Welt verstehen
Zum Kommentar: „Beratungen sub et cum Petro“ (CIG Nr. 1, S. 2)
Es ist erfreulich, dass Papst Leo mit dem außerordentlichen Konsistorium eine gute Zusammenarbeit mit der Kurie sucht. Allerdings macht mich die Zusammensetzung dieses Beratungsgremiums nachdenklich. Welches Weltbild haben die sicher theologisch hochqualifizierten Herren? Kann man auf dieser Basis unsere Kirche in einer sich ändernden Welt weiterentwickeln? Besonders kritisch sehe ich, dass keiner der Kardinäle die Chance hat, von seinen Kindern oder Enkeln zu lernen. Dieser besondere, vertrauensvolle Kontakt ist nach meiner Erfahrung sehr wertvoll, um „die Welt“ auch im Alter zu verstehen.
Thomas Michalski, Hildesheim
Befremdlich
Zum Bericht „Begeisterung und Bedenken“ (CIG Nr. 1, S. 4)
Ein „Hochleistungsglaube“ kann überfordern und Schaden anrichten. Insofern bleibt der missionarisch motivierte „Sanierungsprozess“ aus meiner Sicht in vielen Fällen zumindest fraglich. Es ist ein Verdienst der Dokumentation, auf problematische Strukturen innerhalb der neuen Bewegungen aufmerksam gemacht zu haben.
Michaela Hainz, Rötz
Mich befremdet, wie stark das Christentum von den neuen Bewegungen vereinnahmt wird. Wer Glauben kontemplativ und fragend lebt, findet sich darin kaum wieder. Meine Sorge ist, dass Menschen, denen einfache Antworten nicht genügen, sich von der Kirche abwenden, weil sie Christentum mit genau dieser Engführung identifizieren. Ein lebendiges Christentum braucht mehr als eine dominante Glaubensform. Es lebt von unterschiedlichen Zugängen.
Philip Moser, Traunstein
Typisch Mann?
Zum Beitrag „In Resonanz“ (CIG Nr. 1, S. 4)
So sehr ich Romano Guardini schätze, das Zitat am Anfang des Artikels zeigt – meiner Meinung nach – eine „typisch maskuline“ Sichtweise auf den Menschen. Dabei spricht doch gerade das Lukasevangelium vom Anfang der menschlichen Existenz Jesu, des Logos, der Fleisch geworden ist, vor seinem Geborenwerden.
Das finde ich das Bemerkenswerte bei Lukas, dass er in der Begegnung der beiden schwangeren Frauen und damit der beiden im Leib ihrer Mütter heranwachsenden Kinder eine Wirklichkeit zeigt, die kaum Beachtung findet: Kein Mensch wird als „unbeschriebenes Blatt“ geboren, sondern sammelt gleichsam schon in den Monaten der Schwangerschaft Erfahrungen … Nur hat kein Mensch dafür Worte.
Michael Donie, Aachen
Ganzer Mensch
Zum Artikel „Die Tür einen Spalt weit offen halten“ (CIG Nr. 52/2025, S. 6)
Ich habe im Unterricht die Erfahrung gemacht: Wenn Schüler spüren, da ist einer, der will uns nicht Wissenssätze um die Ohren schlagen, sondern er bringt sich ein mit seiner ganzen Person in seinem Glauben, mit allen Stärken und Schwächen – dann wird der Unterricht zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen.
Friedhelm Erdmann, Bottrop
Gedichtet
Zum Zeitgang „Zwischen Dunkelheit und Licht“ (CIG Nr. 52/2025, S. 3)
Der Beitrag und das Foto der Mostarbrücke in Bosnien und Herzegowina haben mich an das Gedicht Die Brücke erinnert, das ich vor langer Zeit geschrieben habe:
Von beiden Ufern
bauen Menschen Brücken.
Die Brückenteile verfehlen einander.
Der Strom ist so breit.
Einsam stehe ich auf meiner Seite
und strecke die Arme aus.
Der Strom ist so tief.
Da legt Einer einen Balken
über den Strom.
Nun finden meine Hände
die auf der anderen Seite.
Der Strom hat eine Brücke.
Allein stehe ich unter dem Himmel
und strecke die Arme nach ihm aus.
Der Himmel ist viel zu hoch.
Da stellt Einer einen Balken auf.
Es berühren sich Himmel und Erde.
Ich bin nicht mehr allein.
Ursula Sommer, Großen-Buseck
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