Gegen die Laminierwut in Kitas: Braucht wirklich alles eine Plastikhaut?

Papier und laminierte Unterlagen

„Soll ich das noch schnell laminieren?“ Dieser Satz dürfte in vielen Kitas bekannt sein. Unsere Autorin kennt die Freude am Laminieren nur zu gut. Und fragt sich: Muss das immer sein?

Dieses leise Summen des Geräts, das Rascheln der Folie, wenn sie langsam und gemächlich durch die Walzen läuft – der Vorgang des Laminierens versetzt nicht nur mich in einen meditativen Glückszustand. Zwischen Wickeln, Elterngesprächen, der Bauecke und zum hundertsten Mal seinen eigenen Namen zu hören, kann es eine kleine willkommene Pause sein, ein paar Dinge durch das Laminiergerät zu schieben. Am Ende gibt es diesen befriedigenden Moment: Man hält das fertige, noch warme Kärtchen in der Hand – glatt, fest, irgendwie professionell und unzerstörbar. Laminierte Sachen fühlen sich einfach gut an.
Nur leider hat diese kleine Kita-Liebe einen ziemlich großen ökologischen Haken: Laminierte Sachen bestehen aus Kunststoff (siehe Kasten) und Papier. Beides wird fest miteinander verbunden und lässt sich anschließend weder trennen noch recyceln. Aus einem gut recycelbaren Blatt Papier wird so ein Verbundmaterial für den Restmüll. Der ökologische Fußabdruck vergrößert sich gefühlt von süßer Hundepfotengröße zu einem Loch in der Erde von der Größe eines Dino-Trampelfußes.
Das liegt vor allem daran, dass beim Laminieren PET mit anderen Kunststoffen und Papier verbunden wird. Dadurch kann das laminierte Blatt nicht einfach gemeinsam mit dem Altpapier recycelt werden. Das Problem liegt also weniger im PET selbst als in der Kombination. Das heißt, wir nehmen ein Material, das gut recycelbar sein könnte, verbinden es mit einem anderen Material und machen daraus etwas, das am Ende kaum noch recycelbar ist.
Ein normales Blatt Papier kann seinen Weg ins Altpapier gehen. Eine PET-Flasche kann recycelt werden. Ein laminiertes Blatt dagegen ist ein Verbund aus Papier und Kunststoff. Aktuell existieren auf dem Markt umweltfreundliche Alternativen. Diese sind jedoch meistens teurer, es gibt eine kleinere Auswahl und man muss ausgiebig recherchieren, welches das beste Produkt ist. Außerdem bedeutet „Bio“ bei Laminierfolien nicht automatisch „umweltfreundlich“. Entscheidend ist, ob die Folie unter Realbedingungen tatsächlich kompostierbar ist.

Welche Alternativen gibt es?

Aber muss jetzt das Laminiergerät aus der Kita verschwinden? Ich finde: nein. Es geht vielmehr darum, genauer hinzusehen. Dazu ein Beispiel: Vor einiger Zeit saß ich vor einem Stapel frisch gestalteter, wunderschöner Karten für den Erzählkreis. Eigentlich wollte ich nur noch „schnell“ die Karten laminieren. Da kam mir der Gedanke: Brauchen die wirklich alle eine Plastikschicht? Einige würden wahrscheinlich nach einer Woche in der Schublade oder irgendeiner Box verschwinden. Andere würden vielleicht einmal für das Angebot gebraucht und danach nie wieder. Hier lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken und Dinge auszuprobieren:

  • Für häufig verwendete Karten und Spiele eignet sich beispielsweise dickerer Recyclingkarton.
  • Wiederverwendbare Kartenhüllen könnenebenfalls eine gute Lösung sein: Das Papier kann bei Bedarf ausgetauscht werden, während die Hülle immer wieder verwendet wird.
  • Für Plakate und Aushänge reicht oft stabiles Papier oder Karton.
  • Wenn etwas tatsächlich länger halten muss, können wiederverwendbare Klarsichthüllen oder andere Schutzsysteme eingesetzt werden.

Dann gibt es noch die radikal einfache Lösung: Papier einfach Papier sein lassen. Ein Ausmalbild muss nicht zehn Jahre halten. Eine selbst gemalte Kinderzeichnung darf Eselsohren bekommen. Ein Arbeitsblatt darf nach seinem Einsatz im Papierkorb landen und anschließend recycelt werden. Vielleicht müssen wir uns auch ein bisschen davon verabschieden, alles für die Ewigkeit haltbar machen zu wollen.
Denn Nachhaltigkeit bedeutet nicht, dass wir uns jede kleine Freude verbieten müssen. Auch ich werde vermutlich weiterhin gelegentlich am Laminiergerät stehen und dieses angenehme Summen und die Wärme genießen. Aber vielleicht fragen wir uns vorher: Braucht dieses Material wirklich eine Plastikhaut? Oder reicht es auch ohne? Vielleicht entdecken wir dabei sogar etwas Neues: Nachhaltigkeit in der Kita beginnt nicht unbedingt mit großen Veränderungen. Manchmal beginnt sie mit einem kleinen Moment des Innehaltens direkt vor dem Laminiergerät.

PET und EVA
Übliche Laminierfolien bestehen aus PET (Polyethylenterephthalat) und EVA (Ethylen-Vinylacetat).
PET ist ein Kunststoff, der beispielsweise für viele Getränkeflaschen verwendet wird. Beim Laminieren dient PET als äußere, stabile Trägerschicht. Sie sorgt dafür, dass die Folie robust und reißfest ist.
EVA ist ein Kunststoff mit einem niedrigen Schmelzpunkt. Er sorgt dafür, dass sich die Kunststoffschicht mit dem Papier verbindet. Je nach Produkt können noch weitere Beschichtungen oder Klebstoffe dazukommen.

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