Träume gehören zum Leben, sowohl Nacht- als auch Wunschträume. Aber während der Traum im Schlaf kommt und geht wie der Schlaf selbst, können Wünsche zerplatzen und zerschellen an der Realität, an den Umständen, an anderen Menschen, einfach am Verlauf des eigenen Lebens. Sie können sich ganz plötzlich als unerfüllbar erweisen, sie können aber auch ganz langsam versickern und versanden. Träume sind Schäume, heißt es, und Schäume sind nichts als lauter kleine Seifenblasen, die nach und nach zerplatzen. Wie ist das mit dem großen Traum von einer besseren Welt, dem Traum vom Frieden? Gilt hier die Sentenz von Altkanzler Helmut Schmidt: Wer so träumt, hat Visionen und sollte zum Arzt gehen?
Zerplatzt ein Wunsch, eine Hoffnung, eine Zielsetzung, muss das nicht das Ende sein. Oft gabelt sich der Weg und eine neue Richtung wird sichtbar. Vielleicht auch eine neue Chance. Manchmal muss der Aufprall zuvor hart sein. Vor 2000 Jahren zerplatzte in Jerusalem der Traum, in Jesus einen politischen Führer gefunden zu haben, der die römische Besatzung beseitigen werde. Annette Jantzen berichtet in dieser weit!-Ausgabe von prophetischen und anderen Träumen im Kontext der Bibel. Simon Lukas hat auf den Leinwänden der Berlinale manchen Traum platzen sehen. Johanna Beck hat die Theologin und Meditationslehrerin Karin Seethaler zu deren Kursen des kontemplativen Betens befragt. Und ich durfte einen ehemaligen Triathleten kennenlernen, der sich durch einen Verkehrsunfall von vielen Träumen verabschieden musste und sich dann in der Stille eines kleinen Andachtsraumes ganz neue Fragen stellte.
I have a dream!, rief einst Martin Luther King und zeigte eindrucksvoll, wie aus Träumen konkrete Ziele werden können. Dass dieses Heft voller Träume auch zielführend ist und Erkenntnisse bringt, das wäre ja mal ein Traum.