Toter Punkt?
Zum Kommentar „Zeit zu handeln“
Das Schicksal von richtigen Erkenntnissen zu kirchenrelevanten Themen in päpstlichen Kommissionen oder synodalen Settings ist immer gleich: Sie verschwinden in Archiven, weil die Zeit noch nicht reif ist. Die Wahrheit indes ist, dass diese Erkenntnisse das klerikale Selbstverständis der katholischen Kirche und die sich daraus ergebende kirchenrechtlich abgesicherte Struktur der Kirche gefährden. Ist das nicht mittlerweile eine schizoide Situation, die dem „toten Punkt“ bei Alfred Delp beziehungsweise Kardinal Marx ähnelt?
Reinhard Grave, Belm
Opfer-Frage
Zum Zeitgang „Selbstverschwendung“
Den Vergleich mit dem Maggi-Würfel finde ich sehr gelungen. Ich freue mich über die verschwenderische Liebe Gottes, die sich im Leben, im Sterben und der Auferweckung Jesu gezeigt hat und immer neu zeigt und möchte immer mehr ein Mensch werden, der auch selber aus dieser Liebe zu leben vermag.
Manfred Müller, Wurmlingen
Großen Dank an den Autor für seinen erhellenden Beitrag über das Wesen der Dogmen. Übrigens: Meines Wissens ist Julius Maggi, der Erfinder des gleichnamigen Würfels, an Überarbeitung gestorben. Hätte er doch nur bei Joachim Negel in die Schule gehen können, dann hätte er gewusst, dass Arbeit nur die Würze in einem erfüllten Leben ist und nicht das Leben selbst.
Willibert Pauels, Wipperfürth
„Gott sei Dank“ – im wörtlichen Sinn –, dass der Autor die Sicht der Opfersymbolik aufhellen konnte. Die Hereinnahme Jesu durch seinen selbst gewählten Weg (Opfer) in Gottes (transzendente) Wirklichkeit bezeugt uns immer wieder aufs Neue dessen je spürbare Nähe.
Dr. Christoph Strötz (online)
Schon das Eingangsbild mit dem Maggi-Würfel ist schief. Sowohl habe ich als Kind nur zu gern den Finger in die Dose mit Brühenpulver getaucht und abgeleckt als auch weiß ich heute, dass ganz ohne Zusatz hervorragende Suppen gelingen. Wer nur mit Geschmackskonzentrat kocht, schafft auch in der Theologie wenig kreatives. Ich begrüße die Debatte im CIG, doch bleibt die Replik deutlich hinter der Erfahrungsstärke des Ausgangstexts zurück: Der Autor schreibt informiert, schafft es aber nicht, die Begriffe mit neuem Leben zu füllen. Nur ein Beispiel: „Das ist mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünde.“ Wir wiederholen es in jeder Eucharistiefeier – wie sollte man solche Aussagen heute neu erschließen? Der Text bleibt die Antwort leider schuldig.
Maurice Frohe, Kevelaer
Ich wundere mich, dass der Autor sich darüber wundert, dass „diese absurde Lesart kaum auszurotten ist“. Gemeint ist wohl die Satisfaktionslehre, Christus habe für unsere Sünden leiden müssen, um die Erbschuld zu tilgen und uns den Zugang zum Himmel zu eröffnen. Wer nur eine Weile im Gotteslob blättert, wird eine Fülle von Liedern finden, die diese sicherlich absurde Deutung nahelegen, Gott habe den grausamen Tod seines Sohnes angeordnet, damit unsere Sünden getilgt werden. Viele liturgische Texte gehen in eine ähnliche Richtung. Etwas ganz anderes ist das „sich Aufopfern“ für einen lieben Menschen.
Siegfried Powalla, St. Augustin
Dass Jesus am Kreuz sterben musste, war den Schriftgelehrten, Pharisäern und Ältesten zuzuschreiben. Wie oft haben sie versucht, Jesus, den außergewöhnlichen Menschenfreund, mit Fangfragen in die Enge zu treiben, und wie mögen sie die Wehe-Rufe gegen sie (vgl. Mt 23,1) aufgenommen haben? Nach der Tempelreinigung heißt es in Markus 11,18: „Die Hohepriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen.“ Von einer Opfer-Theologie, die alle Menschen als „Abgrund“ bezeichnet, distanziere ich mich.
Benedikta Klinkhammer, Dahlem
Heiser singen
Zum Artikel „Das beerdigte Halleluja“
Die symbolische Beerdigung ist eine tolle Idee – sie erinnert mich ein wenig an einen Ausspruch im Kloster Nütschau: „Ich habe mich am Oster-Halleluja heiser gesungen.“ Die Liturgie-Vorgabe, dass in der Fastenzeit das Halleluja durch die Christus-Rufe ersetzt wird, und auch der feierliche Segen am Ostertag – mit dem doppelten Halleluja am Ende – machen deutlich: Ostern und Halleluja gehören zusammen.
Stephan Siegel (online)