche Synodale Weg in den letzten Jahren sowohl in den Nachbarländern als auch in Rom Fragen, Bedenken und manchmal auch Missverständnisse hervorgerufen hat. Ich verstehe diese Bedenken und möchte sie sehr ernst nehmen. Gerade deshalb liegt es mir besonders am Herzen, ein Klima des gegenseitigen Vertrauens, des Zuhörens und der kirchlichen Gemeinschaft zu fördern.
Der Synodale Weg in seiner ursprünglichen Form ist nun abgeschlossen. Ich möchte jedoch an den Kontext erinnern, in dem er entstanden ist.
Die Kirche in Deutschland wurde durch die schrecklichen Fälle von sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch zutiefst verletzt. Diese Vorfälle haben bei den Opfern unermessliches Leid verursacht und die Glaubwürdigkeit der Kirche schwer beeinträchtigt.
"Weg der Umkehr, der Verantwortung und der Erneuerung"
Wir müssen demütig anerkennen, dass viele Menschen das Vertrauen in uns verloren haben. Heute ist es in Deutschland nicht ungewöhnlich, dass man der Polizei oder der Feuerwehr mehr vertraut als einem katholischen Priester. Das ist eine schmerzhafte Realität, die uns zutiefst herausfordert.
Wir befinden uns daher auf einem Weg der Umkehr, der Verantwortung und der Erneuerung, mit dem aufrichtigen Wunsch, das verlorene Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen. Wir wissen, dass dies Zeit, Geduld und vor allem glaubwürdige Zeugnisse erfordert. Aber ich persönlich blicke hoffnungsvoll in die Zukunft.
In diesem Zusammenhang möchte ich mit Gelassenheit und Überzeugung einen für uns grundlegenden Punkt hervorheben: Wir wollen diesen Weg als katholische Kirche gehen, in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater und in Treue zum Lehramt der Kirche.
"Keinen eigenen oder isolierten Weg einschlagen"
Insbesondere möchte ich drei Aspekte hervorheben, die ich für wesentlich halte.
Erstens: Wir wünschen uns, dass jeder Schritt auf unserem Weg unter voller Achtung des kanonischen Rechts und der kirchlichen Ordnung erfolgt.
Zweitens: Wir wollen unsere Überlegungen und Initiativen weiterhin im engen Dialog und im ständigen Austausch mit Rom entwickeln, im Geist des Zuhörens und der Gemeinschaft.
Drittens: Wir wollen keinen eigenen oder isolierten Weg einschlagen. Wir wollen keinen spezifisch deutschen Weg, der uns von der Weltkirche entfernt. Im Gegenteil: Wir möchten unseren Beitrag zum Leben und zur Mission der Kirche leisten, indem wir gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern im Glauben voranschreiten.
Letztendlich ist das, was uns verbindet, viel größer als das, was uns manchmal trennt.
Auch für uns in Deutschland bleibt die entscheidende Frage dieselbe: Wie können wir heute das Evangelium Jesu Christi verkünden? Wie können wir mit unserem Leben die Freude des Glaubens bezeugen? Wie können wir den Menschen nahe sein, vor allem denen, die leiden, die Hoffnung suchen oder sich von der Kirche entfernt haben?
Das ist unser gemeinsamer Auftrag.
Herzlichen Dank an euch alle und danke für eure Gebete.
Heiner Wilmer, Bischof von Münster, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Salzburg, am 30. Oktober 2026