Gemeinsames JaStändige Diakone werden sichtbar

Im Bistum Mainz wurden kürzlich Ständige Diakone und angehende Priester gemeinsam geweiht. Warum das ein wichtiges Zeichen ist.

Diakonenweihe
© Lukas Barth/KNA

Es gehört zu den amtstheologischen Besonderheiten der katholischen Kirche, dass es zwei unterschiedliche Formen des Diakonats gibt. Sogenannte Ständige Diakone können verheiratet sein und Kinder haben. Die zweite Gruppe bilden Männer, die Priester werden wollen, aber als erste „Weihestufe“ zunächst zum Diakon geweiht werden und es auch eine Weile bleiben. Sie leben zölibatär.

Als Diakone teilen alle die gleiche Berufung: Sie wollen verbindlich und lebenslang Ja zu Jesus und seinem Evangelium sagen, für Menschen in schwierigen Situationen da sein und in der Feier von Gottesdiensten und Sakramenten Gottes Nähe erfahrbar machen. Und dennoch werden sie unterschiedlich behandelt. Die Weihen erfolgen meist getrennt, die Berichterstattung rund um angehende Priester ist weitaus größer als die um Ständige Diakone.

Im Bistum Mainz wurden vor Kurzem erstmals die Kandidaten für beide Lebensformen gemeinsam geweiht. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Signal.

Beide Gruppen haben einander etwas zu sagen und können sich inspirieren. Die Diakone, die zölibatär leben, bezeugen die existenzielle Dimension der Entscheidung, dieser Berufung zu folgen. Neben der Nachahmung von Jesu Lebensform ist eines der Hauptargumente für die Ehelosigkeit, frei für die Anliegen der Menschen zu sein. Auch für Ständige Diakone würde im Falle des Todes der Ehefrau übrigens fortan die Zölibatsverpflichtung gelten. Die Ständigen Diakone wiederum haben eine besondere Verbindung zu den Gläubigen, von denen viele in Partnerschaften und Familien leben. Sie teilen die täglichen Herausforderungen und haben so die Chance, als nahbare Seelsorger und bodenständige Prediger wahrgenommen zu werden.

In Weihe-Predigten wird gerne betont, dass auch Priester immer Diakone bleiben. Eine besondere Aufmerksamkeit für Menschen in Not und Hilfsbereitschaft sollen sie also auch dann noch auszeichnen. Die gemeinsame Weihe mit den Ständigen Diakonen und die daraus erwachsene Verbundenheit erinnert besonders daran.

Der vielleicht wichtigste Aspekt der gemeinsamen Weihe aber ist, dass die Ständigen Diakone dadurch mehr Sichtbarkeit bekommen.

In der katholischen Kirche wird viel über die mögliche Priesterweihe von sogenannten viri probati, also erfahrenen, verheirateten Männern, diskutiert. Bisher wird aber verhältnismäßig wenig denen zugehört, die wie Diakone oder auch die verheirateten Priester der katholischen Ostkirchen versuchen, ein geistliches Leben und ein Familienleben miteinander zu verbinden. Wie lässt sich ein Gebetsleben in den turbulenten Familienalltag integrieren? Wie kann ich spirituell auftanken, wenn ich immer unerledigte To-dos auf meiner Liste habe? Wie kann meine Erfahrung als Ehemann und Vater in meine Tätigkeit in Seelsorge und Verkündigung einfließen? Wie kann ich echte Gastfreundschaft leben, wann muss ich für meine Familie Grenzen ziehen? All das sind Fragen, zu denen Ständige Diakone schon heute viel zu sagen haben.

Die Berufungen ergänzen sich

Der Belgier Geert de Cubber legt den Finger in diese Wunde. Er war als einziger Ständiger Diakon bei der Weltsynode zum Thema Synodalität (2021-2024) dabei. Laut einem Bericht von Vatican News machte er dort die Erfahrung, wie wenig diese Berufung überhaupt bekannt ist. Seit Ostern bereist er deshalb alle Kontinente, um sich über den Ständigen Diakonat auszutauschen. Die Ergebnisse will er in einem Buch veröffentlichen. Auf Instagram kann man ihn auf seiner Reise begleiten.

Die gemeinsame Weihe rückt den Ständigen Diakonat etwas mehr ins Rampenlicht und zeigt, dass es schon heute verheiratete Kleriker in der katholischen Kirche gibt. Sie unterstreicht, dass die entscheidende Verbindung das gemeinsame Ja ist. Damit wird einem Konkurrenz- und Abgrenzungsdenken eine Absage erteilt und die vom Zweiten Vatikanischen Konzil herausgestellte Komplementarität der verschiedenen aus der Taufe resultierenden Berufungen tritt deutlicher zutage. Und schließlich wird ein vorsichtiger Schritt in die Richtung unternommen, dass eine ernsthafte Christusnachfolge auch in der Lebensform von Ehe und Familie möglich ist.

COMMUNIO Hefte

COMMUNIO im Abo

COMMUNIO will die orientierende Kraft des Glaubens aus den Quellen von Schrift und Tradition für die Gegenwart erschließen sowie die Vielfalt, Schönheit und Tiefe christlichen Denkens und Fühlens zum Leuchten bringen.

Zum Kennenlernen: 1 Ausgabe gratis

Jetzt gratis testen