Impuls PopularmusikVon hier bis aufs Dach – Tex (Christoph Drieschner)

(Hier nachzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=v0U7xBQ0jhg&l ist=RDv0U7xBQ0jhg&start_radio=1.)

Das Lied „Von hier bis aufs Dach“ ist etwas Besonderes. Für mich zumindest. Vielleicht liegt es am nicht so gewöhnlichen instrumentalen Setting, vielleicht an der interessanten Stimme von Christoph Drieschner. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so, wenn Sie sich das Lied angehört haben.
Das Lied selbst passt vom Timbre her sicherlich eher in einen ruhigen Abendgottesdienst der dunkleren Jahreszeit als in einen gemütlichen Sommergottesdienst mit Kaffee und Kuchen.

Aus dem Gespräch mit dem Liedtext ist ein Impuls entstanden, der der Form nach sehr einem Gebet ähnelt. Dementsprechend kann er als solches (z. B. als Abendgebet) gestaltet, oder als Predigtimpuls in einen ruhigeren Gottesdienst integriert werden.

Strophe 1: Die Sonne ist sicher freundlich und gut.
Nur, dafür bist du zu lang wach.
Gott, ich suche das schon so lange. Ich suche einen Ort, der warm, sicher und freundlich ist, der mir Geborgenheit verspricht. Ich suche einen Ort, der sich über meine Seele legt wie der unverhoffte, warme Sonnenstrahl an einem Wintermorgen. Und schon so lange frage ich dich: Gibt es einen solchen Ort, Gott? Diese Frage quält mich und lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Tagelang bin ich wach, bis mir die Augen brennen. Es ist ein Warten auf ... Ein Freisein wollen von. Ein Fragen in aller Hoffnung nach dir, nach mir und nach dem, was dazwischen und danach liegt. Ich höre die Stimme in meinem Kopf singen:

Strophe 1: Was tut noch weher als sehr weh?
Was geht noch kaputt und was kommt danach?
Draußen ist Chaos. Drinnen ist Krieg.
Wer geht dazwischen? Wer holt die Musik?
Wer ist hier? Wer ist ruhig? Und wer ist stark?

Ganz am Anfang war Chaos. Erinnerst du dich? Bei dir und bei mir. Jeder neu geschöpfte Tag ist ein Versprechen. All das ist Sehnen nach Frieden, nach Freiheit, nach einem kreativen Umgang mit den Herausforderungen, die mir zu nahekommen. Es ist ein Schrei nach dir, Gott. Hörst du das? Gehst du dazwischen, wenn es hart auf hart kommt? Flüsterst du mir zu, dass du mich tragen wirst durch das Hohe, das Tiefe und das Dazwischen? Erhebst du deine Stimme, wenn ich frage:

Refrain: Wer kann mich tragen von hier bis aufs Dach?
Wer kann mich tragen ins Freie, wo der Hubschrauber steht?
Kann mich tragen. Wer hält sie in Schach?
Und wer sagt: „Lass die Knarre ruhen und die Geiseln frei!“
Ich bin hier. Ich kann dich tragen.
Gott, ich bin hier. Jetzt. Alles Abmühen, alles dagegen-Ankämpfen hat nichts gebracht. Ich bin ein Fragment. Immer schon. Alles Kämpfen um, alles Kämpfen für. All das hat sie nicht frei gelassen. Meine Angst und mein Zweifeln. Es sind Geiseln, die ich nicht allein loslassen kann. Ich brauche jemanden, ich brauche dich, Gott, der sagt: Lass die Waffen ruhen. Ich brauche jemanden, der sagt: Es ist gut. Lass sie los. Ich bin hier, ich kann dich tragen. Über deine Ängste hinweg. Ich bin da und kann dich tragen. Trotz aller Zweifel, die an dir nagen. Ich bin da.

Strophe 2: Der Affe kommt wieder. Umklammert den Hals,
Raubt mir die Luft und die Nacht.
Er krümmt mich, er frisst meine Nägel,
er schließt mein Visier und zieht in die Schlacht.
Sie kommen nicht mehr so häufig wie früher. Je älter ich werde, desto fester werde ich. Fester im Vertrauen. Fester und sicherer. Oder verwechsle ich „fest“ mit „hart“, weil man sich den herausfordernden Fragen schon so häufig stellen musste? Weil man sich schon so oft so klein gefühlt hat: Vor den Aufgaben, vor anderen Menschen und manchmal sogar vor dir, Gott. Manchmal zerrt es doch noch an mir. Es klammert sich an meinen Hals und raubt mir die Ruhe. Ich atme unruhig und schwer. Sie kehren ab und an zurück. Zweifel und Ängste. Dass ich irgendetwas anders hätte machen sollen, können oder vielleicht sogar müssen. Ist das, was ich hier mache, richtig? Ist es richtig, wie ich mich gebe? Ist es richtig, dass ich mich manchen Dingen verwehre?

Strophe 2: Draußen ist Chaos. Drinnen ist Krieg.
Wer geht dazwischen? Wer holt die Musik?
Wer ist hier? Wer ist ruhig? Und wer ist stark?
Und nach dem Chaos kommt Ordnung. Ein Wunder. Vielleicht ist es das Wunder, das ich am wenigsten verstehe von allen Wundern, die du wirkst: dass die Dinge eine Ordnung haben. Ist das so gewollt? Gott, ist das von dir so gewünscht? Dass nach allem Zetern und Gewese, nach allem Sturm wieder deine Normalität einzieht? Eine Ruhe, die das Ziehen und Verbiegen beendet. Eine tiefe Gewissheit, dass alles Kämpfen und Abrackern ein Ablaufdatum hat. Ein Vertrauen, das nicht erklärt werden muss, weil es einfach da ist? Vielleicht ist es nicht immer präsent, vielleicht gerade jetzt nicht, aber es ist da und zieht von Zeit zu Zeit wieder ein. In aller Leichtigkeit hältst du zu mir. In jedem Gebet bist du dabei. In jeder Melodie kannst du mich halten, damit ich andere halten kann, die vielleicht auch manchmal ganz leise fragen:

Refrain: Wer kann mich tragen von hier bis aufs Dach?
Wer kann mich tragen ins Freie, wo der Hubschrauber steht?
Kann mich tragen. Wer hält sie in Schach?
Und wer sagt: „Lass die Knarre ruhen und die Geiseln frei!“
[…]
Bridge: Und wenn es nur für die Etappe ist, für deine aufgeschlag‘nen Knie,
für die Schrammen übers Herz und die gequälte Fantasie.
Nur, bis du wieder steh‘n kannst. So groß und scheinst und brennst.
Bis du wieder hör‘n und seh‘n kannst, bis die Sonne dich erkennt ...
Gott, ich suche das schon so lang. Ich suche nach dem, was mich trägt, über die Etappe hinaus. Nach dem, was das geschundene Herz heilt. Ich suche nach dem, was über mich und die anderen hinausreicht. Nach dem, was mir die Gewissheit gibt, dass da mehr ist. Ich bin auf der Suche nach dir, Gott. Und was sagst du?

[…]
Ich bin hier.
Ich kann dich tragen.
[…]

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