Plus
S. 23-27
Den friedensethischen Kern von Magnifica humanitas bildet die Überzeugung, dass dauerhafter Frieden auf Menschenrechten aufbaut und Institutionen und Beziehungen zwischen den Völkern erfordert, die die Menschenwürde aller achten. Dieser Friede steht in engem Zusammenhang mit einer „Zivilisation der Liebe“. Diesem positiven Friedensbegriff steht eine „Kultur der Macht“ gegenüber, in der Krieg als politisches Mittel normalisiert wird. Digitale Technologien und KI verschärfen diese Gefahr: Durch den Einsatz autonomer Waffensysteme scheint die Verantwortung ortlos zu werden, und Algorithmen drohen, das moralische Urteil zu ersetzen. Mit bemerkenswerter Klarheit lehnt Magnifica humanitas die Theorie des „gerechten Krieges“ ab, dabei wird jedoch die Notwendigkeit hervorgehoben, dass ethische Kriterien entwickelt werden und in bewaffneten Konfliktfällen Anwendung finden. In einer Zeit, in der oft und schnell versucht wird, Konflikte mit Gewalt zu lösen, wirbt die Enzyklika für einen auf Gerechtigkeit aufbauenden Frieden. Von Michelle Becka