Ich habe es vom Herbst, er hat zahllose Winde bestellt, daran ist er irre geworden, ich habe es aus Czernowitz, alles von dort, nur während ich schreibe, ist alles falsch.
Ich habe es von dem Denkmal an der Hauptstraße, Trolleybusse, Menschen in Eile, Männer in Uniform, Paul Celan in seiner kleinen Parkanlage, Schulmädchen setzen sich, halten einander kichernd das Smartphone vors Auge, die alte Gärtnerin fegt mit dem Reisigbesen sorgfältig das Laub beiseite, nimmt es mit der Schaufel auf und birgt es im Sack.
Ich habe es von dem Gedicht an der weißen Wand, Petro Rychlo hat es ins Ukrainische übersetzt, die Buchstaben schwarz, wie die Erinnerungswunde.
Von der Straße habe ich es, hinter den Märkten über den Hügel, von dem Friedhof zur linken, den
lange das lange Gras bewohnt, von hier bis zur Herberge Blätterbraun, Blätterrot, noch mehr und noch mehr Herbst.
Ich gehe und lese die Namen: Kampelmacher, Steiner, Billig, Kraus, Trichter, Meisler, Kiesler, Maidanek, Starver, Gottlieb, Becker, Waldmann, Katz, Kagan, Baron, Steinmetz, Engel, Aronowitsch, Schenderowitsch, Rosenfeld, Gelman, Feldmann, Halfin, Feinboim, Thau, Greif, Kesselmann, Malamud, Seidenstein, Trachtenbroid, Herzberg, Goldenberg, Lenitschka, Streicher, Skladmann, Grodman.
Ich habe es von dem Lyzeum, das einst auch die Kinder der Deutsch besuchten, die Sandsäcke in den unteren Fenstern zum Schutz, Alarm, jeden Tag Alarm.
Ich habe es von den alten Türen, vor denen wir standen, den Leuten in ihre neuen Fenster schauten, hier lebten und lernten die Mädchen Selma und Rose, die jungen Isaak, Alfred, Paul und schrieben die Welt auf, Czernowitz, ich habe es von ihnen, obwohl ich nichts haben kann.
Ich habe es von der Buchhändlerin auf der Herrengasse, den historischen Stadtplan hat sie nicht, ich nehme die historischen Postkarten, Wien im Buchenland, und gehe und kenne jedes Haus.
Ich habe es von dem frühen Morgen, der nächtliche Angriff galt einer anderen Stadt, die Händler kommen zur Markthalle, schon prangen die Stände, unweit auf dem stillen Platz polierte Bronze, Kaiser Franz-Joseph, Straßenhunde trotten in dem Licht der Morgensonne, lässig queren sie die schon befahrene Straße.
Ich habe es vom Pruth, den Fluss wollte ich sehen, zu Fuß wollte ich hin; wie ich verpflichtet wurde, ein Taxi zu nehmen, "und melden Sie sich, wenn Sie am Fluss sind", ich tat es, einen großen Kiesel in der Hand, ich habe es von Halia, Danke!
Ich habe es von Taira, sie hatte Gedichte vorgetragen, saß an dem Tischchen draußen, Zigarette im Mund, Stift zum Signieren, Slava kommt mit dem Rotwein, sie spricht, sie redet, sie lacht, sie strahlt, sie schaut dir in das Gesicht, keine und keiner steht hier umsonst in der Schlange, der Totenkopf auf dem Umschlag des Buchs, sie wirft einen Kuss herüber, jetzt fährt sie zurück an die Front. Und Schritte bergauf und unerträglicher Glaube. Alles hinauf, hinauf, wie in schwarzes Wasser.