Aufmerksamkeit ist das wichtigste Gut in unserer von Medien geprägten Welt. Darüber sind sich alle einig, aber auch darüber: Wer im medialen Geschäft besonders laut ist und gezielt auf der emotionalen Klaviatur zu spielen versteht, ist da im Vorteil. Man hat den Eindruck: Es gewinnen immer öfter die lautesten Stimmen und emotional effektivsten Geschäftemacher. Unser gesellschaftliches Leben hängt aber davon ab, dass die richtigen Fragen, die wirklichen Probleme Aufmerksamkeit erhalten. Nicht mediale Zerstreuung sollte das Ziel sein, sondern Focussierung und Konzentration auf das Wesentliche. Wirksam werden sollte das, was in eine gute Richtung weist. Wie kann eine solche positive Aufmerksamkeit beim Einzelnen geweckt werden, wie kann sie wachsen und nachhaltig gepflegt werden? Und wie kann dieser Blick für das Wesentliche in der Gesamtgesellschaft gestärkt werden? Was sind Wege zu einer guten Kultur der Aufmerksamkeit?
Ich kann nicht alle Aspekte dieses Problems wirklich beantworten. Ich möchte nur einen kleinen Weg aufzeigen, wie wir eher auf das Wesentliche zu sprechen kommen, das heißt: auf das, was mich und andere Menschen wirklich verbindet. Das wäre zuerst einmal das aufmerksame Zuhören. Ich höre da nicht nur die Worte des anderen, sondern nehme diesen ganzen Menschen wahr. Und dann kann ich ihn fragen, was hinter seiner Meinung steht, welche Angst dahintersteht und wie er sich und die Welt versteht und was für ihn das Wesentliche ist. Oder ich kann ihn fragen, was seine tiefste Sehnsucht ist. Wenn das Gespräch nur ein Schlagabtausch von Meinungen ist, kommen wir nicht weiter. Dann geht es um Rechthaberei. Aber mit einer Frage interessiere ich mich nicht nur für Argumente, sondern für den Menschen. Das deutsche Wort „Frage“ hängt zusammen mit „Furche“. Mit einer guten Frage grabe ich eine Furche in den Acker der Seele des Gesprächspartners. Dann kann etwas aufgehen, aufblühen. Dann werden wir auf einmal über die wesentlichen Dinge sprechen.