Fünf Statements aus der PraxisVom Gärtnern und Erziehen

Wie definieren Krippenfachkräfte pädagogische Professionalität? Was mögen sie an ihrem Job – und was bereitet ihnen Probleme? Wir haben nachgefragt.

Vom Gärtnern und Erziehen
© Markus Spiske - Pexels

 „Professionalität heißt auch, eigene Standpunkte zu vertreten.“

Krippenerzieherinnen haben andere Ansätze als Fachkräfte in den Elementargruppen. Die Kinder müssen besonders Geborgenheit und Vertrauen spüren, der Beziehungsaufbau erfolgt vor allem über körperliche Nähe. Außerdem gelten die Bildungsleitlinien auch für Krippenkinder. Deshalb war es für mich selbstverständlich, eine Langzeitfortbildung zur Fachfrau für frühkindliche Bildung zu absolvieren. Auf Augenhöhe sein, beobachten, was das Kind in seinem jetzigen Entwicklungsstand braucht. Jedes Kind als Individuum sehen und es in seiner Entwicklung begleiten und unterstützen – das ist meine Professionalität, die ich durch ständige Weiterbildung und Praxis erlange und durch die ich zur Fachfrau werde. Ein weiterer Aspekt meiner Professionalität zeigt sich in der Beziehung zu den Eltern. Ich muss ihnen die Sicherheit vermitteln, dass sie richtig entschieden haben, ihr Kind in die Krippe zu geben. Das bedeutet für mich auch, meine Arbeit transparent zu machen und Standpunkte vertreten zu können. Ich schaffe eine Basis, auf der die Elementargruppen aufbauen, und habe eine Vorbildfunktion, z. B. wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht. Deshalb müsste die Krippenarbeit einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft haben und auch das Gehalt in angemessenem Verhältnis zu meiner Arbeit stehen, die sehr verantwortungsvoll ist.

„Die Resonanz auf meinen Job ist durchweg positiv.“

 Als einzige männliche pädagogische Fachkraft in der Kita habe ich immer noch eine Sonderrolle, die ich aber positiv sehe. Meine Kolleginnen und die Eltern freuen sich, denn ich kann männliche Bezugsperson für jene Kinder sein, die eine solche zu Hause nicht haben. Und auch außerhalb der Kita bekomme ich gutes Feedback, obwohl die Leute oft erst mal erstaunt sind. Ich sehe mich selbst nicht gerne als Erzieher, der Begriff Kindergärtner beschreibt meine Rolle viel besser: gärtnern, im Sinne von pflegen und beim Gedeihen begleiten, statt am Kind herumziehen, sprich: ihm Inhalt und Tempo seiner Entwicklung und Bildung vorgeben. Das Schönste an der Arbeit in der Krippe ist für mich, die Entwicklung der Kinder aktiv begleiten zu können. Problematisch hingegen ist der schlechte Personalschlüssel im u3-Bereich, der in Mecklenburg-Vorpommern bei 6:1 liegt. Das muss sich bundesweit endlich angleichen.

„Wir legen das Fundament aller Bildungsarbeit.“

Professionalität bedeutet, empathisch und wertschätzend gegenüber Eltern und Kind zu sein. Unsere Aufgabe ist es, zu sehen, wo ein Kind steht, und es durch gezielte Impulse in seiner Entwicklung zu unterstützen. Bei ständiger Unterbesetzung ist der Arbeitsalltag aber kaum zu bewältigen, das geht dann vor allem zu Lasten der Kinder. Deshalb benötigen wir hauswirtschaftliche Kräfte, die sich um die Wäsche, die Zubereitung der Mahlzeiten usw. kümmern, damit wir diese Arbeiten nicht auch noch leisten müssen. Die Anerkennung unseres Berufs hat sich im Laufe der Zeit zwar positiv entwickelt, dennoch wird die Bedeutung des Elementarbereiches immer noch zu wenig erkannt. Das liegt wohl auch an der Berufsbezeichnung „Erzieherin“, die nicht besser ist als der altmodische Begriff der „Kindergärtnerin“. Erziehung ist in erster Linie Aufgabe der Eltern, nicht unsere. Wünschenswert wäre es deshalb, dass sich die Bezeichnung „Elementarpädagogin“ mehr durchsetzt. Sie verdeutlicht, dass unsere Arbeit das Fundament aller Bildungsarbeit darstellt.

„Es herrscht Unwissenheit darüber, was Erzieherinnen leisten.“

Als Erzieherin bin ich immer als ganze Persönlichkeit involviert. Es reicht nicht, mir bestimmte Wissensgebiete anzueignen, ich muss mich immer wieder selbst reflektieren und meine Haltung entsprechend ändern. Würde ich mein Engagement von der gesellschaftlichen Anerkennung abhängig machen, wäre ich nicht mehr in diesem Beruf. Ich orientiere mich eher an der Entwicklung der Kinder und an der Zusammenarbeit mit Eltern und Kollegen. Der Träger unserer Einrichtung sorgt dafür, dass wir personell, finanziell und räumlich bestens aufgestellt sind. Auf dieser Basis kann ich den Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle, gerecht werden. Auf die Politik können wir hingegen absolut nicht zählen. Schwierig finde ich, dass Eltern von der Politik suggeriert wird, Familie und Beruf seien locker miteinander zu vereinbaren. Die Folge ist, dass manche Kinder schon sehr früh mehr als acht Stunden täglich fremdbetreut werden. Wenn sie darunter leiden, ist das für mich persönlich herausfordernd, hier musste ich an meiner professionellen Haltung arbeiten.

„Die Eltern schätzen unsere Arbeit sehr.“

Professionalität bedeutet für mich, dass meine Kolleginnen und ich das pädagogische Konzept, dass wir gemeinsam erarbeitet haben, auch wirklich umsetzen können. Ob wir unsere selbst gesetzten Qualitätsstandards erfüllen, überprüfen wir regelmäßig in Supervisionen und Teamsitzungen, aber auch in täglichen Tür- und Angelgesprächen mit den Eltern. In der engen Zusammenarbeit mit den Eltern fühlen wir uns sehr wertgeschätzt und auch von unserem Träger werden wir angemessen unterstützt, z. B. durch genügend finanzielle Mittel für unsere Arbeit mit den Kindern. Qualität bedeutet auch, genügend Fachkräfte zu haben, um auf die Bedürfnisse der Kinder wirklich eingehen zu können – der Personalschlüssel ist im Vergleich zu anderen Trägern bei uns sehr gut. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen zeigt die Bezahlung von Erzieherinnen jedoch, dass unser Beruf generell immer noch nicht voll anerkannt ist.

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