Der Würzburger Katholikentag ist Geschichte. Und wer mit einigen Tagen Abstand auf das Christentreffen am Main zurückblickt, wird vor allem eines in Erinnerung haben: ein fröhliches, buntes Fest des Glaubens. Eine Innenstadt, die, anders als einst in Stuttgart, vom Katholikentag geprägt wurde. Und Veranstaltungsorte, die wieder einmal überfüllt waren. Es hat sich also ausgezahlt, dass der Katholikentag nicht mehr in einer Millionenmetropole stattfand, sondern die Veranstalter eine kleinere Großstadt mit nur 130.000 Einwohnern als Austragungsort gewählt haben – oder?
Aus Sicht der Veranstalter wird man diesen Schluss geradezu ziehen müssen. In einer kleinen Stadt war man eine große Veranstaltung, und wurde dementsprechend wahrgenommen. Aus Besuchersicht allerdings hätte man sich manchmal gewünscht, hätte sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) schon im Vorfeld einmal Gedanken über die praktischen Konsequenzen aus solch einer Situation gemacht. Denn dass der Wucher gemeinhin als Todsünde gilt, hatte sich zumindest vor Beginn des Katholikentags unter den Würzburger Hoteliers noch nicht herumgesprochen. Wer vier Nächte in einem dezenten Würzburger Hotel übernachten wollte, kam schwerlich mit einer Rechnung von weniger als 600 oder 700 Euro davon. Selbst ein Zimmer im Hotel einer lediglich mit zwei Sternen ausgezeichneten Kette, das im Regelfall zwischen 60 und 70 Euro pro Nacht kostete, schlug während des Katholikentags mit über 100 Euro zu Buche. Und dass an der Eröffnungsfeier des Treffens nur 9000 Menschen teilnahmen, lag ganz sicher nicht nur am schlechten Wetter: Es dürfte mit einiger Sicherheit auch daran gelegen haben, dass sich der eine oder andere Besucher die exorbitanten Hotelpreise für wenigstens eine Nacht sparen wollte – was im Übrigen auch am Samstag zu beobachten war, als ebenfalls eine spürbare Abreisebewegung aus Würzburg einsetzte.
Hierauf sollte das ZdK bei seinen Planungen für weitere Katholikentage reagieren. Manches sollte man neu denken, wenn man mit den Treffen in kleinere Städte mit geringeren Hotelkapazitäten geht: Braucht es zum Beispiel wirklich eine eigene Eröffnungsfeier am Mittwochabend, wenn der Katholikentag ohnehin mit einem Großgottesdienst am Donnerstag startet? Können die Grußworte von Bundespräsident und Ministerpräsident nicht auch dann gehalten werden? Kann der Abend der Begegnung in der Innenstadt nicht auch mit der Kirchenmeile kombiniert oder am Abend des ersten vollen Katholikentag-Tages durchgeführt werden? Anders ausgedrückt: Muss man mit Konzepten, die für Veranstaltungen in Millionenmetropolen entwickelt wurden, wirklich auch in kleineren Städten weitermachen? Ist das Festhalten am bewährten Schema F der einzige gangbare Weg? Oder verlangen Katholikentage, deren äußerer Rahmen kleiner wird, nicht auch Veränderungen im vertrauten Programmaufbau?
Doch auch ganz praktisch sollten die Veranstalter den Teilnehmern entgegenkommen. Angebracht wäre eine Kooperation mit einem großen Reiseveranstalter, der rechtzeitig vor Beginn des Treffens Hotelkapazitäten in großem Maßstab aufkauft, und dann zusammen mit der Dauerkarte zu marktüblichen und angemessenen Preisen an die Teilnehmer verkauft. So, wie es bei der Buchung von Privatquartieren über die Organisatoren der Kirchentage heute schon geschieht. Denn man darf eines nicht vergessen: In dem Maße, in dem das Katholikentagspublikum älter und gesetzter wird, werden Massenquartiere und Privatunterkünfte unattraktiv. Ein Hotel kann dagegen eine gute Alternative sein – selbst wenn es etwas außerhalb gelegen ist. Und weiß man als Veranstalter, wie viele Teilnehmer in welcher Unterkunft absteigen, kann man sogar ein Netz von Shuttlebussen zu den Unterkünften entwickeln und in den Tickets einpreisen, was den Nachteil der entfernten Unterbringung wieder etwas aufheben würde. Bei säkularen Kongressen und Fachmessen in der Größenordnung eines Katholikentags ist so etwas im Übrigen ja durchaus üblich.
Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang auch sinnvoll, würde die Planung der Katholikentage – genau wie jene der evangelischen Kirchentage – künftig mit mehr Vorlauf geschehen. Wenn man wie bei den Protestanten schon vier Jahre im Voraus weiß, wo ein Christentreffen stattfinden soll, kann man auch mit deutlich mehr Professionalität und Gründlichkeit an die Angelegenheit herangehen. Perspektivisch jedenfalls wird es nicht mehr ausreichen, darauf zu hoffen, dass die Dauerteilnehmer eines Katholikentags dazu bereit sind, jeden noch so exorbitanten Preis für ihre Teilnahme zu bezahlen. Die Veranstalter müssen den Teilnehmern auch organisatorisch entgegenkommen, sollen die Christentreffen eine Zukunft haben.