Fachbegriffe erklärt: Von neurotypisch bis hochbegabt

Abstrakte Zeichnung eines Gehirns

Neurotypisch: Menschen, die ähnlich denken, fühlen, kommunizieren, soziale Interaktionen interpretieren und die Welt wahrnehmen. Man geht davon aus, dass etwa 80 bis 85 Prozent aller Menschen neurotypisch sind.1

Neurodivergent: Menschen, die sich von der neurotypischen Mehrheit unterscheiden. Hierzu zählen Menschen mit ADHS, Autismus, Hochbegabung, Tourette-Syndrom, Fetalem Alkoholspektrum-Syndrom (FASD), motorischen Entwicklungsstörungen und Lernentwicklungsstörungen. Die Meinungen darüber, ob Traumafolgestörungen und Hochsensibilität dazu zählen, gehen auseinander. Neurodivergente Menschen nehmen ihre Umwelt häufig anders wahr und verarbeiten Reize auf individuelle Weise.

Neurodivers: Alle Menschen sind unterschiedlich: Es ist normal, verschieden zu sein. Diese Sichtweise ist einerseits menschenfreundlich und inklusiv. Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass jedes Kind einfach individuell ist, könnte es passieren, dass der Unterstützungsbedarf eines Kindes nicht ernst genommen wird.

Autismus-Spektrum-Störung (früher Asperger-Syndrom, frühkindlicher Autismus und atypischer Autismus): Merkmale von Autismus in der Kita sind zum Beispiel:
Soziale Kommunikation und Interaktion: Gespräche fallen schwer, soziale Signale werden falsch interpretiert, Mimik oder Gestik werden nicht richtig interpretiert und selbst wenig eingesetzt
Gleiche Handlungen oder Worte: Vorliebe für Rituale und Abläufe, Schwierigkeiten, mit Veränderungen umzugehen, intensive, manchmal ungewöhnliche Interessen.
Verarbeitung von sensorischen Reizen: besonders starke oder besonders schwache Verarbeitung von Sinnesreizen, zum Beispiel Geräuschen, Licht, Berührungen, Nahrungsmitteln, Schmerz oder Temperatur.

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (früher ADHS und ADS):

  • ADHS mit Hyperaktivität
  • ADHS ohne sichtbare Hyperaktivität (Hyperaktivität
    zeigt sich z. B. in starker innerer Unruhe)
  • ADHS als der Mischtyp

Anzeichen einer ADHS in der Kita sind zum Beispiel:
Unaufmerksamkeit: kurze Aufmerksamkeitsspanne, Schwierigkeiten, Aufgaben zu erledigen, scheinbares „Nicht-Zuhören“ oder „Faulsein“
Hyperaktivität: große körperliche Unruhe, Schwierigkeiten, ruhig zu spielen
Impulsivität: Unterbrechen bei Gesprächen oder Spielsituationen, Wutausbrüche und starke emotionale Reaktionen.

Hochbegabung: Wenn der gemessene IQ bei 130 Punkten oder höher liegt. Anzeichen einer Hochbegabung im Kindergartenalter können sein: schnellere Entwicklung in einigen Bereichen, (zum Beispiel Sprache), starke Wahrnehmung von sensorischen Reizen, geringeres Schlafbedürfnis, weniger Interesse an Gleichaltrigen, Perfektionismus und geringe Frustrationstoleranz, stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, ungewöhnliche Interessen.

QUELLE:
1 Vgl. Doyle, N. (2020): Neurodiversity at work. A biopsychosocial model and the impact on working adults. In: British Medical Bulletin, 135(1), S.108–125.

kindergarten heute - Das Fachmagazin für Erzieher:innen: Für die Professionalisierung des frühpädagogischen Berufsfeldes

Das Fachmagazin im Abo

  • 10 Ausgaben pro Jahr
  • Beispielhafte und inspirierende Praxisbeiträge aus dem Kita-Alltag
  • Fachliche Orientierung, Standpunkte und Meinungen zu Themen der Frühpädagogik
  • Sicherung und Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität in Ihrer Einrichtung
1 Ausgabe gratis