Da ein Mandat des Papstes für die Bischofsweihen fehlt, werden sich die Akteure der Piusbruderschaft erneut selbst autorisieren müssen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat für den 1. Juli erneut Bischofsweihen angekündigt. Bislang war zwar das Programm bekannt, nicht aber die Namen. Diese hat das Generalhaus der Bruderschaft in Menzingen soeben bekannt gegeben. Es handelt sich um vier Kandidaten. Der Generalobere der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani, ist nicht dabei. Zwei Priester aus Frankreich (Michael Poinsinet de Sivry, 42 Jahre, und Marc Hannapier, 36 Jahre), einer aus der Schweiz/Kanton Aargau (Pascal Schreiber, 53 Jahre) und einer aus den USA (Michael Goldade, 45 Jahre) werden geweiht. Alle Kandidaten haben in leitender Tätigkeit im Schulwesen oder als Theologieprofessor in Seminaren gewirkt. Ihre Sprachkompetenz wird in den Kurzporträts eigens hervorgehoben.

Keine Splittergruppe

Die Bischofsweihe in Ecône wird ein medial viel beachtetes Ereignis. Es haben sich bereits 15.000 Gläubige angemeldet, über 1.000 traditionalistische Priester werden erwartet. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist längst keine "Kümmerform des Katholischen" mehr, "die keine Aussicht auf Dauer hat", wie Karl Rahner 1978 meinte, sie ist auch "keine traditionalistische Splittergruppe", wie Peter Hünermann noch 2009 urteilte, sie ist eine gerade in Frankreich und den USA wachsende, international vernetzte Organisation mit Priesterseminaren, Zentren und Schulen, die momentan 773 Priester, 264 Seminaristen, 145 Brüder und 250 Schwestern in ihren Reihen zählt.

Da ein Mandat von Papst Leo XIV. für die Bischofsweihen am 1. Juli 2026 fehlt, werden sich die Akteure der Piusbruderschaft erneut selbst autorisieren müssen, diesen Schritt zu setzen. Erzbischof Marcel Lefebvre glaubte sich 1988 im Namen des "ewigen Rom" ermächtigt, auch ohne die Zustimmung von Papst Johannes Paul II. die vier Priester zu weihen.

Víctor Manuel Kardinal Fernández hat die kirchenrechtlichen Folgen dieses Schrittes noch einmal öffentlich in Erinnerung gerufen. Spender und Empfänger der unerlaubten Bischofsweihen werden sich automatisch die Exkommunikation zuziehen, die gültige, aber illegitime Weihe wird – wie 1988 durch Johannes Paul II. auch – als "schismatischer Akt" qualifiziert.

Die Kritik der Glaubenserklärung der Bruderschaft vom 14. Mai, Rom reagiere immer nur mit kirchenrechtlichen Sanktionen, lässt ein sehr einseitiges Verständnis der Konfliktgeschichte zwischen Rom und den Lefebvristen erkennen. Den illegitimen Priesterweihen 1976 und Bischofsweihen 1988 sind intensive Gespräche mit Erzbischof Lefebvre vorangegangen. Auch im Februar hatte Kardinal Fernández dem Generaloberen, Davide Pagliarani, angeboten, über das Konzil neu ins Gespräch zu kommen – ein Vorschlag, der umgehend abgelehnt wurde.

Man will den Eindruck vermeiden, die Gründung einer bischöflich verfassten Parallelkirche anzustreben. 

Ausdrücklich wird in der Ankündigung der Kandidaten klargestellt, dass eine Jurisdiktionsgewalt für die neu geweihten Bischöfe nicht beansprucht wird: Man will den Eindruck vermeiden, die Gründung einer bischöflich verfassten Parallelkirche anzustreben. Es gehe allein darum, in dieser "beispiellosen Glaubenskrise" den Dienst an den Seelen und an der Kirche sicherzustellen.

Die Tragik der Traditionalisten

Zur Tragik der Traditionalisten, die eigentlich den Primat des Papstes gegen Tendenzen einer Demokratisierung stärken wollten, gehört es, dass sie die Autorität des Papstes schwächen, dass sie einen Keil in das Kollegium der Bischöfe hineintragen und bei den Gläubigen Verwirrung stiften, als gebe es nun zwei Katholizismen, einen vorkonziliaren und einen nachkonziliaren. Schließlich setzt sich die Piusbruderschaft, wenn sie im Namen der Päpste von gestern gegen den Papst von heute rebelliert, über das Wort des heiligen Papstes Pius X. hinweg, der einmal gesagt hat: "Wer heilig ist, kann mit dem Papst nicht uneins sein."

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