Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes: Gottesfurcht heißt, das Geheimnis des Schöpfers anzuerkennen. Das verändert das Leben.

In der Firmung wird um den "Heiligen Geist, den Beistand" gebetet, dabei wird dieser Geist der "Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis und der Stärke, de[r] Geist der Frömmigkeit und der Gottesfurcht" genannt. In siebenfacher Weise wird der Heilige Geist demnach beschrieben.

Diese Facetten des Heiligen Geistes entsprechen biblischer Überlieferung. Jesaja 11,1–3 formuliert:

"[A]us dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des HERRN ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des HERRN."

Aus dieser Stelle, die die Christen als eine prophetische Aussage, die auf Jesus Christus hinweist, verstehen, ergibt sich die Lehre von den sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Es fällt auf, dass Jes 11,1–3 den Geist nur sechsfach charakterisiert, während die kirchliche Tradition von sieben Geistesgaben spricht. Hintergrund dieser Differenz ist die Vulgata-Version der Jesajastelle, die sieben Geistesqualifizierungen nennt:

"et requiescet super eum spiritus Domini spiritus sapientiae et intellectus spiritus consilii et fortitudinis spiritus scientiae et pietatis et replebit eum spiritus timoris Domini".

Im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) heißt es:

"Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. In ihrer ganzen Fülle stehen sie Christus, dem Sohn Davids zu. Sie vervollständigen und vervollkommnen die Tugenden derer, die sie empfangen. Sie machen die Gläubigen bereit, den göttlichen Eingebungen willig zu gehorchen."

Um die letztgenannte dieser Gaben des Geistes, um die Gottesfurcht, geht es im Folgenden.1

Gottesfurcht heißt nicht Gottes-Angst

Das Wort Gottesfurcht hat zunächst keinen guten Klang, weil darin das Wort Furcht vorkommt und das assoziativ mit dem unangenehmen Gefühl der Angst verbunden wird. Im ersten Johannesbrief heißt es:

"Furcht (φόβος im Sinne von Angst) gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe." (1Joh 4,17-18)

 Und unmittelbar davor – ein Spitzensatz neutestamentlicher Gottesoffenbarung:

"Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben." (1Joh 4,16-17)

Gottesfurcht kann also nicht heißen, vor Gott oder vor Gottes Bestrafungen Angst zu haben. Die Beziehung zu Gott soll von Liebe, von Geliebt-Werden und Lieben bestimmt sein. Gottesfurcht ist angstfrei.

Am ehesten kommt man dem deutschen Ausdruck "Gottesfurcht" wohl über das Wort Ehrfurcht auf die Spur. In der Ehrfurcht geht es um die "Furcht" vor jemandem, der Ehre hat. Sie bedeutet ein inneres Zurücktreten, ein Zurückschrecken, ein Demütig-Werden, ein Distanz-Wahren (vgl. Lk 18,13), ein Vorsichtig-Sein vor der Ehre eines anderen, in dem Sinne, dass man darin jemandem die Ehre gibt. In diesem Sinne gibt es so etwas wie Ehrfurcht vor dem Heiligen. Darin erweist man Gott, der der Heilige schlechthin ist, Ehrfurcht. Praktisch drückt sich das beispielsweise in einem ehrfürchtigen Verhalten in einer Kirche aus. Man wird still, man macht eine Ehrbezeugung, indem man sich oder sein Knie beugt. Man nähert sich dem Heiligen mit Aufmerksamkeit und Achtung – darin kommt Ehrfurcht vor Gott, eben Gottesfurcht, zum Ausdruck.

Von einem frühkirchlichen Autor, dem heiligen Hilarius von Poitiers († 367) ist ein Text überliefert, in dem über die wahre Gottesfurcht reflektiert wird. Darin wird von Psalm 128,1 ausgegangen: "Wohl dem, der den HERRN fürchtet und ehrt und auf seinen Wegen geht." Dann heißt es:

"Sooft in der Heiligen Schrift von Gottesfurcht die Rede ist, müssen wir uns hüten, die Aussage für sich allein zu betrachten, als genüge sie uns für das Ganze des Glaubens. Vieles folgt, und vieles geht voraus, woraus der Sinn der Gottesfurcht und ihre Vollendung zu ersehen sind."

Hilarius meint also, dass, um das Thema zu verstehen, nicht eine einzelne Bibelstelle ausreicht, sondern dass die Textstellen, in denen von Gottesfurcht die Rede ist, immer im Gesamtzusammenhang, in dem sie stehen, und im Gesamtzusammenhang der ganzen Heiligen Schrift zu interpretieren sind. Er zitiert zur Illustration Spr 2,3.5:

"Wenn du nach der Weisheit rufst, zur Einsicht deine Stimme erhebst, wenn du sie suchst wie Silber, nach ihr forschst wie nach Schätzen: dann wirst du die Gottesfurcht begreifen."

Der Weg, um die Gottesfurcht zu verstehen, ist also das Suchen nach Weisheit und Einsicht in einer Weise, wie man nach Silberminen gräbt.

Es braucht, so fährt Hilarius fort,

"viele Stufen, bis man zur Gottesfurcht gelangt. Zuerst müssen wir die Weisheit anrufen. Sodann müssen wir unsere ganze Kraft darauf richten, das Wort Gottes zu verstehen sowie die Weisheit zu suchen und zu durchforschen. Dann werden wir die Gottesfurcht verstehen."

 In diesem Sinne heißt es auch in Spr 9,10: "Anfang der Weisheit ist die Furcht des HERRN."

Nun geht es um den Unterschied zwischen der Gottesfurcht und der Angst.

"Wie die Menschen gemeinhin sie verstehen, so dürfen wir nicht von ihr [der Gottesfurcht] denken. Die Furcht ist das Erzittern menschlicher Schwäche, die bangt erleiden zu müssen, was sie nicht mag. Sie ist in uns und regt sich im Schuldbewusstsein, sie wird wach gegenüber dem Recht des Mächtigeren und dem Angriff des Stärkeren, gegenüber Krankheitsursachen, gegenüber dem Angriff wilder Tiere und allem Leid und Übel. Diese Furcht braucht nicht gelehrt zu werden. Sie kommt aus der Schwachheit der Natur. Wir lernen auch nicht erst, was zu fürchten ist. Denn der Gegenstand der Furcht jagt uns selbst seinen Schrecken ein."

Angst also vor dem Krankwerden, Angst vor dem Chef, Angst vor einem Hai, wenn man im Meer schwimmt, Angst vor dem Durchfallen bei einer Prüfung, Angst, wenn man in der Nacht allein in einer unsicheren Gegend unterwegs ist oder Angst vor verrückten Politikern, all das muss nicht gelernt werden und ist eher eine unangenehme Schwäche, die man nicht haben will und die wir immer wieder versuchen zu überwinden, vor allem dann, wenn die Angst unbegründet ist.

Mit der Gottesfurcht ist es anders; von ihr heißt es in Ps 34,12: "Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Die Furcht des HERRN will ich euch lehren!" Hilarius sagt weiter:

"Die Gottesfurcht muss also gelernt werden, […]. Sie beruht nicht auf Schrecken, sondern auf der Einsicht in die Lehre [Gottes]. Der Zugang zu ihr ist nicht ein Erzittern unserer Natur, sondern Beobachtung der Gebote; es sind Taten eines schuldlosen Lebens und Erkenntnis der Wahrheit. Für uns besteht die ganze Gottesfurcht in der Liebe, und die vollkommene Liebe vollendet die Furcht, die noch in unserer Liebe ist. Es ist die ureigenste Aufgabe unserer Liebe zu Gott, seine Mahnungen zu befolgen, seine Gebote zu halten und auf seine Verheißungen zu vertrauen."2

Gottesfurcht ist damit letztlich nichts anderes als Liebe zu Gott. Und diese Liebe zu Gott zeigt sich im Halten seiner Gebote, in einem Leben nach seiner Weisung und im Vertrauen auf seine Verheißungen. Diese Gottesfurcht ist nicht Schwäche, sondern Stärke, die aus einer gelebten Beziehung zu Gott kommt. Sie ist etwas, was Tag für Tag eingeübt und neu gelernt werden muss. Im Hintergrund stehen die schon zitierten Stellen 1 Joh 4,17-18 sowie 1 Joh 5,3 und Joh 14,21.

Erschrecken vor dem Gericht statt Menschen-Angst

Zur Gottesfurcht gehört in der christlichen Frömmigkeitsgeschichte auch ein Ernstnehmen des Glaubensartikels "von dort [der Rechten des Vaters] wird er [Jesus Christus] kommen, zu richten, die Lebenden und die Toten." Ein heilsamer Schrecken vor dem Gericht Gottes kann ein Impuls sein, um Böses zu unterlassen und Gutes zu tun.

Zur Gottesfurcht im Zusammenhang mit dem Gericht Gottes auch hier eine originelle Stimme aus der Alten Kirche. Gregor der Große († 604) formuliert in einer Predigt:

"Bringt daher […] euer Leben und euren Wandel in Ordnung. Stellt euch schon jetzt vor Augen, wie streng der im Gericht kommen wird, der sanftmütig vom Tode auferstand. Er wird gewiss am Tage der furchtbaren Prüfung mit Engeln, Erzengeln, Thronen, Herrschaften, Fürsten und Mächten den Seinen erscheinen, Himmel und Erde werden brennen, alle Elemente werden im Schrecken ihrer Unterwerfung erschüttert werden. Stellt euch also den so furchtbaren Richter vor Augen. Fürchtet ihn, der kommen wird, damit ihr, wenn er gekommen ist, nicht mutlos seid, sondern ihn ohne Sorge schauen könnt. Man muss ihn also fürchten, damit man ihn nicht zu fürchten braucht. Der Schrecken vor ihm übe uns in der Gewohnheit guten Handelns, die Furcht vor ihm bewahre unser Leben vor Verkehrtheit." (Homilie 26,10)

Der Kerngedanke dieses Abschnitts ist, dass die recht verstandene Gottesfurcht, die hier als Erschrecken vor dem Ernst des Gottesgerichtes beschrieben ist, von der Angst vor Gott und seinem Gericht befreit. Wer Gott fürchtet, muss ihn nicht fürchten. Wer ein Leben in Gottesfurcht führt, der braucht vor der Begegnung mit Gott im Gericht keine Angst zu haben. Der Gedanke an Gottes Gericht motiviert zu rechtem Leben und gutem Handeln.

Dem entspricht ein Jesuswort:

"Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!" (Mt 10,28)

Auch hier ist Gottesfurcht als Furcht vor dem Gericht Gottes verstanden, die umgekehrt zu einer Angstfreiheit vor den Menschen und hier besonders vor den Mächtigen führen soll. Gottesfurcht als Anerkenntnis von Gottes Macht befreit von der Angst vor der Macht derer, die "töten können" und doch im Gericht Gottes machtlos bleiben.

Die Unverfügbarkeit Gottes

Das Heilige wurde vom Religionswissenschaftler und Theologen Rudolf Otto (1869–1937) phänomenologisch als "Mysterium tremendum et fascinans" beschrieben. Gott, der der Heilige schlechthin ist, ist ein Mysterium, das zum einen fasziniert und anzieht, dessen Gegenwart aber auch erschütternd und erschreckend ist. Diese Beschreibung entspricht mystischen Erfahrungen und auch biblischen Beschreibungen von Gott. Das in der Bibel häufig belegte "Fürchte dich nicht!" im Zusammenhang mit Gottes-Epiphanien ist Ausdruck dafür, dass die Begegnung mit Gott zunächst auch ein Erschrecken auslöst.

Gottesfurcht erinnert an das Mysterienhafte, an das Geheimnisvolle Gottes. Gottesfurcht ist sich der Ewigkeit und Unendlichkeit Gottes bewusst. Gott ist uns nicht verfügbar im Sinne einer Sache. Sein Wesen und Handeln bleiben unbegreiflich. In seiner Größe und seinem Geheimnis ist er uns Menschen nicht fassbar. Die Wege seiner Vorsehung bleiben oft unverständlich und dunkel. Und doch ist er Gott, der Ursprung allen Seins und das Ziel alles Lebens. Er ist das Schicksal der Menschen, der Geschichten und aller Zeiten. Die Ehrfurcht vor aus unserer Sicht oft unverständlichen Entscheiden Gottes, das ist die Gottesfurcht.

Die Offenbarungen Gottes in der Bibel enthalten Bilder, die Gott verständlich machen wollen. In ihnen gibt es eine Dimension, die auch der Erfahrung der Mystiker entspricht, die sagt: je mehr du Gott nahekommst, desto größer wird auch das Geheimnisvoll-Unverstandene an ihm. Je mehr du in sein Licht eintrittst, desto mehr wirst du einer Überhelle gewahr, die dem menschlichen Empfinden nach wie Dunkelheit erscheint, weil sie blendet (vgl. Apg 9,3-9). Gott ist so groß, dass er als Gefundener je neu gesucht werden muss. Mit Jesus gesprochen: Er führt auf Wege des Leidens und des Kreuzes, um gerade so zum Heil zu führen. Gottesfurcht nimmt Gott in seiner Größe an, gerade auch da, wo sein Wesen menschliches Verstehen übersteigt.

Diese gottesfürchtige Erweiterung des Gottesbildes ist wichtig, weil Gott in menschlichem Denken und Beten und auch in der Theologie oft klein gemacht und als der "lieben Gott" verharmlost wird. Wenn von Gott nur das übrigbleibt, was verständlich erscheint, dann wird er um das Wesentliche seines Gott-Seins verkürzt. Die schon zitierte Offenbarung des Neuen Testaments, dass Gott die Liebe ist, wird in ihrer Neuheit erst verständlich, wenn sie mit der Offenbarung von Gottes Größe und Macht zusammen gesehen wird. "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken." (Jes 55,9)

Diese Unverfügbarkeit Gottes, die der Gottesfurcht korrespondiert, bringt der folgende Text zum Ausdruck. Überliefert wird hier ein Dialog zwischen Mose und Gott. Moses bittet: "Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen!" Gott gibt zur Antwort:

"Ich will meine ganze Güte vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des HERRN vor dir ausrufen. […] Du kannst mein Angesicht nicht schauen; denn kein Mensch kann mich schauen und am Leben bleiben. […] stell dich da auf den Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. Dann ziehe ich meine Hand zurück und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht kann niemand schauen." (Ex 33,18-23)

Hier klingt die alte Vorstellung an: Gott kann man nicht sehen und am Leben bleiben. Gottes Größe und Herrlichkeit, seine Kraft und seine Wahrheit sind so überwältigend, dass ein Mensch die Begegnung mit ihr nicht überleben kann. Niemand kann Gottes Wahrheit ins Auge blicken. Im Bild gesprochen: Man kann nur den Rücken Gottes sehen. Gott lässt sich von uns nur aspektivisch wahrnehmen.

Erst vor diesem Hintergrund ist die Größe anderer Aussagen verständlich, wenn es über ebendiesen Moses heißt: "Der HERR und Mose redeten miteinander von Angesicht zu Angesicht, wie einer mit seinem Freund spricht." (Ex 33,11) Oder wenn es vom Bundesschluss am Berg Horeb heißt: "Von Angesicht zu Angesicht hat der HERR auf dem Berg mitten aus dem Feuer mit euch geredet." (Deut 5,4) Schließlich begegnet das Thema auch im Neuen Testament. Jesus sagt: "Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat." (Joh 12,45) Und: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen." (Joh 14,9)

Das meint: Wer Jesus ins Angesicht blickt, der hat dem ewigen Gott ins Angesicht geblickt. Aus der Grund-Überzeugung heraus, dass niemand Gottes Angesicht sehen kann, ohne zu sterben, werden die Radikalität, die Neuheit und die Liebe deutlich, die sich in diesen anspruchsvollen Worten ausdrücken.

Ehrfurcht vor Gott und den Geschöpfen

Nach christlicher Überzeugung sind Gottes- und Nächstenliebe zwei Seiten derselben Medaille (vgl. Mt 22,37-40; 1Joh 4,20). "[I]n der Liebe zum Nächsten wird [erlernt], wie man zur Gottesliebe gelangen soll" (Gregor der Große, Homilie 26,3). Analog kann man wohl auch formulieren: In der Ehrfurcht vor den Geschöpfen wird erlernt, wie man zur Gottesfurcht gelangen soll. Und umgekehrt: In der Gottesfurcht wird die Ehrfurcht vor dem Mitmenschen gelernt. Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung sind zwei Seiten derselben Medaille, "denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird in Entsprechung ihr Schöpfer erschaut." (Weish 13,5)

Gabe, nicht Leistung

Die Gottesfurcht wird als eine von insgesamt sieben Gaben des Heiligen Geistes verstanden. So gesehen sind diese sieben Gaben nicht als voneinander abgegrenzte Einzelwirklichkeiten zu verstehen, sondern als siebenfältige Weise der einen Gabe, die der Heilige Geist selber ist. Die einzelnen Gaben bedingen und ergänzen sich gegenseitig.

Insofern diese Gaben als Gaben des Heiligen Geistes verstanden sind, sind sie keine Eigenleistungen, sondern, wie der Name sagt, Gaben, also geschenkte Güter. Sie müssen von Gott her erbeten, empfangen und mit dem eigenen Leben an- und aufgenommen werden. Diese Gaben bewirken ein Leben, das die Früchte des Heiligen Geistes hervorbringt.

Gottesfurcht bedeutet, eine Ahnung von der immer noch größeren Größe Gottes zu haben und darum zu wissen, dass Gott Mysterium ist, das uns in vielem entzogen bleibt. Aber Gottesfurcht meint nicht vor dieser Unverfügbarkeit Gottes zu resignieren, sondern ihr gerecht zu werden, indem Gott und die Beziehung zu ihm gesucht wird und auch versucht wird, Gott zu verstehen. Indem man sich seiner Heiligkeit bewusst wird, kommt man ihr näher.

In diesen Aspekten Gottes kommt auch eine Ehrfurcht Gottes vor seinen Geschöpfen zum Ausdruck. Gott hat Ehrfurcht vor dem Menschen und will ihm seiner Freiheit nicht nur nicht berauben, sondern diese ermöglichen. Vielleicht kann man Gottesfurcht deshalb auch als ein Wissen um die je größere Freiheit Gottes beschreiben. Indem diese Freiheit Gottes anerkannt wird, wird auch gelernt, was Freiheit heißt: ein Leben zu leben, das sich in Freiheit dem Mysterium Gottes annähert und in ihm jene Liebe entdeckt, die das Leben ermöglicht. Das wäre dann die Freiheit für ein Leben in Liebe und Gottesfrucht.

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